Rechte Leben. Eine Untersuchung rechtsextremen Aktivismus
Living right: An Anthropological Study of Far-Right Activism
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (5%); Soziologie (95%)
Keywords
-
Far Right,
Morality,
Ethography,
Transnationalism,
Communities,
Civic Activism
Das Projekt untersucht eine immer dringlichere wissenschaftliche und politische Frage: Wie kann der Aufstieg neuer Formen rechtsextremen Aktivismus in Europa erklärt werden und welches konzeptuelle und analytische Rüstzeug benötigen wir hierfür? Konkret schlägt das Projekt eine Untersuchung rechtsextremer Organisationen und Bewegungen vor, die sich traditionell als links verstandener Formen zivilen Engagements bedienen und eine wachsende Zahl von BürgerInnen aus der Mitte europäischer Gesellschaften ansprechen. Das Projekt untersucht rechtsextreme "Gemeinschaften", "Kameradschaften" und "Netzwerke" in mehreren europäischen Ländern und betont die wechselseitigen Einflüsse lokaler sowie transnationaler rechtsextremer Praktiken und Ideologien. Gegenstand der Untersuchung sind somit unterschiedliche Bereiche rechtsextremen Aktivismus z.B. Wohlfahrt, Umweltaktivismus, kulturelles Erbe, Bildungswesen, Steuerpolitik und politische Proteste mit dem Ziel, folgende Fragen zu beantworten: Wie rechtfertigen, motivieren und verbinden rechtsextreme AkteurInnen ihr Engagement in lokalen Gemeinschaften mit transnationalem Aktivismus und wie werden dabei weiter gefasste universalistische rechtsextreme Ideologien für lokale Gegebenheiten adaptiert? Indem das Projekt ethnographische Feldforschung mit biographischen Verfahren und einer ideengeschichtlichen Untersuchung verbindet, untersucht es die ideologischen Grundlagen, moralischen Ansprüche und Praktiken, die die zeitgenössischen Formen rechtsextremen Aktivismus prägen. Solch ein anthropologischer Zugang erlaubt die gleichzeitige Untersuchung von Weltsicht und Handeln rechtsextremer AkteurInnen und das Hinterfragen etablierter Deutungsmuster (Ost/West, rechts/links, moralisch/unmoralisch). Mithilfe dieser Betrachtungsweise werden die Paradoxien rechtsextremer Botschaften, die immer häufiger "humanitäre" Absichten und "positive" Visionen von Gemeinschaft, Gesellschaft und Zukunft formulieren, deutlich, während die wissenschaftliche Forschung sie üblicherweise als von Hass getriebene Gruppen darstellt. Konsequenterweise untersucht das Projekt die Anziehungskraft solcher rechten Forderungen auf "durchschnittliche" und "respektable" BürgerInnen anstatt, wie in der bisherigen Forschung, rechtsextreme politische Parteien oder Subkulturen in den Blick zu nehmen. So begegnet das Projekt nicht nur einer Forschungslücke, sondern entwickelt darüber hinaus eine geeignetere Herangehensweise und Terminologie, um die erwähnten Phänomene zu untersuchen und somit einen kritischen methodischen und theoretischen Beitrag zu den Sozialwissenschaften zu liefern.
Das Projekt hat eine immer dringlichere wissenschaftliche und politische Frage untersucht: Wie kann der Aufstieg neuer Formen rechtsextremen Aktivismus in Europa erklärt werden und welches konzeptuelle und analytische Rüstzeug benötigen wir hierfür? Konkret wurden im Projekt rechtsextremer Bewegungen untersucht, die sich traditionell als links verstandener Formen zivilen Engagements bedienen und eine wachsende Zahl von BürgerInnen aus der Mitte europäischer Gesellschaften ansprechen. Darüber hinaus, hat das Projekt hat die wechselseitigen Einflüsse lokaler sowie transnationaler rechtsextremer Praktiken und Ideologien betont. Gegenstand der Untersuchung sind somit unterschiedliche Bereiche rechtsextremen Aktivismus - z.B. Wohlfahrt, Umweltaktivismus, kulturelles Erbe, Bildungswesen, kulturelle Veranstaltungen und politische Proteste - mit dem Ziel, folgende Fragen zu beantworten: Wie rechtfertigen, motivieren und verbinden rechtsextreme AkteurInnen ihr Engagement in lokalen Gemeinschaften mit transnationalem Aktivismus und wie werden dabei weiter gefasste universalistische rechtsextreme Ideologien für lokale Gegebenheiten adaptiert? Um dieses Problem anzugehen, hat die PI eine langfristige ethnografische Forschung in Italien, Polen, der Slowakei und Ungarn durchgeführt, wobei der Schwerpunkt sowohl auf den Aktivitäten verschiedener Bewegungen in ihren Ländern als auch auf ihrem transnationalen Austausch und ihrer Vernetzung lag. Indem das Projekt ethnographische Feldforschung mit Interviews und einer ideengeschichtlichen Untersuchung verbindet, untersucht sie die ideologischen Grundlagen, moralischen Ansprüche und Praktiken, die die zeitgenössischen Formen rechtsextremen Aktivismus prägen. Solch ein anthropologischer Zugang erlaubt die gleichzeitige Untersuchung von Weltsicht und Handeln rechtsextremer AkteurInnen und das Hinterfragen etablierter Deutungsmuster (Ost/West, rechts/links, moralisch/unmoralisch). Mithilfe dieser Betrachtungsweise können Paradoxien aufgedeckt werden, die dem rechtsextremen Aktivismus innewohnen. Erstens haben Beobachtungen und Gespräche mit rechtsextremen Jugendaktivisten gezeigt, dass sie sich oft rechtsextremen Gruppen anschließen, nicht weil sie "rechtsextreme Ansichten" haben, sondern weil sie nach einer Aktionsplattform, nach Gemeinschaft suchen oder weil sie mit anderen politischen Optionen unzufrieden sind. Es sind die rechtsextremen Bewegungen, in denen ihre Ideen klar werden. Zweitens bedeutet die Tatsache, dass sich diese Gruppen häufig vom Faschismus inspirieren lassen, nicht, dass sie den Faschismus zurückbringen wollen; vielmehr ist es wichtig zu fragen, was sie am Faschismus inspiriert und warum der Faschismus eine Antwort auf ihre Bedenken bietet. Drittens, was das Paradox des "transnationalen Nationalismus" betrifft, beweist die transnationale Vernetzung die Unterordnung des transnationalen Kontexts unter den nationalen: Aktivisten "borgen" und "lernen" von ersterem, um letzteren zu stärken. Alles in allem hat das Projekt dazu beigetragen, bestehende Lücken in der (bislang von der Politikwissenschaft dominierten) Literatur zu schließen, und hat Überlegungen zu einer geeigneteren Terminologie zur Definition der vorliegenden Phänomene angestoßen. Schließlich hat es wichtige Diskussionen über Methodik und Theorie innerhalb der Anthropologie angeregt - unter anderem über die Möglichkeit einer Studie mit der extremen Rechten und über transnationale Forschung.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 34 Zitationen
- 7 Publikationen
- 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2021
Titel "Are we all extremists now?"; In: Extremism, State, and Society Typ Book Chapter Autor Pasieka Verlag Berghahn -
2022
Titel Theft of Gramsci? On the radical right, radical left, and common sense DOI 10.1007/s10624-022-09681-6 Typ Journal Article Autor Pasieka A Journal Dialectical Anthropology Seiten 417-436 Link Publikation -
2022
Titel 9. Swimming against the Tide DOI 10.11647/obp.0282.09 Typ Book Chapter Autor Pasieka A Verlag Open Book Publishers Seiten 205-220 Link Publikation -
2023
Titel Illiberal revolts: On Grassroots Theorizing and Practicing of Illiberalism; In: Oxford Handbook on Illiberalism Typ Book Chapter Autor Pasieka -
2021
Titel Introduction to the Special Section: National, European, Transnational: Far-Right Activism in the Twentieth and Twenty-first Centuries DOI 10.1177/08883254211004013 Typ Journal Article Autor Pasieka A Journal East European Politics & Societies and Cultures Seiten 863-875 -
2021
Titel Postsocialist and Postcapitalist Questions? Far-Right Historical Narratives and the Making of a New Europe DOI 10.1177/0888325420977628 Typ Journal Article Autor Pasieka A Journal East European Politics & Societies and Cultures Seiten 975-995 Link Publikation -
2022
Titel “Tomorrow belongs to us”: Pathways to Activism in Italian Far-Right Youth Communities DOI 10.1017/s0010417521000426 Typ Journal Article Autor Pasieka A Journal Comparative Studies in Society and History Seiten 150-178 Link Publikation
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2023
Titel Editor of the journal Ethnologia Europea Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Gustav Fidor Award for Law, Social Science and Economics Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2021
Titel Keynote speechL "Reconquering the imaginary, remaking the society: notes on contemporary far-right activism," The Lentos Art Museum, Linz Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International