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Mittelalterliche Glasmalerei - Corpus Vitrearum

Medieval Stained Glass - Corpus Vitrearum

Ernst Bacher (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15254
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2002
  • Projektende 31.03.2004
  • Bewilligungssumme 104.788 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (90%)

Keywords

    MITTELALTERLICHE MONUMENTALMALEREI, ERHALTUNGSPROBLEME, MITTELALTERLICHE GLASMALEREI, KUNST, MITTELALTER

Abstract Endbericht

Das Projekt ist der Erforschung kaum bekannter mittelalterlicher Kunstwerke gewidmet. Es geht um die Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Bearbeitung mittelalterlicher Glasmalereien in Österreich. Viele hundert Glasgemälde aus der Zeit vom 12. bis in das 16. Jahrhundert sind von der bildlichen Ausstattung romanischer und gotischer Kirchen erhalten geblieben. Vielfältige ikonographische Programme und Darstellungen in einem breiten Spektrum künstlerischer Ausdrucksformen geben Aufschluß über die reiche Bilderwelt mittelalterlicher Kirchen und die darin verankerten geistigen und politischen Botschaften. Die Glasfenster bieten die aufschlußreichsten Anhaltspunkte, wie vielfarbig bunt und kostbar in der Detailgestaltung man sich die mit Architekturpolychromie, Wand- und Glasmalerei ausgestatteten romanischen und gotischen Interieurs ursprünglich vorzustellen hat. Es liegt an den Schwierigkeiten der Zugänglichkeit und der fotografischen Dokumentationsmöglichkeiten, daß die Glasmalerei zu den wenig erforschten Bereichen mittelalterlicher Kunst gehört. Gleichzeitig ist sie eine der gefährdetsten Kunstgattungen, weil die aktuelle Schadstoffbelastung der Atmosphäre den Verfallsprozeß der Substanz des mittelalterlichen Glases bereits stark angegriffen hat und weiter zerstört. Konservierungsmaßnahmen können den Verfall nur verzögern. Die kunsthistorische Dokumentation der noch existierenden Bestände mittelalterlicher Glasmalereien (es sind bestenfalls 5 % von dem ursprünglich Vorhandenen) ist daher ein dringendes Desideratum der Forschung. Das Projekt ist Teil des "Corpus Vitrearum Medii Aevi", eines internationalen Forschungsunternehmens, das sich unter der Patronanz der UNESCO in vielen Ländern der Dokumentation dieser Kunstgattung widmet.

Als Abschluß des Projektes "Mittelalterliche Glasmalerei - Corpus Vitrearum", das unter der Leitung von Univ.Prof.Dr. Ernst Bacher und dem Projektteam Dr. Elisabeth Oberhaidacher, Mag. Christina Wolf und Mag.Dr. Günther Buchinger durchgeführt wurde, liegen folgende Ergebnisse vor. Ziel des Projektes war die Erfassung und wissenschaftliche Bearbeitung der mittelalterlichen Glasma-lerei in den Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Entgegen der aus der Literatur bekannten Dimension des erhaltenen Bestandes dieser Kunstgattung, hat die systematische Feldarbeit zur Erfas-sung aller überlieferten Glasgemälde eine wesentliche Vergrößerung des Bestandes ergeben. Statt der bisher für diese Bundesländer angenommenen 10 Standorte, sind es nunmehr 29 Standorte mit insgesamt 337 mittelalterliche Glasgemälden. Diese wurden in situ bearbeitet. Dazu wurde jeweils eine umfassende historische und kunsthistorische Dokumentation erstellt sowie ein detaillierter Befund des Erhaltungszustandes. Sämtliche Scheiben wurden fotografiert, von den Kirchen Grundrisse und Fensterabwicklungen sowie Detailpläne aufgenommen und gezeichnet. Die Rekonstruktion der ur-sprünglichen Ausstattungsprogramme, stilistische Analysen der Malereien im Kontext der Architektur, Fragen der historischen Voraussetzungen sowie der kunst- und kulturgeschichtlichen Zusammenhän-ge sind Schwerpunkte der wissenschaftlichen Bearbeitung, die nunmehr für eine Publikation vorberei-tet wird. Unerwartet groß erwies sich die Steigerung des Bestandes im Bundesland Tirol (der ursprünglich an-genommene Bestand von 42 Glasgemälden an vier Standorten konnte auf 90 Scheiben an 12 Stand-orten erweitert werden). Dadurch war es erstmals möglich, ein differenziertes Bild der Tiroler Glasma-lerei zu zeichnen, die nicht mehr - wie bisher in der Literatur angenommen - als Importprodukt aus Süddeutschland angesehen werden muß. Es gab in Tirol in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nachweislich eine florierende Glasmalereiproduktion, die bis in das 14. Jahrhundert zurückzuverfolgen ist. Im Zuge des Projektes wurden auch zwanzig Südtiroler Standorte bereist, um der einheitlichen Kunst- und Kulturlandschaft Tirols Rechnung zu tragen. Auch in Salzburg konnte eine enorme Steigerung der Anzahl der ursprünglich angenommenen Stand-orte und damit des gesamten Bestandes an Glasmalereien dokumentiert werden. Den vorerst nur vier bekannten Standorten mit 169 Scheiben stehen heuet 14 Standorte mit 240 Scheiben gegenüber. Ein Zentrum des Forschungsprojektes war die Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, wo mehr als 50 % des ursprünglichen Bestandes an Glasmalereien erhalten geblieben sind. Die Aufarbeitung der ar-chivalischen Quellen und dieErgebnisse aus der wissenschaftlichen Bearbeitung erlauben nun erst-mals, die ursprüngliche Ausstattung zu rekonstruieren. 15 Stifterscheiben konnten mit interessanten historischen Details in ihrer Gesamtheit identifiziert und den erhaltenen Glasgemäldezyklen zugeord-net werden. Das Ergebnis der stilistischen Analyse der zwischen 1430 und 1450 entstandenen Glas-malereien zeichnet Tamsweg als künstlerischen Brennpunkt der Bildkunst im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts in Salzburg aus. Darüberhinaus konnte das Bild von der Salzburger Malerei der Spätgo-tik unter Einbeziehung weiterer Standorte wesentlich bereichert werden. In den Glasgemälden der Abteikirche am Nonnberg in Salzburg wurde die, aus einer spätgotischen Werkstatt in Straßburg stammende Chorverglasung mit Malereien von europäischem Rang ausführlich dargestellt. In dem Projekt mitinbegriffen waren auch systematische Erhebungen in der Steiermark; hier hat die flächendeckende Erfassung den bisher bekannten Bestand von 240 Glasgemälden an 25 Standorten auf 450 Glasgemälde an 49 Standorten erweitert. Als Beitrag der Niederösterreichischen Glasmalereiforschung erschien 2003 die Publikation von E. Frodl-Kraft über die Bildfenster der Georgskapelle in der Burg zu Wiener Neustadt.

Forschungsstätte(n)
  • Bundesdenkmalamt - 100%

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