Text, Kunst und Performance im Bön Ritus
Text, Art and Performance in bon Ritual
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
- Bon,
- Material Culture,
- Ritual Texts,
- Audio-Visual Documentation,
- Performance,
- Tibet - religion
Ziel dieses Projekts ist es, grundlegende Forschungsarbeit im Bezug auf Bon Rituale zu leisten. Die drei bereits im Titel erwähnten Forschungsachsen wurden gewählt, um zu unterstreichen, dass keiner dieser Aspekte isoliert dargestellt werden kann, sondern nur ein integratives Herangehen der umfangreichen Thematik gerecht wird. Hauptaugenmerk der Forschung liegt in der Studie bisher unveröffentlichter tibetischer Ritualtexte, der Durchführung von darauf basierenden Ritualen und der damit verbundene Materiellen Kultur. Die Dokumentation der Objekte erfordert im Weiteren das Studium bereits veröffentlichter (hauptsächlich kanonischer) tibetischer Kommentarliteratur. Die Leitung und Koordination des Projekts übernimmt Prof. Deborah Klimburg-Salter, Leiterin der Interfakultären Forschungsplattform und Dokumentationsstelle für die Kulturgeschichte Inner- und Südasiens (IFD/CIRDIS), einer Plattform, die die nötige Erfahrung und fachliche Kompetenz mit sich bringt, eine den komplexen Anforderungen der erwarteten Forschungsergebnisse gerecht werdende Webpräsenz zu schaffen. Das Projekt wird mit dem Schwerpunkt auf ritueller Kunst und rituellen Objekten einen wichtigen Rahmen schaffen, in welchem Studierende ihr Verständnis tibetischer Sachkultur vertiefen und im Gegenzug - besonders weil zu den behandelten Objekten bisher kaum wissenschaftliche Publikationen existieren - selbst wertvolle Beitrage leisten können. Die Forschungsarbeit wird zusammen mit dem "Centre de recherche sur les civilisations de l`Asie orientale" (CRCAO) in Paris und mit der "Triten Norbutse Institution" in Kathmandu ausgeführt. Ausgangspunkt der Projektentwicklung sind vorausgegangene Untersuchungen, die die Identifikation und Aufarbeitung des Hauptmaterials ermöglichten und zu einleitenden Veröffentlichungen führten. Während zwei Semester als Gastprofessor in Wien hatte der Hauptforscher (Charles Ramble, CRCAO, Paris) die Möglichkeit, eine große Zahl an Texten zu übersetzen, die wöchentlich in Seminaren präsentiert wurden. Der technische Assistent des Projekts (Kami Gurung), Mitglied der "Triten Norbutse Institution", wurde für sechs Monate nach Wien eingeladen, wo er zusammen mit dem Werkvertragsnehmer (Uwe Niebuhr) begonnen hat, bestehendes, mit rituellen Skulpturen im Zusammenhang stehendes Material (Fotografien, Kommentare und Beschreibung) in die Datenbank des WHAV einzupflegen. Die Forschungsergebnisse werden zwei Bücher, eines mit Schwerpunkt auf den Gegenständen sowie den performativen Aspekten der Rituale, das zweite auf den ihnen zugrundeliegenden Texten; mehrere Artikel und eine Webseite beinhalten. Letztere wird neben den digitalisierten Texte, deren Transkription und Übersetzung bzw. Paraphrasierung und Kommentare; Videomaterial der Rituale (inkl. Untertiteln); sowie annotierte Fotografien der Ritualgegenstände (einen die "torma" [Tib. gtor ma] genannten Teig-und-Butter Skulpturen) beinhalten. Des Weiteren ist eine Ausstellung der rituellen Objekte im Völkerkundemuseum für Februar - April 2013 geplant, die auch deren Entstehungsprozess zeigen wird.
Das Projekt untersuchte die multimedialen Aspekte der Bön-Rituale aus drei Perspektiven: Studium des rituellen Textkorpus und Zugänglichmachung von dessen Inhalt; Analyse und Dokumentation der ephemeren Ritualkunst, vor allem der Tormas genannten Teig-und- Butter-Skulpturen, aber auch illustrierter Manuskripte (11./12. Jahrhundert) und Thangkas; sowie die Dokumentation der tatsächlichen Performance von Ritualen. Die wichtigsten Erkenntnisse, die aus dem dreijährigen Prozess der Dokumentation von Bön-Ritualen in Wien, Nepal und Indien gewonnen werden konnten, sind die enge Beziehung der Bön Ikonographie in allen gesammelten Medien zu den rituellen Texten und der Durchführung der Rituale. Das gesammelte Videomaterial bildet eine einzigartige Dokumentation regionaler Rituale in der heutigen Zeit. Während der Forschungsreise 2015 nach Tabo, Indien, war es möglich die originalen Wandmalereien und Inschriften des Klosters aus dem 10. Jh. sichtbar zu machen und dadurch den Weg für neue Einsichten in die Geschichte der visuellen Zhang Zhung Kultur vor Ort zu ebnen. Bahnbrechend war hier die Nutzung neuer Technologien (Schwarzlicht, Infrarot), die durch die Kooperation mit dem Centre of Image and Material Analysis in Cultural Heritage (CIMA) möglich gemacht wurde. Aufgrund des Erfolges wird diese Zusammenarbeit in einem neuen Projekt weitergeführt, um die Definition der visuellen Kultur von Zhang Zhung im Westlichen Himalaya zu schärfen. Die erste wissenschaftliche Aufarbeitung von Tormas und deren Beziehung zur Bön Ikonographie, die ein Hauptaspekt des Projekts war, wird das Interesse an ephemerer ritueller Kunst deutlich erhöhen. Alle Tormas wurden genauestens analysiert und für die Homepage kunsthistorisch aufgearbeitet. Mehr als 13.500 digitale Fotografien der Rituale und rituellen Objekte wurden im Western Himalaya Archive Vienna (WHAV) archiviert, katalogisiert, kategorisiert und klassifiziert und sind über die Datenbank öffentlich zugänglich. Alle Audio- und Videoaufnahmen werden im neuen Himalaya Archive Vienna (HAV) zur Verfügung stehen. Ein Teil der Digitalaufnahmen, Ritualmanuskripte und Anleitungen zur Herstellung der Tormas werden auf der Bön Home-page präsentiert, die Transkriptionen der Texte sind auch durchsuchbar. Ein besonderes Feature ist weiters die 360 Darstellung von Tormas, die rotiert werden können. Das Nebeneinanderstellen aller relevanten Medien (Audio, Video, Text, Transliteration) ist ebenfalls eine so noch nicht da gewesene Form der Präsentation, und rituelle Objekte aus unterschiedlichen Workshops können somit direkt miteinander verglichen werden. Der Wert dieser Inhalte und deren Aufbereitung stellen einen immensen Mehrwert für die weitere Forschung und Lehre dar, interessant für Linguisten, den Bereich der vergleichenden Mythologie und die Religionsgeschichte. Die Zusammenführung aller Materialien und Medien bietet wertvolle Ressourcen für zukünftige Forschungsbereiche wie Sozialanthropologie, Ethnologie und Religionswissenschaften.
- Universität Wien - 100%
- Tenpa Yungdrung, Sonstige - Nepal
- Charles Ramble, University of Oxford - Vereinigtes Königreich