Sozialistisch Arbeiten im postkolonialen Afrika
A Socialist Workplace in Postcolonial Africa
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Politikwissenschaften (10%); Soziologie (50%); Wirtschaftswissenschaften (10%)
Keywords
-
East-South relations,
Non-Aligned Movement,
Yugoslavia,
Zambia,
Labor,
Race
Als Gründungsmitglied der Bewegung der Blockfreien Staaten stand das sozialistische Jugoslawien "zwischen Ost und West" (weder auf der Seite der sowjetischen zentralen Wirtschaftsplanung noch auf der des kapitalistischen Westens) und legte großen Wert auf seine wirtschaftlichen, diplomatischen und kulturellen Beziehungen zur "Dritten Welt". Die neuen unabhängigen afrikanischen Länder wurden zu Jugoslawiens wichtigsten Verbündeten im globalen Süden. Diese Studie über die Belegschaften jugoslawischer Unternehmen in Sambia untersucht die alltäglichen Dimensionen der Beziehungen Jugoslawiens zu den postkolonialen afrikanischen Gesellschaften. Es ist die erste Untersuchung, die systematisch Klasse, Arbeit und Race in Studien über die zwiespältige Beziehung der jugoslawischen Region zum Globalen Süden durch eine sozialgeschichtliche Perspektive verbindet. Im Zuge des jüngsten wissenschaftlichen Interesses an den globalen Verflechtungen des staatssozialistischen Europas haben Historiker:innen die Beziehungen Jugoslawiens zu Afrika neu untersucht, um zu verstehen, wie sich Jugoslawien als Entwicklungs- und Modernisierungsexperte darstellte, wie die Jugoslaw:innen Begegnungen mit Afrikaner:innen wahrnahmen und wie Schriftsteller:innen, Diplomat:innen und technische Expert:innen die jugoslawische Blockfreiheitsideologie in die Praxis umsetzten. Gleichzeitig haben Wissenschaftler:innen die Sozial- und Kulturgeschichte der Arbeit in Jugoslawien aufgearbeitet und untersucht, wie Arbeiter:innen die für Jugoslawien typische sozioökonomische Ideologie der "Arbeiterselbstverwaltung" verstanden. Die Geschichte der Zehntausenden von Arbeiter:innen und Angestellten, die in jugoslawischen Selbstverwaltungsbetrieben in Afrika beschäftigt waren, ist jedoch noch nicht erforscht worden. Dieses Projekt erweitert das Wissen über die "sozialistische Globalisierung" Jugoslawiens und die jugoslawische Arbeiterklasse am Beispiel von zwei jugoslawischen Unternehmen in Sambia, einem der wichtigsten afrikanischen Partner Jugoslawiens. Die erste Fallstudie befasst sich mit dem Belgrader Bauunternehmen Energoprojekt, das die wichtigsten postkolonialen Infrastrukturprojekte Sambias wie Wasserkraftwerke, Straßen und Regierungsgebäude gebaut hat. Die zweite Fallstudie befasst sich mit dem Netz von Reparaturwerkstätten, das der jugoslawische LKW- und Bushersteller FAP (Fabrika automobila Priboj) in ganz Sambia eingerichtet hat. Beide Unternehmen beschäftigten jugoslawische und sambische Arbeiter Seite an Seite. Methodisch stützt sich die Studie auf eine Kombination aus Archivrecherche und Oral History im ehemaligen Jugoslawien und in Sambia. Ziel der Untersuchung ist es, die Auswirkungen der Aktivitäten im globalen Süden auf das Verhältnis der jugoslawischen Arbeitnehmer:innen zum Selbstverwaltungssystem und seinen Werten aufzuzeigen und zu untersuchen, wie sambische Akteur:innen ihre Verbindungen zu Jugoslawien wahrgenommen haben. Die Studie wird sich mit den Arbeitsbeziehungen vor Ort befassen und aufzeigen, wie das tägliche Leben und die Arbeit eine intime, verkörperte und räumliche Beziehungen von Europärn und Afrikanern umsetzten. Die Studie betritt somit Neuland in der Arbeitsgeschichte, der Entwicklungsgeschichte und den Critical Race Studies, indem sie zwei Bereiche miteinander verbindet, die in der Sozialgeschichte immer noch getrennt sind: das postkoloniale Afrika und das staatssozialistische Europa.
- Universität Wien - 100%
- Marja Hinfelaar, Universiteit Leiden - Niederlande
- Catherine Baker, University of Hull - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 1 Publikationen
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2024
Titel Workers’ Proto-diplomacy: Early Contacts between Zambian and Yugoslav Trade Unions, 1959–1962 DOI 10.1017/s0020859024000622 Typ Journal Article Autor Harisch I Journal International Review of Social History Seiten 411-438 Link Publikation