Die Wiener Neujahrskonzerte: ´Same procedure as every year?´
Vienna´s New Year´s Concerts: Same procedure as every year?
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Informatik (25%); Kunstwissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%)
Keywords
- Digital musicology,
- Music encoding,
- Audio-score alignment,
- Science communication,
- User studies,
- HCI
Die Live-Übertragung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker begeistert Jahr für Jahr ein Millionenpublikum in fast 100 Ländern. Die besondere Mischung aus Tradition und Wandel macht diese Konzertreihe zu einem spannenden Gegenstand für die Musikforschung: Die Neujahrskonzerte sind geprägt von den Mitgliedern der Wiener Philharmoniker, deren Zusammensetzung sich über die Jahre ständig entwickelt; sie werden von legendären Dirigenten geleitet, die anfangs jahrzehntelang diese Rolle übernahmen, seit 1987 aber jährlich wechseln. Ihr Programm umfasst beliebte Klassiker wie Johann Strauss Sohns An der schönen blauen Donau (Donauwalzer) oder Johann Strauss Vaters Radetzkymarsch sowie eine in jedem Jahr frisch zusammengestellte Auswahl feinster Tanzmusik. Diese Kombination aus Wiederholung und Veränderung schafft einen wertvollen Datenschatz, um Aufführungstrends, stilistische Entwicklungen und den unverwechselbaren musikalischen Fingerabdruck des Orchesters über die Jahrzehnte zu analysieren. Wir haben Software-Werkzeuge entwickelt, die uns helfen, große Sammlungen mit Musikaufnahmen vieler verschiedener Aufführungen derselben Werke zu erforschen. Mit automatischen Algorithmen werden die Aufnahmen notenpräzise miteinander synchronisiert. Das bedeutet: Wir beginnen ein Stück in einer Aufnahme anzuhören und können nahtlos, ohne Unterbrechung des musikalischen Flusses, in eine andere Aufnahme wechseln und somit einen unmittelbaren Eindruck von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Aufnahmen erhalten. Zudem können einzelne Stellen markiert und gezielt in vielen Versionen angehört werden, um zu vergleichen, wie diese in jeder Aufnahme interpretiert werden. Ebenfalls ist es möglich, über digitale Partituren direkt an entsprechende Stellen in den Aufnahmen zu springen. Unsere Tools sind Open-Source und öffentlich frei zugänglich, sodass auch andere Forscherinnen, Forscher und Musikbegeisterte ihre eigenen Sammlungen auf diese Weise unter die Lupe nehmen können. Erstmals stellen wir zudem unsere umfangreiche Sammlung von Aufnahmen der Neujahrskonzerte sowie von zahlreichen anderen berühmten Orchestern in einem Ausstellungsbeitrag im House of Strauss im Wiener Casino Zögernitz der Öffentlichkeit zur Verfügung. Zur Vorbereitung führen wir eine Reihe von User Studies durch, um sicherzugehen, dass die Tools für ein breites Publikum von Musikliebhaberinnen und Musikliebhabern spielerisch leicht und intuitiv bedienbar sind. Kommen Sie mit auf eine musikalische Zeitreise und entdecken Sie selbst: die Neujahrskonzerte sind alles andere als the same procedure as every year!
- Thomas Aigner, Stadt Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Hermann Rauter, Wiener Institut für Strauss-Forschung , nationale:r Kooperationspartner:in
- Norbert Rubey, Wiener Institut für Strauss-Forschung , nationale:r Kooperationspartner:in