Automatisierung von vermittelter Live-Kommunikation
Automation of live mediated communication
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
- Interpreting,
- Speech Translation,
- Quality,
- Machine Translation,
- Usability,
- Automation
Der Fortschritt in der Entwicklung der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) beschleunigt den Einsatz von Computersystemen zur Automatisierung einer Vielzahl von menschlichen Tätigkeiten. Häufig genannt wird dabei das Übersetzen. Tatsächlich hat die maschinelle Übersetzung (MÜ) von schriftlichen Texten ein beachtliches Niveau erreicht, bedarf jedoch in der Regel einer Nachbearbeitung, um ein hohes Maß an Qualität und Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Das Übersetzen von gesprochener Sprache, das neben MÜ auch die automatische Spracherkennung und -synthese erfordert, stellt eine ungleich größere Herausforderung dar, wenn damit zwischenmenschliche Kommunikation in Echtzeit ermöglicht werden soll. Solche Live-Translationsleistungen wurden bislang von DolmetscherInnen erbracht, deren Einsatzbereiche von Arzt-Patient-Gesprächen bis zu Konferenzvorträgen reichen. Aber obwohl die automatische Echtzeitübersetzung von mündlicher Kommunikation noch diverse Einschränkungen aufweist, wird sie zunehmend als Alternative zum Einsatz von DolmetscherInnen betrachtet. Inwieweit automatisiertes Dolmetschen ein ausreichendes Maß an Genauigkeit und Verständlichkeit erzielen kann, ist jedoch weitgehend unklar. Das Forschungsprojekt soll deshalb die Live-Translation durch Mensch und Maschine in realistischen Kommunikationsszenarien wie Beratungsgesprächen und Fachvorträgen einer vergleichenden Untersuchung unterziehen. Es werden somit sowohl Übersetzungs-Apps auf mobilen Geräten als auch Cloud-gestützte Systeme für automatisiertes Simultandolmetschen untersucht und mit den vor Ort oder videokonferenzgestützt erbrachten Konsekutiv- und Simultandolmetschleistungen von professionellen DolmetscherInnen verglichen. Als eine Kernkomponente des Projekts gilt die Entwicklung und Erprobung eines zuverlässigen Bewertungsansatzes für die Qualität von Live-Translation. Ausgehend von einem translationstheoretisch fundierten funktionalen Konzept von Qualität als Zweckmäßigkeit ist sowohl die translatorische Leistung als auch die Rezeption der NutzerInnen Gegenstand der Bewertung. Konkret werden die Live-Translationsleistungen von automatischen Übersetzungssystemen und professionellen DolmetscherInnen zum einen im Hinblick auf Wiedergabegenauigkeit, zielsprachliche Korrektheit und Flüssigkeit bewertet und zum anderen aus der Sicht der NutzerInnen nach ihrer Verständlichkeit und Benutzerfreundlichkeit beurteilt. Um dem Situationsbezug von in Echtzeit vermittelter Kommunikation Rechnung zu tragen, ist das Projekt als eine Reihe von Fallstudien konzipiert. Der multimethodische Ansatz umfasst einerseits die Analyse von Audio- und Videoaufnahmen und deren Transkription und andererseits die Datenerhebung mittels Fragebögen und Interviews. Die Forschungsergebnisse werden die Möglichkeiten und Grenzen von automatisiertem Dolmetschen aufzeigen und dienen dadurch als Entscheidungshilfe für dessen Einsatz als Alternative zu DolmetscherInnen zur Ermöglichung von mehrsprachiger Kommunikation.
- Universität Wien - 100%