Räumlich-zeitliche Modellierung des familiären Wandels
Spatio-temporal modelling of family change
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (50%); Soziologie (50%)
Keywords
- Family Change,
- Spatio-Temporal Modeling,
- Western Europe,
- Demography,
- Fertility
Seit den 1960er Jahren kam es in Nord- und Westeuropa zu markanten Änderungen im Bereich der Familie, mit einem Anstieg der außerehelichen Geburten, Alleinerziehenden, Scheidungen und einem Rückgang der Eheschließungen. Das SPATEMO-Projekt eine Zusammenarbeit zwischen französischen und österreichischen Demograf:innen bindet Österreich in den internationalen Vergleich der räumlichen Dynamik von Familienveränderungen ein. Yoann Doignon vom Centre national de la recherche scientifique (CNRS) im multidisziplinären Labor für Sozial- und Geisteswissenschaften IDEES in Rouen (Frankreich) leitet die französische Gruppe. Isabella Buber- Ennser, Forschungsgruppenleiterin am Vienna Institute of Demography an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, leitet die österreichische Gruppe. Im Mittelpunkt von SPATEMO stehen räumlich-zeitliche Dynamiken von Familienverhalten. Das Projekt hat zwei Ziele. Erstens, die sogenannte Spatialisierung (Verräumlichung) von Familienveränderungen. Es geht um die Frage, welche Regionen die ersten und welche die letzten waren bei familienspezifischen Veränderungen, und wie die geografische Ausbreitung erfolgte. Zweitens sollen Einflussfaktoren für die räumlichen Dynamik bestimmt werden, einschließlich kultureller und sozioökonomischer Dimensionen und der Rolle von Grenzen. Das Projekt umfasst die Erstellung einer räumlich-zeitlichen Datenbank für Österreich mit statistischen Informationen für österreichische Gemeinden über einen Zeitraum von 50 Jahren aus verschiedenen Quellen (z. B. Volkszählungen, Personenstandsstatistiken, Melderegister). Mit räumlichen statistischen Methoden werden Veränderungen dargestellt und gemessen. Zudem wird untersucht, wie einzelne Familienprozesse über Raum und Zeit zusammenspielen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten. Zur Analyse der Rolle von Grenzen werden Methoden für territoriale Diskontinuitäten angewendet. Für die Bestimmung der Einflussfaktoren von Familienveränderungen - in verschiedenen Regionen und im Laufe der Zeit - werden statistische Modelle verwendet, die die räumlichen und zeitlichen Dimensionen berücksichtigen, nämlich dynamische Panel-Raumregressionen und geografisch gewichtete Regressionen. SPATEMO wird neue Erkenntnisse zu demografischen Entwicklung Österreichs im internationalen Kontext in den letzten Jahrzehnten bringen, wobei der Blick auf die räumliche Dynamik eine wichtige Neuerung darstellt. Dazu werden sechs demographischen Indikatoren auf lokaler geografischer Ebene über einen langen Zeitraum von mehr als 50 Jahren untersucht. Das Projekt wird zudem die Rolle von Grenzen bei familiären Veränderungen systematisch vergleichen. Die Berücksichtigung verschiedener Arten von Grenzen (internationale, kulturelle, religiöse, sprachliche usw.) stellt eine weitere Innovation dar. Analysen der räumlichen Dynamik ermöglichen neue theoretische Ansätze für den Familienwandel und tragen zur Debatte über die sozioökonomischen und kulturellen Dimensionen des Familienwandels bei.