Ursachen des Biodiversitätsverlusts im östlichen Mittelmeer
Drivers of biodiversity loss in the Eastern Mediterranean
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (70%); Geowissenschaften (30%)
Keywords
- Extinction,
- Biodiversity,
- Phenology,
- Climate Change,
- Invasive Species,
- Long-Term Data
Der östlichste Teil des Mittelmeers ist Schauplatz des weltweit dramatischsten, klimatisch bedingten Verlusts von Biodiversität. Zusätzlich wird diese Region durch vom Menschen eingeschleppte tropische Arten, sowie weitere, lokal wirkende Stressfaktoren bedroht, es ist jedoch oft schwierig, ihre jeweiligen Auswirkungen voneinander abzugrenzen. Ein häufiges Problem stellt das Fehlen von Datenreihen dar, die ausreichend lange Zeiträume umfassen, um entsprechende Veränderungen sowie die zeitliche Entwicklung des Ökosystems abzubilden. Dieses Projekt wird den Biodiversitätsverlust im östlichen Mittelmeer erforschen, indem Datensätze über die letzten Jahrzehnte aus wissenschaftlichen Beobachtungsreihen, Museumssammlungen, sowie Proben subfossilen Materials rekonstruiert werden. Unser Fokus wird dabei auf Weichtieren und Fischen liegen, da diese Tiergruppen für das Funktionieren des Ökosystems und die Wirtschaft küstennaher Regionen eine wichtige Rolle spielen. Anhand der gewonnenen Daten werden wir untersuchen, wie viele Mittelmeerarten bereits durch die tiefgreifenden, menschengemachten Umweltveränderungen verschwunden sind, wie dieser Verlust die Funktion des Ökosystems beeinträchtigt, wie sich extreme Sommerhitze auf Weichtiere und Fische auswirkt, und wie zusätzliche Stressfaktoren wie tropische Arten und Fischerei zum Verlust heimischer Arten beitragen. Abschließend werden wir mit Modellen die Verbreitungen von Arten unter zukünftigen Klimaszenarien simulieren, um jene Veränderungen, die noch auf uns zukommen werden, besser zu verstehen, und angemessene Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung von Schäden planen zu können.
Die globale Erwärmung führt weltweit zu einem Rückgang der biologischen Vielfalt in den Meeren. Besonders anfällig ist das östliche Mittelmeer, da es sich schneller erwärmt als jeder andere Teil des Mittelmeers. Gleichzeitig gelangen über den Suezkanal Hunderte tropische Arten ins Mittelmeer, wodurch die dortigen Ökosysteme zunehmend tropischen Meeren ähneln. Zu verstehen, wie sich diese Veränderungen im Laufe der Zeit entwickelt haben, ist schwierig, da langfristige Aufzeichnungen selten sind. Um diese Wissenslücke zu schließen, haben wir Daten zu Weichtieren - etwa Schnecken, Muscheln und anderen Tieren des Meeresbodens - aus den Jahren 2005 bis heute zusammengestellt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele der wichtigsten ökologischen Veränderungen bereits vor 2005 stattgefunden hatten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war der Verlust der biologischen Vielfalt vor allem auf immer heißere Sommer zurückzuführen. Hohe Temperaturen können viele Meeresorganismen töten, bevor sie das Fortpflanzungsalter erreichen. Im Gegensatz dazu können sich tropische Arten, die über den Suezkanal einwandern, im wärmer werdenden Mittelmeer erfolgreich ausbreiten. Es gibt jedoch auch gute Nachrichten aus Zypern. Vor der Südküste der Insel sorgen besondere Meeresströmungen dafür, dass kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche gelangt. Dieser natürliche Kühleffekt hält die Oberflächentemperatur des Wassers etwa 3 C niedriger als in anderen Teilen des östlichen Mittelmeers und ermöglicht das Überleben einer großen Vielfalt an Arten. Deshalb gilt dieses Gebiet heute als eine wichtige Priorität für Naturschutzmaßnahmen.
- Universität Wien - 100%
- Konstantina Agiadi, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Hadas Lubinevsky, Israel Oceanographic and Limnological Research - Israel
- Bella S. Galil, Steinhardt Museum of Natural History - Israel
- Jonathan Belmaker, Tel Aviv University - Israel
Research Output
- 39 Zitationen
- 5 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 1 Weitere Förderungen
-
2026
Titel Upwelling generates a unique refugium from climate change in the fast warming Eastern Mediterranean Sea DOI 10.1007/s10531-025-03228-1 Typ Journal Article Autor Albano P Journal Biodiversity and Conservation Link Publikation -
2025
Titel High genetic diversity and lack of structure underly the invasion history of the non-indigenous oyster Dendostrea aff. crenulifera (Mollusca, Ostreidae) spreading in the Eastern Mediterranean Sea DOI 10.3897/arphapreprints.e156780 Typ Preprint Autor Delcour N -
2024
Titel New records of non-indigenous species from the eastern Mediterranean Sea (Crustacea, Mollusca), with a revision of genus Isognomon (Mollusca: Bivalvia) DOI 10.7717/peerj.17425 Typ Journal Article Autor Albano P Journal PeerJ Link Publikation -
2024
Titel Ecological baselines in the Eastern Mediterranean Sea shifted long before the availability of observational time series DOI 10.1111/gcb.17272 Typ Journal Article Autor Steger J Journal Global Change Biology Link Publikation -
2023
Titel The climate crisis affects Mediterranean marine molluscs of conservation concern DOI 10.1111/ddi.13805 Typ Journal Article Autor Schultz L Journal Diversity and Distributions Link Publikation