Neue Ansatzpunkte antidepressiver Medikation
Novel antidepressant targets in affective disorders
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (10%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (90%)
Keywords
-
Magnesium,
Depression,
NMDA,
Proteomics,
Antidepressant
Derzeit erhältliche Antidepressiva, die allesamt auf monoaminerge Mechanismen im ZNS ab zielen, haben deutliche Nachteile, wie ungenügende Wirksamkeit, verzögerter Wirkbeginn, sowie Compliance-beeinträchtigende unerwünschte Wirkungen. Es besteht deshalb ein dringender Bedarf an neuartigen Antidepressiva mit verbessertem Wirkprofil. Ziel des Projektes ist es, neurobiologische Mechanismen erhöhten depressions-artigen Verhaltens bzw. antidepressiver Therapie abseits monoaminerger Mechanismen zu identifizieren. Als Modelle werden klinisch relevante Tiermodelle induzierter Depression (Magnesium (Mg)-Defizienzmodell) und angeborener Depression (HAB Mäuse/Flinders sensitive rat line), sowie eine Kombination moderner Methoden wie funktionelles Imaging, genetisch modifizierte Maüse genetisch veränderte Mäuse und Proteomics herangezogen. Basierend auf Hinweisen, dass Antagonismus an N-Methyl-D-Aspartat Rezeptoren (NMDA-R) ein attraktiver Ansatzpunkt neuartiger antidepressiver Therapien sein könnte, wird zunächst untersucht, ob das erhöhtes Depressions-artige Verhalten und assoziierte aberrante Hirn-Aktivierungsmuster in diesen psychopathologischen Tiermodellen durch NMDA-R Antagonismus normalisiert werden kann und welche NMDA-R Subtypen an diesem Effekt beteiligt sind. Hier sollen auch die Auswirkungen eines milden NMDA-Antagonismus (wie Mg Supplementation) alleine, bzw. als Augmentation einer ineffektiven SSRI Therapie in HAB Mäusen untersucht werden. Parallel dazu werden mittels Proteomics in einem Hypothesen-freien Ansatz über das NMDA-R signalling hinausgehende Proteine ermittelt, die im Mg-Defizienzmodell unterschiedlich exprimiert werden. Hinweise auf Kausalität der identifizierten Mechanismen zum erhöhten depressions-artigen Verhalten soll durch eine Kombination genetischer und/oder pharmakologischer Werkzeuge erhalten werden. Diese Ergebnisse sollen vor allem dazu beitragen, neuartige Ansatzpunkte verbesserter antidepressiver Therapie zu erschließen, die nicht wie bisher primär auf monoaminerge Mechanismen abzielt.
Derzeit erhältliche auf monoaminerge Mechanismen im Gehirn abzielende Antidepressiva haben deutliche Nachteile, wie ungenügende Wirksamkeit, verzögerter Wirkbeginn, sowie Compliance-beeinträchtigende unerwünschte Wirkungen. Es besteht deshalb ein dringender Bedarf an neuartigen Antidepressiva mit verbessertem Wirkprofil. Ziel des Projektes war es, neurobiologische Mechanismen erhöhten depressions-artigen Verhaltens bzw. antidepressiver Therapie abseits monoaminerger Mechanismen zu identifizieren. Ein wichtiger Fokus war dabei die glutamaterge Signalkaskade und deren Regulation, zB mittels NMDA Rezeptormodulatoren wie Magnesium (Mg2+). Basierend auf der beobachteten Assoziation niederiger Gehirn Mg2+ Spiegel mit behandlungsresistenter Depression (nichtresponsiv auf monoamin-basierte Antidepressiva), konnten wir zeigen, dass durch diätetisch induzierte Mg2+ Defizienz im Gehirn depressionsartiges Verhalten in Maus und Ratte ausgelöst wird und dass eine gestörte neuronale Prozessierung im Gehirn, u.a. Hyperaktivierung in der Amygdala und Hypothalamus/HPA Achse damit verbunden ist. Mittels Proteomics wurde in einem Hypothesen-freien Ansatz Proteine ermittelt, die im Mg-Defizienzmodell im Zusammenhang mit depressionsartigem Verhalten unterschiedlich exprimiert werden. Dies waren insbesondere Proteine des NMDA/Stickstoffmonoxid Signalweges, die auf eine chronische Überaktivierung dieser Signalkaskade hinweisen, sowie Proteine des oxidativen Stress signalweges und Energiemetabolismus. Behandlung mit dem NMDA rezeptor antagonisten Ketamin oder Mg Supplementation verminderte sigifikant depressionsartiges Verhalten. Diese therapeutischen Effekte konnten auch in einem genetischen Modell komorbider Angst und Depression bestätigt werden. Erfolgreiche antidepressive Behandlung normalisierte die gestörten Aktivitätsmuster und die veränderte Proteinexpression in der Amygdala im Gehirn von Mg2+ defizienten Mäusen. Ähnliche Normalisierung der Amygdala Überaktivität im genetischen Modell komorbider Angst und Depression spricht für eine generellere Bedeutung dieses Phänomens als neurobiologischer Marker einer erfolgreichen antidepressiven Therapie. Diese Daten liefern Evidenz für Mg2+ Defizienz als neues Depressionsmodell basierend auf einer chronischen Aktivierung von NMDA Signalkaskaden. Die mögliche Bedeutung dieser Signalkaskade wird durch die schnelle antidepressive Wirkung von Ketamin auch in therapieresistenten depressiven Patienten unterstützt. Dieses Modell kann vor allem dazu beitragen, neuartige Ansatzpunkte verbesserter antidepressiver Therapie zu erschließen, die nicht wie bisher primär auf monoaminerge Mechanismen abzielt.
- Medizinische Universität Wien - 10%
- Universität Innsbruck - 90%
- Gert Lubec, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Gregers Wegener, Aarhus University - Dänemark
- Andrew Holmes, National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 552 Zitationen
- 14 Publikationen
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2020
Titel Circadian abnormalities in a mouse model of high trait anxiety and depression DOI 10.6084/m9.figshare.11798907 Typ Other Autor Griesauer I Link Publikation -
2020
Titel Circadian abnormalities in a mouse model of high trait anxiety and depression DOI 10.6084/m9.figshare.11798907.v1 Typ Other Autor Griesauer I Link Publikation -
2013
Titel Bidirectional modulation of depression-related behavior following dietary magnesium: preventive and therapeutic implications. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Sah A Konferenz Abstracts, Austrian Neurosicence Association/Austrian Pharmacological society joint meeting. Vienna -
2014
Titel Durable fear memories require PSD-95 DOI 10.1038/mp.2014.161 Typ Journal Article Autor Fitzgerald P Journal Molecular Psychiatry Seiten 901-912 Link Publikation -
2011
Titel The clinical implications of mouse models of enhanced anxiety DOI 10.2217/fnl.11.34 Typ Journal Article Autor Sartori S Journal Future neurology Seiten 531-571 Link Publikation -
2011
Titel Neuropeptide S alters anxiety, but not depression-like behaviour in Flinders Sensitive Line rats: a genetic animal model of depression DOI 10.1017/s1461145711000678 Typ Journal Article Autor Wegener G Journal International Journal of Neuropsychopharmacology Seiten 375-387 Link Publikation -
2011
Titel Changes in brain protein expression are linked to magnesium restriction-induced depression-like behavior DOI 10.1007/s00726-010-0758-1 Typ Journal Article Autor Whittle N Journal Amino Acids Seiten 1231-1248 -
2013
Titel New paradigms for treatment-resistant depression DOI 10.1111/nyas.12223 Typ Journal Article Autor Zarate C Journal Annals of the New York Academy of Sciences Seiten 21-31 Link Publikation -
2015
Titel Fluoxetine normalizes disrupted light-induced entrainment, fragmented ultradian rhythms and altered hippocampal clock gene expression in an animal model of high trait anxiety- and depression-related behavior DOI 10.3109/07853890.2015.1122216 Typ Journal Article Autor Schaufler J Journal Annals of Medicine Seiten 17-27 Link Publikation -
2011
Titel Magnesium deficiency induces anxiety and HPA axis dysregulation: Modulation by therapeutic drug treatment DOI 10.1016/j.neuropharm.2011.07.027 Typ Journal Article Autor Sartori S Journal Neuropharmacology Seiten 304-312 Link Publikation -
2014
Titel Dietary magnesium restriction reduces amygdala–hypothalamic GluN1 receptor complex levels in mice DOI 10.1007/s00429-014-0779-8 Typ Journal Article Autor Ghafari M Journal Brain Structure and Function Seiten 2209-2221 -
2012
Titel Neuropeptide S alters anxiety, but not depression-like behaviour in Flinders Sensitive Line rats: a genetic animal model of depression DOI 10.5283/epub.34579 Typ Other Autor Finger B Link Publikation -
2014
Titel Circadian abnormalities in a mouse model of high trait anxiety and depression DOI 10.3109/07853890.2013.866440 Typ Journal Article Autor Griesauer I Journal Annals of Medicine Seiten 148-154 Link Publikation -
2013
Titel Role of magnesium in anxiety- and depression-like behavior: preventive and therapeutic implications. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Sah A Konferenz Abstracts, Neuroscience meeting, Innsbruck