Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
Giambattista Marino,
Vienna,
Translation,
Italian Literature,
Counter-Reformation,
17th Century
Abstract
Der in erster Linie am französischen Hof wirkende Giambattista Marino zählt vor allem mit
seinem mythologischen Epos LAdone zu jenen Autoren, welche den barocken
Konzeptualismus zu rhetorischen Höhepunkten geführt haben, weshalb auch diese Strömung
in der italienischen Literaturgeschichte mit seinem Namen bezeichnet wird. Neben
zahlreichen anderen polemischen Schriften verfasst Marino 1617 seine konfessionelle
Streitschrift La sferza invettiva, welche 1625 posthum in Paris gedruckt wird. In Reaktion auf
ein zeitgenössisches Pamphlet verteidigt Marino darin die Position der katholischen Kirche.
Die Übersetzung von Heinrich Schmidt erscheint bemerkenswerter Weise 1655 in Wien mit
einer Widmung an Veit Daniel Colewaldt, einen kurz davor unter Druck zum Katholizismus
konvertierten Offizier, der auch selbst als Übersetzer aus dem Italienischen tätig ist. Das
Titelkupfer der Übersetzung verweist programmatisch auf den Inhalt, denn die Kirchenväter
Hieronymus, Ambrosius, Augustinus und Gregor peitschen darauf die Reformatoren Huss,
Luther, Zwingli und Calvin aus. Im Gegensatz zu Brockes erstmals 1715 gedruckter
Übersetzung von Marinos La strage degli innocenti (Bethlehemitischer Kinder=Mord)
handelt es sich hier um einen äußerst seltenen Druck (das einzige bekannte Exemplar befindet
sich in der HAB Wolfenbüttel in einem nicht reproduzierbaren Sammelband), wie bereits
Johann Jacob Bauer in seiner Bibliotheca librorum rariorum universalis, Supplement 2
(Nürnberg 1774, S. 198: libellus rarissimus) festhält. Die vorliegende Edition mit Kommentar
stellt damit nicht nur den Text wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung, sondern gliedert ihn
auch in den historischen Kontext der Gegenreformation in Wien ein und illustriert, wie die
Übertragung aus dem französischen in den österreichischen Zusammenhang vom Übersetzer
bewältigt wird. Es soll damit sowohl inhaltlich als auch sprachlich ein Musterbeispiel für die
Rezeptionsliteratur in einer polemischen Gattung dieser Zeit vorgelegt werden.