IgE: Ein neues Target um Alkoholische Fettleber zu behandeln
IgE: novel target to treat alcohol-associated liver disease
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (90%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (10%)
Keywords
- Alcoholic steatohepatitis,
- IgE,
- Alcohol-associated fatty liver disease,
- Gut-liver axis
Ungesunde Ernährung und übermäßiger Alkoholkonsum führen zur Anhäufung von Fett in der Leber (Steatose), was schwere Leberschäden sowie -funktionsstörungen zur Folge haben kann. Im weiteren Verlauf kann dies zu einer lebensbedrohlichen Leberzirrhose, der zwölfthäufigsten Todesursache weltweit, führen. Etwa die Hälfte aller Todesfälle von PatientInnen mit Leberzirrhose sind auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Gegenwärtig sind die zugrunde liegenden Mechanismen, durch die Alkohol zur Leberschädigung führt, weitgehend unbekannt. Daher sind die therapeutischen Möglichkeiten für alkoholbedingte Lebererkrankungen begrenzt. Darmbakterien wird eine bedeutende Rolle in der Pathogenese alkoholbedingter Lebererkrankungen zugeschrieben. Der menschliche Darm wird von Billionen Mikroben besiedelt, welche mit dem Körper interagieren und eine Grundvoraussetzung für unsere Gesundheit darstellen. Ein Ungleichgewicht des Darmmikrobioms,welchesdurch Alkoholkonsumverursacht werden kann, steht mit alkoholassoziierten Lebererkrankungen in Verbindung. Darüber hinaus kann Alkohol die Integrität der Darmbarriere beeinträchtigen, was zur Translokation von Bakterien in den systemischen Blutkreislauf führen kann. Infolgedessen können diese Bakterien die Leber erreichen und dort Schäden verursachen. Um sich vor eindringenden Bakterien zu schützen, produziert der Körper Antikörper. Die sogenannten Immunglobuline, die in verschiedene Subtypen unterteilt werden, besitzen die Fähigkeit Bakterien zu erkennen und zu binden und sie dadurch unschädlich zu machen. Interessanterweise haben Studien sowohl im Mausmodell als auch am Menschen gezeigt, dass Alkohol den Antikörperspiegel im Blut stark beeinflusst. Insbesondere wurde berichtet, dass PatientInnen mit einer alkoholbedingten Lebererkrankung erhöhte Titer von Immunglobulin Typ E (IgE) im Blut aufweisen. Außerdem wurde gezeigt, dass die IgE-Spiegel sinken, wenn die PatientInnen keinen Alkohol mehr zu sich nehmen, was den Rückschluss einer positiven Korrelation zwischen Alkoholkonsum und IgE-Antikörperproduktion zulässt. Es fehlen jedoch eingehende Charakterisierungen und funktionelle Studien, die die Rolle von IgE-Antikörpern zur Entwicklung und zum Fortschreiten von alkoholassoziierten Lebererkrankungen beschreiben. In diesem Projekt beabsichtigen die ForscherInnen mit modernsten Methoden und speziellen Fütterungsmodellen an genetisch modifizierten Mäusen zu untersuchen, auf welche Weise Alkoholkonsum zur Induktion von erhöhten IgE-Spiegeln führt und ob diese Veränderungen positive (protektive) oder negative (schädliche) Auswirkungen auf die Entwicklung einer alkoholbedingten Fettlebererkrankung haben. Letztendlich zielt dieses Projekt darauf ab, neue Schlüsselfaktoren zu identifizieren, die an der Entstehung der alkoholassoziierten Lebererkrankung beteiligt sind. Durch die neu generierten Erkenntnisse soll es möglich werden, diese Faktoren gezielt zur Prävention und Behandlung des Krankheitsverlaufs zu adressieren.
Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu fortschreitenden Leberschäden führen - von Fetteinlagerungen und Entzündungen bis hin zu irreversibler Vernarbung des Lebergewebes (Zirrhose). Die Behandlungsmöglichkeiten sind nach wie vor begrenzt, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung. Daher besteht ein großer Bedarf an neuen Therapieansätzen. Menschen mit alkoholbedingten Lebererkrankungen weisen häufig erhöhte Blutspiegel von Immunglobulin E (IgE) auf. Dieser Antikörper ist vor allem für seine Rolle bei allergischen Reaktionen bekannt, die in schweren Fällen lebensbedrohlich sein können. Das vorliegende Projekt untersuchte, ob IgE lediglich eine Begleiterscheinung des Alkoholkonsums ist oder aktiv zur Leberschädigung beiträgt. Das Forschungsteam konnte zeigen, dass alkoholbedingte Veränderungen der Darmbarriere und des Darmmikrobioms eine allergieähnliche Immunreaktion im Darm auslösen, die zu einer verstärkten IgE-Produktion führt. Experimente an Mäusen zeigten, dass IgE alkoholbedingte Leberschäden verschlimmert, indem es Immunzellen aktiviert und Entzündungsprozesse fördert. Dabei erwiesen sich insbesondere Basophile als wichtige Akteure. Auch die Untersuchungen an Patientinnen und Patienten stützen die Bedeutung dieser Ergebnisse: Die IgE-Spiegel waren bei alkoholbedingten Lebererkrankungen erhöht, korrelierten mit dem Schweregrad der Erkrankung und begannen innerhalb von zwei Wochen nach Beendigung des Alkoholkonsums zu sinken. Darmproben zeigten zudem Immunsignale, die mit dem in den Mausmodellen identifizierten Mechanismus übereinstimmen. Besonders vielversprechend ist, dass sowohl die Blockade als auch die Reduktion von IgE Mäuse vor alkoholbedingten Leberschäden schützten. Dies eröffnet neue Perspektiven für mögliche Therapieansätze. Da Medikamente zur gezielten Hemmung von IgE bereits für bestimmte allergische Erkrankungen zugelassen sind, könnte eine Übertragung dieser Behandlungsstrategien auf Lebererkrankungen möglich sein. Weitere Untersuchungen sind jedoch erforderlich, insbesondere zu Therapien, die gezielt auf jene Zellen wirken, welche entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse einen bislang unerwarteten Zusammenhang zwischen Darmschädigung, allergieähnlichen Entzündungsreaktionen und alkoholbedingten Leberschäden. Die Studie identifiziert IgE als potenzielles therapeutisches Ziel. Weitere Untersuchungen am Menschen sind jedoch notwendig, um die klinische Bedeutung dieser Erkenntnisse zu bestätigen und festzustellen, ob IgE-gerichtete Therapien Leberschäden verhindern oder verringern können. Eine Reduktion oder der Verzicht auf Alkohol bleibt entscheidend, um weitere Schäden zu begrenzen. Das Forschungsteam schließt derzeit die letzten Experimente ab und bereitet die Ergebnisse zur Veröffentlichung vor. In zukünftigen Studien sollen mögliche Therapieansätze untersucht und die Rolle von IgE in größeren Patientenkohorten analysiert werden. Darüber hinaus soll geklärt werden, welche Mechanismen die IgE-Produktion bei Lebererkrankungen fördern und welche Moleküle von den gebildeten IgE-Antikörpern erkannt werden. Dies könnte dazu beitragen, besser zu verstehen, wie IgE Entzündungsprozesse verstärkt und alkoholbedingte Leberschäden vorantreibt.
- Michael H. Trauner, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Philipp Starkl, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Bernd Schnabl, University of California, San Diego - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 6 Publikationen
- 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2025
Titel IgM Antibodies Targeting Malondialdehyde Promote Complement-Mediated Liver Injury in Alcohol-Related Liver Disease. DOI 10.1111/liv.70356 Typ Journal Article Autor Rajcic D Journal Liver international : official journal of the International Association for the Study of the Liver -
2025
Titel MicroRNA-26b protects against MASH development in mice and can be efficiently targeted with lipid nanoparticles DOI 10.7554/elife.97165.2 Typ Preprint Autor Peters L -
2025
Titel MicroRNA-26b protects against MASH development in mice and can be efficiently targeted with lipid nanoparticles. DOI 10.7554/elife.97165 Typ Journal Article Autor Peters L Journal eLife -
2023
Titel Chronic-binge ethanol feeding aggravates systemic dyslipidemia in Ldlr-/- mice, thereby accelerating hepatic fibrosis. DOI 10.3389/fendo.2023.1148827 Typ Journal Article Autor Hoebinger C Journal Frontiers in endocrinology Seiten 1148827 -
2025
Titel Soluble TREM2 reflects liver fibrosis status and predicts postoperative liver dysfunction after liver surgery. DOI 10.1016/j.jhepr.2024.101226 Typ Journal Article Autor Santol J Journal JHEP reports : innovation in hepatology Seiten 101226 -
2024
Titel Editorial: Inflammatory responses on the road from NASH to HCC: pathogenic mechanisms and possible therapeutic strategies. DOI 10.3389/fimmu.2024.1512363 Typ Journal Article Autor Lukacs-Kornek V Journal Frontiers in immunology Seiten 1512363
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2025
Titel Immunology Research Cluster Grant for attending IUIS 2025 Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2025
Titel UEG Week 2025 Travel grant Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2024
Titel Keynote speaker at VSLG Retreat 2024 Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2023
Titel DOC Fellowship of the OEAW Typ Awarded honorary membership, or a fellowship, of a learned society Bekanntheitsgrad National (any country)
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2024
Titel The role of B cells and immunoglobulins in ALD Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2024 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)