POWERSHIFT
Europäische Partnerschaften: Biodiversa+
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (30%); Andere Sozialwissenschaften (30%); Soziologie (40%)
Keywords
- Biodiversity Conservation,
- Transformative Change,
- Power Dynamics,
- Movement Ecosystem,
- Reflective Practice
Neues internationales Forschungsprojekt will Machtverhältnisse im Naturschutz verschieben: Warum sind manche Initiativen zum Schutz der biologischen Vielfalt erfolgreich, während andere zu Konflikten und Ungleichheiten führen? Das neue dreijährige internationale Forschungsprojekt POWERSHIFT geht dieser Frage nach, indem es untersucht, wie Machtungleichgewichte Naturschutzmaßnahmen prägen etwa wessen Stimmen gehört werden, wer Entscheidungen trifft und wer letztlich davon profitiert. Trotz eines wachsenden Bewusstseins für die Bedeutung eines inklusiven Naturschutzes werden viele zentrale Entscheidungen noch immer fernab der Menschen getroffen, die am stärksten betroffen sind. Lokale Gemeinschaften tragen häufig die alltäglichen Kosten des Zusammenlebens mit Wildtieren, während Regierungen, große NGOs oder private Akteure meist über Finanzierung, Regeln und Prioritäten entscheiden. Diese Ungleichgewichte können Misstrauen und Konflikte schüren und den Erfolg von Naturschutzmaßnahmen für Mensch und Natur gefährden. Warum ist das wichtig? Langfristig erfolgreicher Naturschutz hängt von der aktiven und sinnvollen Einbindung der Menschen ab, die in den betroffenen Landschaften leben und arbeiten. Zu verstehen, wer Einfluss hat, wer ausgeschlossen wird und wie Entscheidungen zustande kommen, ist entscheidend dafür, dass Naturschutz als gerecht, legitim und wirksam wahrgenommen wird. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt POWERSHIFT wird von Dr. Juliette Young (INRAE, Frankreich) geleitet und in Zusammenarbeit mit Dr. Ranjini Murali (Humboldt-Universität zu Berlin), Dr. Jacqueline Loos (Universität Wien), Dr. Laura Pereira (Stockholm University) sowie dem Istituto di Ecologia Applicata (Italien) durchgeführt. Das Projekt versteht Naturschutz nicht als eine Abfolge isolierter Maßnahmen, sondern als Teil einer breiteren gesellschaftlichen Bewegung und fragt danach, wie Macht über unterschiedliche Ebenen hinweg gerechter geteilt werden kann. Gefördert vom Austrian Science Fund (FWF) im Rahmen der Biodiversa+ Joint Research Call Biodiversity and Transformative Change (BiodivTransform), regt POWERSHIFT zu kritischer Reflexion bei Forschenden und Praktiker:innen an. Inspiriert von sozialen Bewegungen stellt das Projekt zentrale Fragen: Wo liegt Macht? Wie wird sie genutzt? Und wie kann die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften fairer und inklusiver gestaltet werden? Der Forschungsschwerpunkt liegt auf drei Regionen, in denen Menschen in enger Nachbarschaft mit großen Beutegreifern leben: Kirgisistan (Schneeleoparden), Italien (Wölfe) und Tansania (Löwen). Diese Fallstudien zeigen, wie unterschiedliche Interessen, Wissenssysteme und Entscheidungsprozesse im Naturschutz aufeinandertreffen. Durch ein besseres Verständnis und eine gezielte Neugestaltung von Machtverhältnissen im Naturschutz möchte POWERSHIFT den Schritt von fragmentierten Einzelprojekten hin zu einer vernetzten globalen Bewegung gehen, die sowohl die biologische Vielfalt als auch soziale Gerechtigkeit stärkt.
- Universität Wien - 100%