Postmigrantische Allianzen
Postmigrant Alliances: from Hegemony to Conviviality
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (100%)
Keywords
- Postmigration,
- Hegemony,
- Conviviality,
- Discrimination
Das Forschungsprojekt widmet sich postmigrantischen Allianzen, die in urbanen Kontexten im deutschsprachigen Raum entstehen. Im Zentrum stehen Zusammenschlüsse und Initiativen, die maßgeblich von den Erfahrungen und Perspektiven der postmigrantischen Generation geprägt sind. Dazu zählen Menschen, deren Lebensrealität sowohl durch eigene Migrationserfahrung als auch durch die Migrationsgeschichte ihrer Familien bestimmt wird. Migration wird in diesem Projekt nicht als Ausnahme, sondern als grundlegender und dauerhafter Bestandteil gesellschaftlicher Realität verstanden. Die Untersuchung basiert theoretisch auf einer postmigrantischen Perspektive, die hegemoniale Narrative von Integration und Zugehörigkeit kritisch hinterfragt. Zentral ist dabei eine vielstimmige Lesart gesellschaftlicher Wirklichkeit, angelehnt an Edward Said, die marginalisierte und übersehene Geschichten sichtbar macht. Diese Lesart wird mit einem non-dualistischen und intersektionalen Analyseansatz kombiniert. Dieser zielt darauf ab, duale Unterscheidungen wie Einheimische vs. Migranten zu überwinden. Untersucht wird, wie postmigrantische Akteurinnen und Akteure mit Erfahrungen von Ausgrenzung und struktureller Ungleichheit umgehen und daraus neue politische und kulturelle Praktiken entwickeln, die Solidarität fördern und Zugehörigkeit neu verhandeln. Im Fokus stehen dabei Allianzen, die zu einer Kultur der Konvivialität beitragen, also einem Miteinander, das auf gegenseitiger Anerkennung, Pluralität und geteilten Erinnerungen beruht. Das Projekt basiert empirisch auf semi-narrativen Interviews mit Akteurinnen und Akteure bestehender postmigrantischer Allianzen. Ergänzend werden selbstproduzierte Texte, Social-Media- Beiträge, künstlerische Arbeiten oder andere Ausdrucksformen der Interviewten in die Analyse einbezogen. Mithilfe dieser vielfältigen Materialien ist es möglich, tiefen Einblick in die Motivationen, Strategien und Selbstverortungen postmigrantischer Generationen an der Schnittstelle von Kultur, Aktivismus und Politik zu erhalten. Die Untersuchung umfasst Fallstudien in ausgewählten Großstädten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei werden unterschiedliche Formationen berücksichtigt von kulturellen Treffpunkten über künstlerische Kollektive bis hin zu politischen Netzwerken und digitalen Plattformen. Das gemeinsame Merkmal dieser Allianzen ist ihr Engagement für gesellschaftliche Teilhabe, ihre Kritik an bestehenden Machtverhältnissen und ihr Konzept neuer, inklusiver Formen des Zusammenlebens. Ziel des Projekts ist es, das transformative Potenzial dieser Allianzen herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie demokratische Werte durch pluralistische und solidarische Praktiken in urbanen Gesellschaften neu belebt werden können.
- Universität Innsbruck - 100%
- Hans Karl Peterlini, Universität Klagenfurt , nationale:r Kooperationspartner:in
- Wiebke Sievers, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Tunay Önder, Migrantenstadl - Deutschland
- Can Sungu, Sinema Transtopia - Deutschland
- Marianne Pieper, Universität Hamburg - Deutschland