Sarah Kofman. Eine Biographie
Sarah Kofman. A Biography
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (40%); Psychologie (20%); Soziologie (20%)
Keywords
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Biography,
French Philosophy,
French Feminism,
Oral History,
Interdisciplinarity,
History of Philosophy
Das vorliegende Publikationsprojekt stellt die erste Biographie zur französisch-jüdischen Philosophin Sarah Kofman (1934-1994) dar. Es setzt sich ferner mit der postmodernen Kritik am metaphysischen Subjektbegriff auseinander und hinterfragt somit auch die grundlegenden Voraussetzungen von Biographie. Anhand eines transdisziplinären methodologischen Zugangs werden gleichermaßen Forschungsergebnisse aus der relevanten wissenschaftlichen Literatur (Philosophie, Geschichte, Frauenforschung, Holocaust-Forschung bzw. Shoah) und Archivmaterial sowie selbst produziertes Quellenmaterial in Form von biographischnarrativen Interviews im Sinn der Oral History herangezogen. Sarah Kofman, eine der wichtigsten VertreterInnen der französischen Philosophie der Dekonstruktion, bemühte sich, die konventionellen Vorstellungen von Biographie, Autobiographie, Subjekt und Identität in Frage zu stellen. Zu diesem Zweck entwickelte sie in kontinuierlicher Auseinandersetzung mit dem Denken Sigmund Freuds und Friedrich Nietzsches ihre eigene Methode der symptomalen Lektüre, die heute vielleicht am besten mit dem englischen Begriff des close reading umschrieben werden kann. Diese Methode wird in der vorliegenden Arbeit sowohl auf die Texte Kofmans als auch auf andere, für ihren Werdegang explizit oder implizit wichtige Texte angewandt. Im Gegensatz zur bisherigen vorwiegend angloamerikanischen Rezeption werden textuelle Verbindungen zwischen Kofmans Begriffen des Unheimlichen, des Doubles und ihrem Konzept der Auto/biographie als Parodie des bürgerlichen Subjekts durch Analysen ausgewählter Texte von E.T.A. Hoffmann, Franz Kafka und Hannah Arendt hergestellt. Konstitutiv für diese Arbeit ist die Integration von Interviewausschnitten mit SchülerInnen und WegbegleiterInnen der Philosophin sowie von Archivmaterial zur Geschichte der Shoah. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Kofman als Jüdin verfolgt und nahm sich schließlich sechzigjährig das Leben. Ferner ist das Publikationsprojekt der Versuch, gewissen mystifizierenden Rezeptionen der französischen Dekonstruktion eine nüchterne Bestandsaufnahme von Begrifflichkeiten (Antisemitismus, Assimilation, Diskriminierung) entgegenzustellen. Dabei steht nicht nur die Anerkennung der sozio-historischen Situiertheit des Menschen und der Philosophie im Vordergrund, sondern auch die Repolitisierung bestimmter Konzepte im Sinn einer Wiederaneignung ästhetisierender Rezeptionen. Polyphone AutorInnenschaft wird schließlich als Vorschlag für eine konstruktive Fortsetzung der Dekonstruktion des Subjekts unterbreitet.