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Rechte Leben. Eine Untersuchung rechtsextremen Aktivismus

Living right: An Anthropological Study of Far-Right Activism

Agnieszka Maria Pasieka (ORCID: 0000-0002-6895-7402)
  • Grant-DOI 10.55776/V669
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2018
  • Projektende 31.07.2023
  • Bewilligungssumme 296.752 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (5%); Soziologie (95%)

Keywords

    Far Right, Morality, Ethography, Transnationalism, Communities, Civic Activism

Abstract Endbericht

Das Projekt untersucht eine immer dringlichere wissenschaftliche und politische Frage: Wie kann der Aufstieg neuer Formen rechtsextremen Aktivismus in Europa erklärt werden und welches konzeptuelle und analytische Rüstzeug benötigen wir hierfür? Konkret schlägt das Projekt eine Untersuchung rechtsextremer Organisationen und Bewegungen vor, die sich traditionell als links verstandener Formen zivilen Engagements bedienen und eine wachsende Zahl von BürgerInnen aus der Mitte europäischer Gesellschaften ansprechen. Das Projekt untersucht rechtsextreme "Gemeinschaften", "Kameradschaften" und "Netzwerke" in mehreren europäischen Ländern und betont die wechselseitigen Einflüsse lokaler sowie transnationaler rechtsextremer Praktiken und Ideologien. Gegenstand der Untersuchung sind somit unterschiedliche Bereiche rechtsextremen Aktivismus z.B. Wohlfahrt, Umweltaktivismus, kulturelles Erbe, Bildungswesen, Steuerpolitik und politische Proteste mit dem Ziel, folgende Fragen zu beantworten: Wie rechtfertigen, motivieren und verbinden rechtsextreme AkteurInnen ihr Engagement in lokalen Gemeinschaften mit transnationalem Aktivismus und wie werden dabei weiter gefasste universalistische rechtsextreme Ideologien für lokale Gegebenheiten adaptiert? Indem das Projekt ethnographische Feldforschung mit biographischen Verfahren und einer ideengeschichtlichen Untersuchung verbindet, untersucht es die ideologischen Grundlagen, moralischen Ansprüche und Praktiken, die die zeitgenössischen Formen rechtsextremen Aktivismus prägen. Solch ein anthropologischer Zugang erlaubt die gleichzeitige Untersuchung von Weltsicht und Handeln rechtsextremer AkteurInnen und das Hinterfragen etablierter Deutungsmuster (Ost/West, rechts/links, moralisch/unmoralisch). Mithilfe dieser Betrachtungsweise werden die Paradoxien rechtsextremer Botschaften, die immer häufiger "humanitäre" Absichten und "positive" Visionen von Gemeinschaft, Gesellschaft und Zukunft formulieren, deutlich, während die wissenschaftliche Forschung sie üblicherweise als von Hass getriebene Gruppen darstellt. Konsequenterweise untersucht das Projekt die Anziehungskraft solcher rechten Forderungen auf "durchschnittliche" und "respektable" BürgerInnen anstatt, wie in der bisherigen Forschung, rechtsextreme politische Parteien oder Subkulturen in den Blick zu nehmen. So begegnet das Projekt nicht nur einer Forschungslücke, sondern entwickelt darüber hinaus eine geeignetere Herangehensweise und Terminologie, um die erwähnten Phänomene zu untersuchen und somit einen kritischen methodischen und theoretischen Beitrag zu den Sozialwissenschaften zu liefern.

Das Projekt hat eine immer dringlichere wissenschaftliche und politische Frage untersucht: Wie kann der Aufstieg neuer Formen rechtsextremen Aktivismus in Europa erklärt werden und welches konzeptuelle und analytische Rüstzeug benötigen wir hierfür? Konkret wurden im Projekt rechtsextremer Bewegungen untersucht, die sich traditionell als links verstandener Formen zivilen Engagements bedienen und eine wachsende Zahl von BürgerInnen aus der Mitte europäischer Gesellschaften ansprechen. Darüber hinaus, hat das Projekt hat die wechselseitigen Einflüsse lokaler sowie transnationaler rechtsextremer Praktiken und Ideologien betont. Gegenstand der Untersuchung sind somit unterschiedliche Bereiche rechtsextremen Aktivismus - z.B. Wohlfahrt, Umweltaktivismus, kulturelles Erbe, Bildungswesen, kulturelle Veranstaltungen und politische Proteste - mit dem Ziel, folgende Fragen zu beantworten: Wie rechtfertigen, motivieren und verbinden rechtsextreme AkteurInnen ihr Engagement in lokalen Gemeinschaften mit transnationalem Aktivismus und wie werden dabei weiter gefasste universalistische rechtsextreme Ideologien für lokale Gegebenheiten adaptiert? Um dieses Problem anzugehen, hat die PI eine langfristige ethnografische Forschung in Italien, Polen, der Slowakei und Ungarn durchgeführt, wobei der Schwerpunkt sowohl auf den Aktivitäten verschiedener Bewegungen in ihren Ländern als auch auf ihrem transnationalen Austausch und ihrer Vernetzung lag. Indem das Projekt ethnographische Feldforschung mit Interviews und einer ideengeschichtlichen Untersuchung verbindet, untersucht sie die ideologischen Grundlagen, moralischen Ansprüche und Praktiken, die die zeitgenössischen Formen rechtsextremen Aktivismus prägen. Solch ein anthropologischer Zugang erlaubt die gleichzeitige Untersuchung von Weltsicht und Handeln rechtsextremer AkteurInnen und das Hinterfragen etablierter Deutungsmuster (Ost/West, rechts/links, moralisch/unmoralisch). Mithilfe dieser Betrachtungsweise können Paradoxien aufgedeckt werden, die dem rechtsextremen Aktivismus innewohnen. Erstens haben Beobachtungen und Gespräche mit rechtsextremen Jugendaktivisten gezeigt, dass sie sich oft rechtsextremen Gruppen anschließen, nicht weil sie "rechtsextreme Ansichten" haben, sondern weil sie nach einer Aktionsplattform, nach Gemeinschaft suchen oder weil sie mit anderen politischen Optionen unzufrieden sind. Es sind die rechtsextremen Bewegungen, in denen ihre Ideen klar werden. Zweitens bedeutet die Tatsache, dass sich diese Gruppen häufig vom Faschismus inspirieren lassen, nicht, dass sie den Faschismus zurückbringen wollen; vielmehr ist es wichtig zu fragen, was sie am Faschismus inspiriert und warum der Faschismus eine Antwort auf ihre Bedenken bietet. Drittens, was das Paradox des "transnationalen Nationalismus" betrifft, beweist die transnationale Vernetzung die Unterordnung des transnationalen Kontexts unter den nationalen: Aktivisten "borgen" und "lernen" von ersterem, um letzteren zu stärken. Alles in allem hat das Projekt dazu beigetragen, bestehende Lücken in der (bislang von der Politikwissenschaft dominierten) Literatur zu schließen, und hat Überlegungen zu einer geeigneteren Terminologie zur Definition der vorliegenden Phänomene angestoßen. Schließlich hat es wichtige Diskussionen über Methodik und Theorie innerhalb der Anthropologie angeregt - unter anderem über die Möglichkeit einer Studie mit der extremen Rechten und über transnationale Forschung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 34 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Illiberal revolts: On Grassroots Theorizing and Practicing of Illiberalism; In: Oxford Handbook on Illiberalism
    Typ Book Chapter
    Autor Pasieka
  • 2022
    Titel Theft of Gramsci? On the radical right, radical left, and common sense
    DOI 10.1007/s10624-022-09681-6
    Typ Journal Article
    Autor Pasieka A
    Journal Dialectical Anthropology
    Seiten 417-436
    Link Publikation
  • 2022
    Titel “Tomorrow belongs to us”: Pathways to Activism in Italian Far-Right Youth Communities
    DOI 10.1017/s0010417521000426
    Typ Journal Article
    Autor Pasieka A
    Journal Comparative Studies in Society and History
    Seiten 150-178
    Link Publikation
  • 2022
    Titel 9. Swimming against the Tide
    DOI 10.11647/obp.0282.09
    Typ Book Chapter
    Autor Pasieka A
    Verlag Open Book Publishers
    Seiten 205-220
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Introduction to the Special Section: National, European, Transnational: Far-Right Activism in the Twentieth and Twenty-first Centuries
    DOI 10.1177/08883254211004013
    Typ Journal Article
    Autor Pasieka A
    Journal East European Politics & Societies and Cultures
    Seiten 863-875
  • 2021
    Titel Postsocialist and Postcapitalist Questions? Far-Right Historical Narratives and the Making of a New Europe
    DOI 10.1177/0888325420977628
    Typ Journal Article
    Autor Pasieka A
    Journal East European Politics & Societies and Cultures
    Seiten 975-995
    Link Publikation
  • 2021
    Titel "Are we all extremists now?"; In: Extremism, State, and Society
    Typ Book Chapter
    Autor Pasieka
    Verlag Berghahn
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2023
    Titel Editor of the journal Ethnologia Europea
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Gustav Fidor Award for Law, Social Science and Economics
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2021
    Titel Keynote speechL "Reconquering the imaginary, remaking the society: notes on contemporary far-right activism," The Lentos Art Museum, Linz
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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