Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Bavarian-Austrian Dialect Literature before 1800
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
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Bavarian-Austrian dialect art,
South German cultural and literary landscape,
17th and 18th century literature,
Aesthetic Capacities Of Dialect,
Commented First Editions,
Cultural History Of The Austro-Bavarian Region
Als Teil der Elitekultur, noch mehr aber als alltagskulturelle Gegen-Kultur erlebte bairisch- österreichische Dialektkunst bereits vor 1800 eine erste, heute weitgehend vergessene Blütezeit. Kaiser Leopold I., Mozart oder auch die Haydn-Brüder komponierten zu Mundarttexten, auf den professionellen und Laienbühnen spielten bäuerliche Spaßmacher, mit dialektaler Propaganda wurde das Volk von den Herrschenden auf Linie gebracht oder zum Widerstand gegen sie aufgerufen, und gerade tabuisierte Bereiche schafften sich seit dem frühen 17. Jahrhundert in der gemeinen Sprache des Volks künstlerischen Ausdruck. Viele dieser mundartlichen Arbeiten übertrafen einst die maßgeblichen Werke des literarischen Kanons an Bekanntheit, Beliebtheit und Wirksamkeit. Heute allerdings sind sie weitgehend vergessen Manches so etwa Mozarts im Titel anzitiertes grobianisches Lied konnte sich bis heute getarnt halten. Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800, Ergebnis zweier FWF-Projekte (Dialect cultures I+II, 2010-2016), will die erstaunliche Vielfalt der Erscheinungsformen und Funktionsweisen wieder sichtbar machen. Das Buch präsentiert in acht Kapiteln die wichtigsten Texte und Autoren aus unserer Datenbank (http://gams.uni-graz.at/context:dic), kontextualisiert die bislang überwiegend ungedruckten Werke aus einer Vielzahl an Archiven und Bibliotheken und stellt sie in aktuelle Forschungsdiskurse ein. Indem es die ästhetischen Möglichkeiten und Vorzüge mundartlicher Kunst in den jeweiligen historischen Zusammenhängen erläutert, ist das Buch nicht nur Studie, Anthologie oder kommentierte Quellensammlung, sondern auch eine kleine Kulturgeschichte des bayerisch- österreichischen Raums von der Mitte des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts. Vor allem aber rückt es eine Literaturtradition erstmals ins Blickfeld, die wissenschaftlich bislang so gut wie nicht wahrgenommen wurde.
- Universität Graz - 100%