Industrialisierung der Donau als sozio-naturaler Schauplatz
Industrialization of the Danube as a socio-natural site
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Geowissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (40%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (20%)
Keywords
- Danube,
- Environmental History,
- Fluvial Morphology,
- Land Use History,
- Water And River History,
- Socio-Natural Site
Ausreichend Raum und dynamische hydrologische Prozesse sind entscheidend für die ökologischen Funktionen von Flusslandschaften. Diese interagieren mit menschlichen Nutzungen, wobei sich natürliche Prozesse und anthropogene Eingriffe am Oberlauf auch auf den Unterlauf eines Flusses auswirken. IDAN untersucht, wann und wie die Donau vom Industrialisierungsprozess erfasst wurde und ab welchem Zeitpunkt menschliche Aktivitäten die Flussdynamik zu dominieren begannen. Dazu wird die Veränderung der Donaulandschaft auf einer Länge von 843 Kilometern von der deutsch-österreichischen Grenze bis zur Mündung der Drau an der kroatisch-serbischen Grenze aus umwelthistorischer und flussmorphologischer Sicht rekonstruiert. Basierend auf digitalen Rekonstruktionen der Flusslandschaft um 1780, 1860 und 1940 wird analysiert, welche Muster hydromorphologischer `Fluvial Landscape Units` (FLUs) die jeweilige Flusslandschaft bestimmten. Gesellschaftliche Land- und Wassernutzungen werden für mehrere Orte an unterschiedlich ausgeprägten Donauabschnitten untersucht und systematisch mit der Flussmorphologie kombiniert. Damit wird gezeigt, wofür bestimmte FLUs genutzt wurden, ob und wann sie durch technische Eingriffe für bestimmte Nutzungen angepasst wurden und welche Nutzungsformen die Flussdynamik langfristig verändert oder überdauert haben. Der Ansatz zeigt die gesellschaftliche Verwundbarkeit gegenüber Bedrohungen wie Erosion oder Hochwasser in einer langfristigen und großräumigen Perspektive auf. Wechselwirkungen zwischen Ober- und Unterlauf werden sichtbar und Vergleiche zwischen urbanen und ländlichen Abschnitten möglich. Die gemeinsame raum-zeitliche Analyse der Flussmorphologie und menschlicher Nutzungen machen historische Muster und ihre Veränderungen entlang des Flusskontinuums sichtbar. Wendepunkte in der sozio-naturalen Geschichte der Donau werden ebenso deutlich wie langfristige negative Folgewirkungen der menschlich herbeigeführten Veränderungen bis in die Gegenwart. In methodischer Hinsicht entwickelt IDAN einen robusten systematischen Ansatz zur interdisziplinären Charakterisierung industrialisierter Flüsse, der auf andere Flusssysteme übertragen werden kann.
- Verena Winiwarter, Universität für Bodenkultur Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Hans Petschar, Österreichische Nationalbibliothek , nationale:r Kooperationspartner:in
- Bernd Cyffka, nternationale Arbeitsgemeinschaft Donauforschung (IAD) - Deutschland
- Herve Piegay, Centre national de la recherche scientifique - Frankreich
- Vlatko Rožac, Danubeparks - Kroatien
- Žiga Zwitter, Universität Ljubljana - Slowenien
- Katalin Szende, Central European University Private University - Ungarn