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Naturwissenschaftliche Untersuchungen der Gemälde Tizians im KHM

Scientific examination of Titian´s paintings in the KHM

Sylvia Ferino-Pagden (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15818
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2003
  • Projektende 30.11.2006
  • Bewilligungssumme 246.141 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (40%); Kunstwissenschaften (60%)

Keywords

    Scientific Examination, Paintings, Cataloguing, Kunsthistorisches Museum, Titian

Abstract Endbericht

Im Rahmen einer neuen wissenschaftlichen Bearbeitung der Gemälde des Kunsthistorischen Museums (KHM) sollen die Werke Tizians gleichsam als Pilotprojekt gesondert erforscht und mit Hilfe neuer naturwissenschaftlicher Methoden und technologischer Geräte untersucht werden. Die Anwendung von Röntgen, Infrarot und Infrarotreflektographie (IR, IRR) sowie Ultraviolett (UV) soll Aufschluß über Malträger, Untermalung, Vorzeichnung sowie spätere Übermalungen geben; chemische Analysen von entnommenen Proben dienen der Erforschung des Schichtenaufbaus durch die Präparation von Querschliffen und der Identifizierung von Pigmenten und Bindemitteln. Nach dem Prado verfügt das KHM über die größte Anzahl von Werken Tizians und seiner Werkstätte. Ausschlaggebend jedoch für dieses Forschungsprojekt ist Tizians außerordentlich revolutionäre Malweise als wesentlicher Bestandteil seiner einzigartigen Kreativität, deren Untersuchung mit den oben genannten Mitteln an einzelnen Werken in internationalen Museen bereits einige Irrtümer ausgeräumt hat. Dennoch wird selbst in Studien werkbezogener, stilistischer Natur immer noch viel zu wenig von der materiellen Substanz der zu interpretierenden Werke ausgegangen, womit es nach wie vor zu eklatanten Fehlinterpretationen und zu falschen Zuschreibungen an den großen Meister kommt. So ist sich z. B. die Forschung bis heute nicht einig, ob eine Gruppe von sehr frei und offen gemalten Werken repräsentativ für seinen Spätstil ist und damit gleichsam sein künstlerisches Vermächtnis darstellt, oder ob es sich dabei nur um unfertige Bilder handelt. Ultimatives Ziel bei der Erstellung des wissenschaftlichen Kataloges der Wiener Bilder wäre in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen die Erfassung und Auswertung der naturwissenschaftlichen Daten möglichst aller Gemälde des Meisters ähnlich wie im berühmten "Corpus of Rembrandt Paintings". Eine solche Erfassung würde für Kunsthistoriker ebenso wie Restauratoren völlig neue Ausgangsmöglichkeiten schaffen. Das bereits bekundete Interesse aller an Tizians Werk forschenden Kollegen in ausländischen Museen läßt unser Vorhaben nicht nur sinnvoll, sondern notwendig erscheinen. Vor allem das Museo Nacional del Prado ist an einer konkreten Zusammenarbeit mit dem KHM interessiert.

Während der letzten drei Jahre wurden im Rahmen eines Pilotprojektes knapp 30 Werke Tizians aus dem Kunsthistorischen Museums in Wien (KHM) in enger Zusammenarbeit der drei Abteilungen Gemäldegalerie, Naturwissenschaftliches Labor und Restaurierwerkstätte sowohl naturwissenschaftlich-technologisch, als auch kunsthistorisch untersucht. Diese Form der Untersuchung spiegelt den internationalen wissenschaftlichen Stand der Forschung wieder. Zahlreiche rezente Publikationen auf diesem Gebiet zeugen von der Aktualität dieses Themas. Neben mikroskopischen Untersuchungen wurden an den Werken auch Röntgen- und Infrarotaufnahmen, sowie naturwissenschaftliche Analysen (Pigment- und Bindemitteluntersuchungen) durchgeführt. Die Röntgenaufnahmen ermöglichen es, die Bildgenese zu verfolgen - welche in manchen Fällen unmittelbar mit Werken des Künstlers aus anderen Sammlungen zusammenhängt. Dass dieselbe Bildidee in mehreren Gemälden zeitgleiche Verwendung fand, eröffnet neue Einblicke zur Arbeitsweise in Tizians Werkstatt, deren Organisation, sowie in einzelnen Fällen auch bezüglich Datierungsfragen. Weitere und ergänzende Erkenntnisse liefert die Untersuchung mittels Infrarotreflektorgraphie. Mit Hilfe dieser Technik ist es möglich, Unterzeichnungen und Pentimenti (Veränderungen des Künstlers während des Malprozesses) sichtbar zu machen. Anhand von Probenmaterial und mikroskopischen Beobachtungen am Objekt durchgeführte Malschichtanalysen gestatten Einblicke in Schichtaufbau und Ausführung, sowie Maltechnik. Insgesamt haben die Untersuchungen wichtige Hinweise zu Bildgenese und Ikonografie, aber auch Datierung, Zustand, Formatveränderungen und Restauriergeschichte geliefert. Im dritten Projektjahr wurde damit begonnen, die Ergebnisse in Form eines fächerübergreifenden Kataloges zusammen zu stellen. Die durch das Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnisse setzen wichtige neue Impulse für die internationale Tizianforschung und bedürfen nicht zuletzt eines größeren Zeitrahmens für die Auswertung. Aus diesem Grund wurde im letzten Jahr ein Folgeprojekt (FWF Projekt Nr. P19032) beantragt, das seit November 2006 läuft und die Fertigstellung des Kataloges beinhaltet.

Forschungsstätte(n)
  • KHM-Museumsverband - 100%

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