Intentionale Gegenstände: Eine ontologische Studie
Intentional Objects: An Essay in Ontology
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (15%); Philosophie, Ethik, Religion (85%)
Keywords
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Ontology,
Intenionality,
Intentional Objects,
Epistemology
Das Problem der Intentionalität bildet zweifelsohne eines der zentralen Themen der zeitgenössischen Philosophie und Psychologie. In den letzten Jahren hat man dieses Problem aus verschiedenen Perspektiven untersucht. Was fehlt, ist allerdings eine Studie, die das Thema der Intentionalität in einer besonders systematischen und sozusagen "holistischen" Weise betrachtet. Das ist das Ziel dieses Projekts. In diesem Projekt will ich (A) einen Überblick über ein weites Spektrum von verschiedenen Intentionalitätstheorien geben, wobei auch nicht-exemplifizierte, aber mögliche Theorien berücksichtigt werden sollen, (B) sie im Rahmen eines allgemeinen systematischen Schemas ordnen, und schließlich (C) eine Version der Theorie der intentionalen Gegenstände verteidigen, die der Theorie von Franz Brentano und Roman Ingarden ähnelt. Die Theorie der intentionalen Gegenstände, die ich verteidigen will, ist heutzutage unpopulär. Eine Ontologie der intentionalen Gegenstände wird üblicherweise kurzerhand als ontologischer Dschungel abgelehnt. Ich will jedoch zeigen, dass die Theorie der intentionalen Gegenstände immer noch die beste Intentionalitätstheorie ist. Die ontologische Ökonomie, die ihre Mitbewerber versprechen, erweist sich oft als eine nur scheinbare und es gibt auch ausgezeichnete Gründe, die intentionalen Gegenstände in der Zielposition der psychischen Akte zu situieren. Wenn es mir gelingt, eine Theorie der intentionalen Gegenstände erfolgreich zu verteidigen, wird dies ein wichtiges Ergebnis sein, das im Gegensatz zum Hauptstrom der zeitgenössischen Intentionalitätstheorien steht. Mein Projekt hat aber auch einen Wert, der von diesem erwarteten Ergebnis unabhängig ist. Dieser Wert betrifft das systematische Schema, das ich zum Zwecke der Bewertung der Theorie der intentionalen Gegenstände entwickeln will. Es ist zu erwarten, dass mit Hilfe dieses Schemas die ganze Diskussion in diesem Feld besser geordnet werden kann. Nach der Entwicklung dieses Schemas wird es relativ einfach sein, jeder beliebigen Theorie ihren Platz innerhalb dieses Schemas zuzuordnen. Auf diese Weise wird es möglich sein, für jede solche Theorie ihre ontologischen Verpflichtungen, theoretischen Konsequenzen und unberücksichtigten Möglichkeiten aufzuzeigen.
Das Problem der Intentionalität, d.h. die Frage wie ist es möglich, dass siech der menschliche Geist mit seinen Gedanken auf verschiede Gegenstände in der Welt bezieht, gehört ohne Zweifel zu den zentralen Themen der Philosophie und Psychologie. Im Buch Die Ontologie der Intentionalität wird die so genannte Theorie der intentionalen Gegenstände verteidigt. Diese Theorie behauptet, dass jede plausible Erklärung des Intentionalitätsphänomens ziemlich ungewöhnliche Entitäten einführen muss, die in der Geschichte der Philosophie unter dem Namen "intentionale Gegenstände" auftreten. Solche intentionale Gegenstände sollten auch dann "vor dem inneren Auge" eines Bewusstseinssubjektes stehen, wenn der genuine Referenzgegenstand fehlt. So ist es z.B. im Fall einer Täuschung oder einer bewussten Fiktion. Nach der Version der Theorie der intentionalen Gegenstände, die in diesem Buch verteidigt wird, sind sie Entitäten, die von ihren Subjekten ontologisch abhängig sind und die einen sehr ungewöhnlichen ontologischen Aufbau haben. Unter den Eigenschaften eines intentionalen Gegenstandes befinden sich einerseits solche, die von ihm standardmäßig exemplifiziert (oder "gehabt") werden, andererseits aber auch solche, die er in einem modifizierten Sinne exemplifiziert. Einige Philosophen sagen, dass die Eigenschaften der zweiten Gruppe von den intentionalen Gegenständen "kodiert" werden. Ein intentionaler Hamlet hat beispielsweise die Eigenschaft ein Prinz von Dänemark zu sein nicht in der standardmäßigen Weise. Er kodiert sie lediglich. Heutzutage werden Philosophen, die solche intentionale Gegenstände einführen, der ontologischen Verschwendung beschuldigt. Alle Probleme der Intentionalität können, so ist die herrschende Überzeugung, auch im Rahmen einer deutlich sparsameren Ontologie gemeistert werden, wie z.B. die Theorie der mentalen Inhalte des frühen Husserls oder die adverbiale Theorie, die mit dem Namen Chisholms assoziiert wird, um von den explizit reduktionistischen, funktionalistischen und behavioristischen Auffassungen der Intentionalität ganz zu schweigen. Es stellt sich jedoch heraus, dass alle diese Alternativen auf große Schwierigkeiten stoßen. Die Konklusion des Buchs lautet deshalb, dass die Theorie der intentionalen Gegenstände immer noch die beste Intentionalitätstheorie ist, die uns zur Verfügung steht.
- Universität Salzburg - 100%