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Grundlagen einer Risikoforschung zur römischen Kaiserzeit

Foundations of Risk Research on the Roman Empire

Ulrike Ehmig (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/M1366
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.03.2012
  • Projektende 14.03.2014
  • Bewilligungssumme 129.340 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (85%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (15%)

Keywords

    Risk Research, Papyri Analysis, History of Mentality, Epigraphic Habits, Dice and Probability, News Factors of Ancient Sources

Abstract

Risiken bezeichnen mögliche Gefahren, deren Wahrscheinlichkeit mathematisch berechnet werden kann. Die Entwicklung der Stochastik im 17. Jahrhundert stellt nach der heutigen, vor allem in den Sozial- und Kommunikationswissenschaften untersuchten Sicht die Voraussetzung dafür dar, drohende Gefahren rational zu erfassen und ihnen präventiv zu begegnen. Forschungsüberblicke zur Geschichte des Umgangs mit Risiken vermitteln den Eindruck, als ob sich die Menschen davor, in Mittelalter und Antike, göttlichem Willen unterworfen und mit Gleichmut in ein für sie unabänderliches Schicksal ergeben hätten. Gegen eine solche Sicht sprechen zahlreiche Einzeluntersuchungen in allen altertumskundlichen Disziplinen. Sie bisher jedoch nie systematisch zusammengestellt und vor dem Hintergrund einer gemeinsamen, übergeordneten Perspektive erörtert worden Eine solche bietet die moderne Risikoforschung: Wendet man ihre Fragestellungen auf die antiken Quellen an, öffnet sich ein neues, bisher völlig unbearbeitetes aber äußerst perspektivenreiches Forschungsfeld für alle Zweige der Altertumswissenschaften. Das zeigen bereits zwei Vorarbeiten auf der Grundlage archäologischer und epigraphischer Quellen, in denen tiefgehende Aufschlüsse über die Wahrnehmung faktisch eingetretener Risiken sowie subjektive Befürchtungen und Ängste gewonnen werden konnten. Das beantragte Vorhaben zielt als ein erster Beitrag zu einem noch kaum erforschten Aspekt antiker Mentalität in fünf Untersuchungsschritten auf die Einschätzung und den Umgang mit Risiken in der römischen Kaiserzeit. Zuerst sollen in den literarischen Quellen die Begriffe für Risiko und Gefahren identifiziert und analysiert werden. Wie eine erste Quellendurchsicht zeigt, spielt dabei überraschenderweise das Wortfeld "Würfel" (alea) eine große Rolle: Aus Beobachtungen des Würfelspiels entwickelte sich in der frühen Neuzeit die Wahrscheinlichkeitsrechnung. In einem zweiten Schritt ist daher zu fragen, ob diese Bedeutung des Wortfeldes, gerade auch in seinem juristischen Gebrauch, bereits Ansätze einer Unterscheidung zwischen unmittelbaren und möglichen, durch präventive Maßnahmen minimierbaren Bedrohungen - also "Gefahren" und "Risiken" - widerspiegeln. Drittens soll den Sichtweisen breiter Bevölkerungsgruppen anhand der Untersuchung direkter Zeugnisse, Papyri und Inschriften, nachgegangen werden. Auf der Basis dieser Untersuchungen ist in einem vierten Schritt zu fragen, ob Entwicklungen in der Wahrnehmung und im Management von bedrohlichen Situationen zu beobachten sind. Der abschließende fünfte Schritt geht von der modernen Erkenntnis aus, dass die faktisch risikoreichsten Bedrohungen keineswegs am häufigsten und eindringlichsten in den Medien thematisiert und von den einzelnen als größte Bedrohung empfundenen werden. Es ist zu untersuchen, in welcher Weise die unterschiedlichen antiken Quellen die Häufigkeit und Schwere von Risiken repräsentierten. Die Studie zielt darauf, anhand dieser fünf Punkte das Spannungsverhältnis von Rationalismus und Fatalismus in der Mentalität kaiserzeitlicher Menschen zu charakterisieren. Für das Projekt, das einen neuen Zugang zu den antiken Quellen weist, wird die Kooperation mit dem Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien gesucht, das in seiner interdizisplinären Ausrichtung und Vernetzung optimale Forschungsbedingungen verspricht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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