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SKIN: Ressourcen und Technologien

SKIN: resources and technologies

Gabriela Ruß-Popa (ORCID: 0000-0001-8492-6238)
  • Grant-DOI 10.55776/T1025
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2018
  • Projektende 31.01.2022
  • Bewilligungssumme 234.210 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Leather, Handicraft, Archaeometrie, Ressources, Ex

Abstract Endbericht

Für die Erforschung früherer Gesellschaften ist das Verständnis ihrer Wirtschaftsweisen und die Strategien, die sie bei der Beschaffung von Rohstoffen angewendet haben, unabdingbar. Dafür wesentlich sind auchdie Erfassungvon Handwerkstechnikenund Kenntnisse der Materialeigenschaften. Im Rahmen des geplanten Projektes werden Technologien, die bei der Herstellung und Verarbeitung von tierischen Häuten, Leder und Fellen angewandt wurden, erforscht. Die Beschäftigung mit Leder und Fellen ist ein Spezialfach in der Archäologie, da diese Fundgruppe im archäologischen Fundmaterialäußerst selten auftritt. Aufgrund vonnatürlichen Zersetzungsprozessen vergehen sie mit der Zeit. Nur unter ganz bestimmten Bedingungen bleiben sie erhalten, wie in den eisenzeitlichen Salzbergwerken von Dürrnberg bei Hallein (Österreich) (6. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. v. Chr.) oder in Chehrabad, Iran (6. Jh. v. Chr. 6. Jh. n. Chr.). Auch in Kontakt mit Metallen kann es zu einer Konservierung kommen, wie es in den Gräbern von Glauberg (etwa 400 v. Chr.) der Fall ist. In den Hügelgräbern der dort bestatteten keltischen Krieger haben sich einzigartige Lederobjekte, wie eine lederne Blattkrone erhalten, die ihr Pendant an der berühmten Sandsteinstatue vom Glauberg dargestellt findet. Die Untersuchung der Leder- und Fellfunde dieser unterschiedlichen archäologischen Fundstellen wird unterschiedliche Strategien bei der Rohstoffbeschaffung, differierende Handwerkstraditionen und den Einsatzbereich verschiedener kollagener Werkstoffe zeigen. Wie die Werkstoffe hergestellt wurden und welche Gerbmethoden angewandt wurden, zeigt den technologischen Stand einer Gemeinschaft an. Damals wurden die Grundlagen für Verfahren gelegt, die bis in die Moderne angewendet werden. Die Kleidung der in Chehrabad erhaltenen mumifizierten Bergmännern, die bei Bergwerksunglücken ums Leben kamen, stellt eine singuläre Quelle zur Erforschung der Bekleidung in achäminidischer und sassanidischer Zeit dar. Dass Menschen seit je her ihre Lebenswelt farbig gestaltet und dekoriert haben, zeigen auch die singulären, gefärbten Lederstücke aus dem Dürrnberg, an denen Farbstoffe und Färbetechniken analysiert werden. Als Besonderheit können die am Dürrnberg erst kürzlich identifizierten Werkstoffe aus inneren Hohlorganen, wie Darm, Blase, Magen, gewertet werden. Aus welchem Organ sie genau hergestellt, wie die Verarbeitung dieser empfindlichen Werkstoffe durchgeführt wurde und wofür die aus ihnen hergestellten Objekte dienten sind ebenso Fragestellungen des beantragten Projektes. Als Methoden werden vergleichende, typologische und materialkundliche Analysen, experimentelle Archäologie und naturwissenschaftliche Methoden, wie unterschiedliche mikroskopische Verfahren angewendet. Für die Bestimmung der Tierart werden DNA-Analysen, zur Herkunft der verwendeten Tieren Strontiumisotopen-Analysen zum Einsatz kommen. Mit den innovativen Fragestellungen und Untersuchungen an die aus unterschiedlichen kulturellen und zeitlichen Kontexten stammende Fundgruppe soll ein Beitrag zur Wirtschaftsarchäologie ebenso wie zur Kultur- und Handwerksgeschichte geleistet werden.

Für das Verständnis früherer Gesellschaften ist die Erforschung ihrer Wirtschaftsweisen und der Strategien, die sie bei der Beschaffung von Rohstoffen angewendet haben, unabdingbar. Dafür wesentlich sind auch die Erfassung von Handwerkstechniken und der Kenntnisse der Materialeigenschaften. Im Rahmen des durchgeführten Projektes wurden Technologien erforscht, die von Gesellschaften von der späten Eisenzeit bis zur Spätantike bei der Herstellung und Verarbeitung von tierischen Häuten angewandt wurden. Die Beschäftigung mit Leder und Fellen ist ein Spezialfach in der Archäologie, da diese Fundgruppe im archäologischen Fundmaterial äußerst selten auftritt. Eine ausgezeichnete Konservierungsbedingung für dieses ansonsten vergängliche Material findet sich in den Salzbergwerken von Chehrbd im Iran (6. Jh. v. Chr. bis 6. Jh. n. Chr.) und am Dürrnberg bei Hallein in Österreich (6. Jh. bis 1. Jh. v. Chr.). Sie wurde zur Herstellung und Reparatur von Kopfbedeckungen, Umhängen, Schuhen, Schutzausrüstung, Werkzeugen, Taschen, Futteralen und Behälter für den Salztransport verwendet. Analysen zu Rohstoffen zeigen, dass am Dürrnberg beinahe alle Rohstoffe von Haustieren kamen, in Chehrbd dagegen ausschließlich. Am ersten Fundort überwiegt das Rind, an der iranischen Fundstelle Schafe und Ziegen. Untersuchungen einer sassanidischen Schafmumie (u. A. aDNA-Analysen) lieferten wichtige Beiträge zur Domestizierung von Ovicapriden im Vorderen Orient und belegen die bewusste Nutzung/Zucht von Milch-/Fleisch- und Wollschafen. Hier konnte erstmalig die Fetteinlagerung zwischen einzelnen Hautschichten an einem archäologischen Fund nachgewiesen werden, ein typisches Merkmal von Hausschafen. Mit einer Gegenüberstellung der Objektgruppen und Rohstoffen konnte aufgezeigt werden, dass die Handwerker an beiden Fundorten Kenntnisse zu spezifischen Materialeigenschaften hatten und diese bewusst einsetzten. Die Tendenz, aus den gleichen Rohstoffen mit den gleichen Verfahren die gleichen Objekte herzustellen, ist an beiden Standorten zu beobachten und zeugt von einer gewissen Standardisierung. Die Kleidung der in Chehrbd erhaltenen mumifizierten Bergmännern, die bei Bergwerksunglücken ums Leben kamen, stellt eine singuläre Quelle zur Erforschung der Bekleidung der jeweiligen Epoche dar. Bereits der Schnitt der beiden achäminidischen Umhänge aus Ziegenfell zeigt eine ökonomische Herangehensweise, wurde er doch ohne Zuschnitt und Materialverlust aus zwei kompletten Tierhäuten erzeugt. Die Bergleute dieser Epoche trugen geschlossene Schnürschuhe aus Ziegenleder, die in Wendetechnik hergestellt waren; zu große Schuhe passte man mit Einlagen an. Umgekehrt ist ein kniehoher sassanidischer Stiefel mit Links- Rechtsunterscheidung dem Träger zu klein, wie im CT-Bild erkennbar. Die Abnützungsspuren eines bisher einzigartigen aus Schaffell hergestellten Fäustlings weisen darauf hin, dass man diese zum Schutz der Hände beim Arbeiten mit Seilen u. Ä. benützt hat.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Thomas Stöllner, Deutsches Bergbau-Museum - Deutschland

Research Output

  • 10 Zitationen
  • 13 Publikationen
  • 15 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Die Haut-, Leder- und Fellfunde aus dem ältereisenzeitlichen Kernverwässerungswerk im Salzbergwerk von Hallstatt eine archäologische und gerbereitechnische Aufnahme
    Typ Book
  • 2021
    Titel Salt man 4: belt and accessories - a digital reconstruction
    Typ Other
    Autor Moskvin A.
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Salt man 4: cape - a digital reconstruction
    Typ Other
    Autor Moskvin A.
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Haut-, Leder- und Fellfunde der Älteren Eisenzeit aus Hallstatt: eine archäologische und gerbereitechnische Aufnahme von Funden aus dem Kernverwässerungswerk
    Typ Book
    Autor Ruß-Popa G.
    editors Grömer K., Kern A., Kowarik K., Reschreiter H.
    Verlag Natural History Museum Vienna Publishing House
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Salt man 4: vessel #2 - a digital reconstruction
    Typ Other
    Autor Moskvin A.
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Salt man 4: vessel #1 - a digital reconstruction
    Typ Other
    Autor Moskvin A.
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Salt man 4: trousers and shoes - a digital reconstruction
    Typ Other
    Autor Moskvin A.
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Österreichisches Archäologisches Institut Jahresbericht 2021
    DOI 10.1553/oeai.report2021
    Typ Other
  • 2020
    Titel Rezension über M. Volken, A. Heege und S. Teuber, Einbeck-Petersilienwasser. Lederfunde und Schusterwerkzeuge. Studien zur Einbecker Geschichte, Band 19. Herausgegeben vom Einbecker Geschichtsverein e. V., dem Stadtarchiv und dem Städtischen Museum Einback durch Elke Heege. Isensee Verlag Oldenburg 2020
    Typ Journal Article
    Autor Ruß-Popa G.
    Journal Beiträge zur Mittelalterarchäologie (BMÖ) 36
    Seiten 235-238
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Wie waren die Bergleute gekleidet?; In: Tod im Salz. Eine archäologische Ermittlung in Persien. Begleitbuch, Katalog und Graphic Novel zur Ausstellung. Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum Nr. 246
    Typ Book Chapter
    Autor Grömer K.
    Verlag Nünnerich-Asmus Verlag
    Seiten 165-174
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Die tierische Haut: ein Rohstoff, vielfältige Werkstoffe; In: Tod im Salz. Eine archäologische Ermittlung in Persien. Begleitbuch, Katalog und Graphic Novel zur Ausstellung. Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum Nr. 246
    Typ Book Chapter
    Autor Ruß-Popa G.
    Verlag Nünnerich-Asmus Verlag
    Seiten 175-180
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Exceptional ancient DNA preservation and fibre remains of a Sasanian saltmine sheep mummy in Chehrabad, Iran
    DOI 10.1098/rsbl.2021.0222
    Typ Journal Article
    Autor Rossi C
    Journal Biology Letters
    Seiten 20210222
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Von Fellsteinen und Lederwämsen. Kleidungsfragmente aus Leder und Fell aus Hallstatt und von der Kelchalpe bei Kitzbühel aus der Studiensammlung des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien; In: Schichtengeschichten. Festschrift für Otto H. Urban. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 328
    Typ Book Chapter
    Autor Ruß-Popa G.
    Verlag Habelt
    Seiten 313-325
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2021
    Titel House Colloquium
    Typ A talk or presentation
  • 2020 Link
    Titel Explainer videos
    Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press)
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Düürnberg III
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2019
    Titel youngscience@orea
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
  • 2019 Link
    Titel Workshop at RGZM
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Exhibition "Death in Salt"
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Lecture for students
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Course at the University of Vienna
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel skin workshop
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Lecture Death in Salt
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2018
    Titel Workshop at Ruhr University Bochum
    Typ A talk or presentation
  • 2018
    Titel SAB
    Typ A talk or presentation
  • 2019 Link
    Titel Workshop SEM
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Dürrnberg I
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
    Link Link
  • 2019 Link
    Titel Dürrnberg II
    Typ A talk or presentation
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2018
    Titel Firnberg-Programme of FWF Austria
    Typ Awarded honorary membership, or a fellowship, of a learned society
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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