Historiography and identity III: Carolingian approaches
Historiography and identity III: Carolingian approaches
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Medieval history,
Construction of identity,
Latin historiography,
Manuscripts and libraries in the Middle Ages,
Carolingian empire,
Formation of a European historical culture
Historiography and identity III: Carolingian approaches ist der dritte Band einer Reihe, die sich in sechs Bänden mit dem Verhältnis von Geschichtsschreibung und Identitätskonstruktion von der Antike bis zum Ende des Mittelalters beschäftigt. Dabei wollen die Bände genauer der Geschichte der Geschichtsschreibung nachgehen, wie, wann und warum sie Bedeutung für die Artikulation und Affirmation von Identitäten erlangte. Der dritte Band widmet sich der Erforschung dieser Prozesse in der Karolingerzeit, eine Zeit, die für die Kulturgeschichte Europas eine wichtige Rolle spielte. Mit der Wiedererrichtung des weströmischen Imperiums unter Karl dem Großen im Jahre 800 begann eine intensive Auseinandersetzung mit der römischen und antiken Geschichte. Dadurch wurde nicht nur antikes Wissen, Texte, und Modelle bewahrt. Die Auseinandersetzung mit der römischen und imperialen Vergangenheit löste auch einen Lernprozess aus, in dem aufbauend auf diesen Ressourcen neue kulturelle Grundlagen entwickelt wurden. Die verschiedenen Beiträge des Bandes untersuchen diesen Lernprozesse in der Geschichtsschreibung der Karolingerzeit. Dabei wird der engere Fokus der älteren Forschung auf die in der Karolingerzeit geschriebenen Werke vermieden und diese als Ergebnis einer weit umfangreicheren Arbeit an den Modellen, Vorbildern, und Zugängen und Vorstellung von Geschichte untersucht. Dazu können die einzelnen Autoren der Beiträge des Bandes auf die reiche handschriftliche Überlieferung aus dem achten, neunten und zehnten Jahrhundert aufbauen den verschiedenen Nieder- und Wiederschriften von Chroniken, und älteren Geschichtswerken, ihrer Umarbeitung und Fortsetzung, den Reflexionen über Geschichte und Geschichtsschreibung und ihrem Potential sich in einen Prozess zu verorten, der in eine providentielle Zukunft führt. Diese Arbeit hatte wichtige Auswirkungen auf die Bedeutung der Geschichte selbst. Was karolingische Gelehrte, Historiker und Schreiber an spätere Generationen weitergaben war aber weniger ein fester Kanon der Geschichtsschreibung. Es war vielmehr die erhöhte Aufmerksamkeit, die dem Gebrauch der Geschichte für soziale, politische und religiöse Legitimation gewidmet wurde, die modellbildend wirkte, und damit Vorbilder für den Zugang zu Geschichte und seiner Nutzung für die Konstruktion von sozialer Identität schuf, die bis in die jüngere Vergangenheit eine einflussreiche Rolle für Geschichtsschreibung und -forschung in Europa spielten.