Konversionen im Umkreis des Wiener Hofs um 1700
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
- Religious Conversion,
- Printed Controversies,
- Imperial Court of Vienna,
- Elisabeth Christine von Braunschweig,
- 1700,
- Confessional Borderline
Zwischen 1670 und 1720 kam es im Umkreis des Wiener Hofs zu zahlreichen Konversionen von Protestanten verschiedener Denominationen zur katholischen Kirche. Die soziale Bandbreite dieser Konvertiten reicht von regierenden Reichsfürsten über Amtsträger am Kaiserhof bis zu Einzelpersonen adeliger oder bürgerlicher Herkunft, die in Klientelverhältnissen zu Angehörigen des Hofs standen oder auf Grund ihrer Konversion in den Genuss karitativer Zuwendungen (etwa aus den Mitteln der von Kaiserin Eleonora Magdalena Theresia von Pfalz- Neuburg gestifteten Konvertitenkasse) kamen. In der vorliegenden Untersuchung wird eine Annäherung an das Phänomen frühneuzeitlicher Konversionen von verschiedenen Blickwinkeln aus unternommen: Sowohl sozial-, geistes- und religionsgeschichtliche Aspekte als auch die politischen Hintergründe dieser Konversionen werden in ihrer Interdependenz verfolgt. Als Quellenbasis wurde einerseits eine große Anzahl von frühneuzeitlichen Druckschriften, die sich in kontroverstheologischer oder autobiographischer Form mit der Konversionsproblematik befassten, andererseits eine breite Auswahl an ungedruckten Quellen aus Archiven in Wien, Rom und Wolfenbüttel herangezogen. Ausgangspunkt und forschungsleitendes Konzept war die ursprünglich aus der anthropologischen Forschung stammende Metapher der Konfessionsgrenze als einer sozialen und kulturellen Grenze. Einen gemeinsamen Fokus finden die genannten Fragestellungen in der außergewöhnlich gut dokumentierten Konversion Elisabeth Christines von Braunschweig-Wolfenbüttel, die als Vorbedingung ihrer Heirat mit dem Habsburger und späteren Kaiser Karl VI. 1707 in Bamberg stattfand.