Honorius Augustodunensis - Expositio in Cantica Canticorum
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
- Honorius Augustodunensis,
- Biblical exegesis,
- Song of songs,
- Monastic theology
Honorius Augustodunensis lebte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und wirkte vermutlich an einer Klosterschule im süddeutsch-bayerischen Raum. Sein Leben und seine Herkunft liegen allerdings weithin im Dunkeln. Legt man die große Zahl der noch erhaltenen Handschriften seiner Werke zugrunde, die gerade in österreichischen Bibliotheken in großer Anzahl erhalten sind, gehörte er zu den "Bestsellern" im Mittelalter. Die hohe Verbreitung seines Schrifttums im Mittelalter steht freilich in auffälligem Kontrast zur Kenntnis seiner Theologie in der Gegenwart. Das liegt zum einen an dem Mangel an verlässlichen Textausgaben und Übersetzungen, aber auch an einer Geringachtung der Theologie seiner Zeit in späteren Epochen, als man mittelalterliche Theologie v.a. mit den großen Meistern des 13. und 14. Jahrhunderts wie Thomas von Aquin oder Johannes Duns Scotus identifizierte. Das vorliegende Projekt versteht sich daher als ein Beitrag, die Eigenart und Bedeutung der Theologie des Honorius und die Attraktivität seines Schrifttums im Kontext seiner Zeit besser zu verstehen. Das soll an einem seiner Hauptwerke aufgezeigt werden, der Auslegung zum Hohelied. Dieses "Lied der Lieder" (Canticum canticorum), wie sein lateinischer Titel lautet, war das mit Abstand am häufigsten kommentierten Buch des Alten Testaments. Es übte aufgrund seiner erotischen Bildersprache und der dichten Symbolik eine hohe Anziehungskraft auf Theologen aus, da man in dem Liebeslied, das sich ein königlicher Bräutigam und seine schöne Braut gegenseitig singen, sowohl das Verhältnis zwischen Christus und der Kirche, aber auch zwischen der Seele des Gottsuchers und Gott selbst geheimnisvoll ausgedrückt sah. Der Text lud daher mittelalterliche Kommentatoren dazu ein, verschiedene Symbolschichten darin freizulegen und die sog. geistlichen Schriftsinne genauer zu bestimmen. Honorius erörterte in seinem Kommentar eine Reihe weiterer theologischer Themen, in denen er sich als innovativer Denker zeigte. Im Zentrum des Projekts steht eine erstmalige kritische Edition dieses einflussreichen Hoheliedkommentars, der in 180 Handschriften überliefert ist. Um diese außergewöhnlich große Textüberlieferung zu analysieren und in eine kritische Textausgabe münden zu lassen, werden KI basierte Hilfsmittel, wie z.B. das Editionsprogramm Transkribus verwendet werden, das eigens auf dieses Projekt hin angepasst und optimiert wird. Neben der kritischen Edition des Textes soll eine monographische Studie die Textgeschichte und die theologischen Themen des Kommentars analysieren und im Kontext der Theologie des 12. Jahrhunderts interpretieren. Die Erforschung der Textgeschichte des Kommentars der Handschriften soll schließlich neue Aufschlüsse über die Gestalt des Honorius selbst und seines Wirkungsfelds eröffnen.
- Universität Wien - 100%
- Maria Theisen, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Dominique Poirel, Centre National de la Recherche Scientifique - Frankreich
- Guglielmetti Rossana, University of Milan - Italien
- Marco Rainini, Università Cattolica del Sacro Cuore - Italien
- Mark Clark, Catholic University of America - Vereinigte Staaten von Amerika