Domänenspezifische Funktionalitäten in allgemeinen DH-Repositorien
Retain Domain Specific Functionalities in a Generic Repository with Humanities Data
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (35%); Geschichte, Archäologie (35%); Kunstwissenschaften (30%)
Keywords
- Illuminated Charters,
- Virtual Research Environment,
- Distributed Resource,
- Digital Preservation
Das Projekt ist illuminierten Urkunden des Mittelalters gewidmet, d.h. individuellen schriftlichen Rechtsverfügungen, die mit farbigen und/oder darstellenden Elementen versehen sind. Diese Art von Urkunden ist im gesamten Mittelalter in ganz Europa entstanden: Englische, französische und deutsche Herrscherurkunden des 14. Jahrhunderts können ebenso illuminiert sein wie Sammelablässe vom Papsthof in Avignon, ungarische Wappenverleihungen des 15. Jahrhunderts oder süditalienische Heiratsurkunden. Da die bildliche Ausstattung für Archivare nebensächlich ist, sind diese Urkunden in den Archivverzeichnissen nur schwer zu finden. Dennoch sind sie von hohem Interesse für die kunsthistorische, diplomatische oder kulturhistorische Forschung. Das FWF Projekt Illuminierte Urkunden als Gesamtkunstwerk (P 26,706) hat sich ihrer Dokumentation angenommen. In einem kollaborativen Unternehmen entsteht auf der derzeit größten Urkundenplattform monasterium.net eine Sammlung mit illuminierten Urkunden: http://www.monasterium.net/mom/IlluminierteUrkunden/collection. Die Arbeit an diesem Projekt wird auch mit Ende der Förderung des FWF nicht abbrechen, da sich eine wachsende wissenschaftliche Community zum Thema rund um das Portal herausbildet. Monasterium.net bietet für technische Laien gut benutzbare Werkzeuge zur kollaborativen Arbeit und integriert die Urkunden in der Sammlung in ihren Archivkontext. Das Portal hat zur Zeit aber noch keine Langzeitarchivierungsstrategie. Das Projekt Domänenspezifische Funktionalitäten in allgemeinen DH-Repositorien stellt nun sicher, daß die Daten zu den illuminierten Urkunden in einem vertrauenswürdigen und auf Langzeitarchivierung ausgerichteten Repositorium gesichert werden. Dafür werden Workflows entwickelt, mit denen die Daten aus monsterium.net in das Geisteswissenschaftliche Asset Management System (GAMS) der Universität Graz (http://gams.uni- graz.at) überführt werden. GAMS ist das in Österreich führende Repositorium für geisteswissenschaftliche Daten, das ausdrücklich auf Langzeitsicherung ausgerichtet ist. Das Projekt entwickelt Standards, Schnittstellen und Abläufe, die es erlauben, kontinuierlich Daten aus dem fachspezifischen Portal monasterium.net in das allgemeine Repositorium GAMS zu überführen. Dabei setzt das Projekt auf XML/TEI P5 und RDF als Datenformate, die in den Digitalen Geisteswissenschaften als Datenarchivierungsstandards weit akzeptiert sind. Für die Schnittstellen setzt das Projekt auf IIIF, das eine in Bibliotheken und Archiven zunehmend eingesetzte Lösung für den Austausch von digitalen Bildern ist und auf OAI-PMH als Protokoll für den Austausch von Metadaten, das unter anderem auch bei der Europeana im Einsatz ist. Das Projekt Domänenspezifische Funktionalitäten in allgemeinen DH-Repositorien demonstriert damit, wie Daten, die am leichtesten in einem fachspezifischen Onlinesystem erzeugt, veröffentlicht und gepflegt werden in ein langzeitorientiertes Datenrepositorien überführt werden können.
Urkunden sind eine der häufigsten Arten von Dokmenten, die aus dem Mittelalter überlebt haben, und sind die Grundlage für viele historische Forschungen. Dieser hohe Wert für die historische Forschung hat zum Aufbau von Monasterium.net geführt, dem weltweit größten Portal für diese Art von historischen Quellen. Monasterium.net stellt mehr als 600.000 Urkunden mit Beschreibungen, Transkriptionen und Bildern online zur Verfügung. Die digitalen Darstellungen der Urkunden in diesem Portal stammen aus Archiven, digitalisierten Büchern und aus der Forschung. Das Projekt befasste sich mit der letztgenannten Gruppe: Die digitalen Forschungsergebnisse sollen langfristig erhalten werden. Monasterium.net selbst hat den Vorteil, eine einfache Datenerstellung mit domänenspezifischen Funktionalitäten zu unterstützen. Es bietet jedoch keine besonderen Maßnahmen zur Langzeitarchivierung. Das Projekt etablierte einen Prozess, mit dem diese Forschungsdaten exportiert und im institutionellen Repositorium der Universität Graz"GAMS" gespeichert werden können (https://gams.uni-graz.at). Dieses auf geisteswissenschaftliche Daten spezialisierte Repositorium folgt den Standards der Langzeitdatenerhaltung und verwendet weltweite Standards zur Datenbeschreibung. Während das Portal ein altes Datenmodell (das Schema der "Charters Encoding Initiative" CEI) verwendet, hat die Forschung ein allgemeineres Modell für jede Art von Texten etabliert, die Richtlinien der "Text Encoding Initiative" (TEI). Das Projekt definierte Modelle und Prozeduren, um die Daten von Monasterium.net in diesen Standard zu konvertieren und so leichter für andere Arten von Forschung (z.B. Textmining, oder personenbezogene Forschung) und Datenwiederverwendung verfügbar zu machen. Zusätzlich identifizierte das Projekt eine Lücke im TEI-Standard im Bereich der Beglaubigung. Das Projekt machte einen Vorschlag, um diese Lücke zu schließen. Das Projekt musste sich insbesondere mit der Vielfalt und Inkonsistenz der vorhandenen Daten auseinandersetzen. Die Vielfalt der Herkunft der Originaldaten in Monasterium.net und die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Forschungsdaten nutzten die Unvollständigkeit und den Interpretationsraum, den das ursprüngliche Schema hinterließ, wenn nicht gar die Definitionen vernachlässigt wurden. Das Projekt testete eine große Menge von Einträgen auf Standardkonformität und bereinigte den Datensatz in Monasterium.net. Das Projekt testete seine Methoden mit dem Datensatz aus einem früheren Projekt über illuminierte Urkunden, d.h. rechtsverbindliche historische Dokumente mit Bildern oder Verzierungen darauf (http://illuminierte-urkunden.uni-graz.at). Es erstellte eine Weboberfläche zu der Sammlung (http://gams.uni-graz.at/context:cord.illuminierteurkunden), die zeigt, dass die Übertragung der Daten in das digitale Langzeitarchiv sogar zusätzliche Suchmöglichkeiten bieten kann.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 5 Zitationen
- 3 Publikationen
- 2 Datasets & Models
- 2 Weitere Förderungen
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2020
Titel The Notary in the Haystack – Countering Class Imbalance in Document Processing with CNNs DOI 10.1007/978-3-030-57058-3_18 Typ Book Chapter Autor Leipert M Verlag Springer Nature Seiten 246-261 -
2019
Titel ‚Monasterium.net‘ – eine Infrastruktur für diplomatische Forschung DOI 10.1515/mial-2019-0022 Typ Journal Article Autor Vogeler G Journal Das Mittelalter Seiten 247-252 -
2019
Titel Historische Grundwissenschaften und Digital Humanities DOI 10.7788/9783412517021.361 Typ Book Chapter Autor Vogeler G Verlag Brill Deutschland Seiten 361-386
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2017
Titel ÖAW GO!DIGITAL 2.0 Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2017 Geldgeber Austrian Academy of Sciences -
2018
Titel FWF ORD Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2018 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)