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Melodie des Abschieds. Eine psychoanalytische Studie zur Trennungsangst

Melodie des Abschieds. Eine psychoanalytische Studie zur Trennungsangst

Sylvia Zwettler-Otte (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/UEB19
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 4.400 €

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Psychoanalytic Science, Growing Old, Separation Anxiety, Psychoanalytic Treatment, Creativity, Denial Of Transience

Abstract

Das Thema Trennung kann man zum Ausgangspunkt einer Betrachtung unseres gesamten Seelenlebens machen, verlangt es doch nach seinem Gegenpol, der Bindung und der Liebe mit ihren unzähligen Vorläufern und Formen, die alle auf verschiedene Weise mit Sexualität, Zärtlichkeit, Hingabe, Begehren, Leidenschaft, Freundschaft, Narzissmus usw. verbunden sind und ebenfalls - wie Liebe - wiederum zum schmerzhaften Widerpart von Trennung, Verlust, Tod, Verrücktheit usw. führen. Trennung gehört zur Entwicklung; sie führt zurück zu den Anfängen unseres Lebens und weist voraus auf unsere Vorstellungen über unser Lebensende. Sie ist oft schmerzlich und verursacht Trennungsangst, sie ist aber auch einer der frühesten Anreize zu seelischer Entwicklung. Trennungsängste durchziehen in den unterschiedlichsten Nuancen und Intensitäten unser Leben von der Geburt bis zum Tod. Psychoanalyse ist eine Methode zur Erforschung und zum Studium seelischer Vorgänge, zu denen es kaum einen anderen Zugang gibt; sie ist eine psychotherapeutische Technik zur Behandlung seelischer Störungen und Krankheiten; sie ist eine Wissenschaft mit einer umfassenden Theorie seelischer Funktionen, und sie erlaubt auch ein kritisches Verständnis kultureller und soziologischer Phänomene. So hat sie eine Menge zum Thema Bindung und Trennung zu sagen, zu Trennungsangst und Trennungsschmerz, und zu unseren Reaktionen auf solche Erfahrungen. In der Psychoanalyse haben wir die Chance, vergangenes Erleben Gegenwart werden zu lassen; es entwickelt sich spontan in der Übertragung des Patienten und findet ein Echo in der Gegen-Übertragung des Psychoanalytikers. Sigmund Freud beschrieb in "Hemmung, Symptom und Angst", wie jeder von uns Verlust im Alltag erlebt, eine Erfahrung, die uns auf Trennung und generell auf Verlust vorbereitet. Bei Kindern kann das Erleben von Verlust auf eine einzige Bedingung reduziert werden,- nämlich auf das Vermissen einer geliebten Person, nach der sie sich sehnen. Die Psychoanalyse unterscheidet grundlegend zwischen Angst, Schmerz, Trauer und Depression als Folgen einer Trennung. Während des therapeutischen Prozesses in der psychoanalytischen Behandlung werden meist Wochenenden und Urlaube Anlässe für das Wiederauftauchen früherer Trennungsängste. Das Buch wendet sich an jeden, der mit Trennungen konfrontiert ist: an interessierte Laien, Kandidaten der psychoanalytischen Ausbildung, Studenten der Psychologie, der Medizin, der Sozialwissenschaften und der Pädagogik. Das Buch kann aber auch aus zweierlei Gründen Kollegen interessieren - Psychoanalytiker und psychodynamisch orientierte Therapeuten, ob sie sich nun auf Theorie oder Praxis konzentrieren: " Das Buch versucht das Problem der Trennungsangst nicht nur unter dem symbiotischen Aspekt der Mutter-Kind- Beziehung aufzugreifen, sondern basiert auf dem Konzept der Triangulierung. Viele Formen der Trennungsangst drehen sich nicht nur um die schwierige Lösung der Mutter-Kind-Symbiose, sondern auch um die Rolle des Dritten, der von Anfang an wichtig ist. Er ist im Begehren der Mutter und im Zeugen des Kindes präsent, und er wird gleichzeitig zur Ursache störender Ablenkung der mütterlichen Aufmerksamkeit. Diese ödipale Situation ist die Grundlage der Triangulierung und der damit verbundenen Konflikte, die bei der Trennung bedeutsam werden können. " Heute wenden sich an Psychoanalytiker und Psychotherapeuten immer mehr Patienten, deren psychisches Leiden als "Borderline-Störung" bezeichnet wird; ihr Zustand ist oft durch extreme Trennungsangst charakterisiert. Ein erweitertes Verständnis dieses psychischen Phänomens kann daher hilfreich sein. Hauptthemen der Studie sind unser gespaltenes Wissen um Vergänglichkeit, wobei unser Tod gleichzeitig zur Kenntnis genommen und verleugnet wird; das verborgene "Altersduell" in der Gesellschaft; Aggression und Terror als Reaktionen auf Trennungsangst; Gefühle von Leere und psychosomatische Sackgassen. Das Erleben und Schaffen von Kunst kann die Fähigkeit zu trauern fördern, wie wir zum Beispiel am Mythos von Pygmalion, in A. Schnitzlers Erzählung "Sterben", in der Literatur über Venedig - einer bedrohten Stadt, überflutet von der Melodie des Abschieds, oder in Alberto Giacomettis schwindenden Figuren erkennen können.

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