Kleinasien und die Geburt des Münzgeldes
The Asia Minor and the Birth of Coinage Project
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (5%); Geschichte, Archäologie (90%); Wirtschaftswissenschaften (5%)
Keywords
- Early Electrum Coinage,
- Sardes,
- Asia Minor,
- Lydia,
- Ephesus,
- Ionia
Die ersten Münzen wurden im 7. Jh. v. Chr. im westlichen Kleinasien geprägt, genauer gesagt in den antiken Landschaften Lydien und Ionien, die eine Schnittstelle zwischen den altorientalischen Reichen und der griechischen Kultur bildeten. In beiden Kulturen wurde bis dahin Reinmetall v.a. gehacktes Silber als Zahlungsmittel verwendet, daneben konvertible Handelswaren wie etwa Getreide. Nach der bisher geltenden Lehrmeinung wurde die Münzprägung erfunden, um diese archaische Form des Zahlungsverkehrs zu ersetzen. Tatsächlich bildet die älteste Münzprägung aber keine Fortsetzung bzw. einen Ersatz des vormünzlichen Geldes, sondern etwas gänzlich Neuartiges. Die älteste Münzprägung besteht aus Elektron, einer Legierung aus Gold und Silber. Diese frühe Elektronprägung war sehr erfolgreich; sie verteilt sich auf rund 300 Serien (das lydische Reich und ionische Stadtstaaten wie Milet und Ephesos zählen dazu) und währte gut 100 Jahre, bevor sie allmählich von Gold-- und Silbermünzen verdrängt wurde. Seit langem ist bekannt, daß die Anteile der beiden Metalle je nach Serie sehr schwanken. Lange ging man davon aus, daß antike Händler solche Wertschwankungen notgedrungen ignorierten, da man Elektron anfänglich noch nicht in seine Bestandteile habe zerlegen können. Neue Untersuchungen haben jedoch erwiesen, daß die frühen Elektronmünzen aus einer künstlichen Legierung bestanden: Die Schwankungen des Goldanteils sind nicht Folge metallurgischen Unvermögens, sondern einer gezielten Manipulation! Wie die Marktteilnehmer Münzherren und Händler auf diesen manipulativen Faktor reagierten, soll das Projekt mit einer Kombination numismatischer und metallurgischer Analysen erhellen. Zum einen wird eine größere Anzahl der frühesten Serien (aus der 2. Hälfte des 7 Jhs. v. Chr.) numismatisch untersucht, d.h. nach Stempeln geordnet und in ihrer jeweiligen metrologischen Spannbreite beschrieben. Zum anderen werden die fraglichen Elektronmünzen mehrerer großer Museen (Berlin, Wien, Paris, New York) metallurgisch untersucht, d.h. die Anteile von Gold, Silber und Kupfer bestimmt. Damit wird erstmals für ein breites Spektrum der frühen Elektronprägung alle maßgeblichen Größen vorliegen: Nominalstruktur, Stempelanzahl, Metrologie und Metallanalysen. Als Angelpunkt der Chronologie, der die Auswahl der frühesten Münzen überhaupt erst ermöglicht, dient das berühmte Tempeldepot aus dem Artemision von Ephesos, das dank neuer archäologischer Untersuchungen nun sicher ins 3. Viertel des 7. Jhs. v. Chr. datiert werden kann. Für die relative und absolute Chronologie der Serien des 6. Jhs. liegen bisher kaum Anhaltspunkte vor. Erfahrungen der Nationalökonomie erlauben jedoch, eine Arbeitshypothese zu formulieren: Jeder Münzherr wird anstreben, den Standard der bereits zirkulierenden Münzen zu unterlaufen (underselling), um durch die Differenz einen Profit einzustreichen. Die Hypothese hat sich bereits in Einzelfällen bewährt; eine zweimalige Reduktion des Goldanteils ist für die Prägestätte Phokaia nachgewiesen, und auch eine allmähliche Reduktion der Gewichtsnormen zeichnet sich ab. Die Geldtheorie hat den Prozeß der Münzgeldentstehung bisher stark vernachlässigt. Das Projekt wird diesen Prozeß beleuchten und das Innovative des Münzgeldes: den inhärenten manipulativen Faktor, zu ergründen suchen.
Asia Minor and the Birth of Coinage Die ältesten Münzen der westlichen Hemisphäre wurden an der Westküste der heutigen Türkei geprägt. Sie bestanden nicht aus einem einzigen Metall, sondern aus einer Legierung aus Gold, Silber und Kupfer, dem sog. Elektron. Die Forschungen des ÖAI im Artemision von Ephesos erlauben es heute, den Beginn dieser Münzprägung in die Mitte des 7. Jhs. v. Chr. zu datieren. Da sich die Münzen auf zahlreiche Serien verteilen, deren Abfolge und Zuweisung vielfach unklar ist, bedarf es der Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen, um die Details zu klären. In einer Kooperation der AG Numismatik der Abt. Documenta Antiqua des IKAnt (Dr. Wolfgang Fischer-Bossert) mit dem ÖAI wird genau dies unternommen; den Ansatzpunkt bietet die Grabung im Artemision, wo über 100 dieser Münzen gefunden wurden. Sie lassen sich anhand der archäologischen Befunde verschiedenen Zeithorizonten zuordnen. Metallurgische Analysen erweisen immer mehr, daß die Serien nicht einheitlich legiert waren, sondern unterschiedlichen Normen folgen. Auch die Gewichtsnormen variieren. Im Rahmen dieses Projektes zur Elektronprägung des 7. und 6. Jhs. werden erstmals alle Parameter (Stratigraphie, Fundkartierung, Metrologie, Metallurgie und Stempelfolge) berücksichtigt.