Keramikkonsum und Hellenistische Globalisierung Bottom-up
Pottery Consumption and Hellenistic Globalisation Bottom-up
Weave
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
- Pottery Consumption Profiles,
- Diagrammatic Reasoning in Archaeology,
- Local Agency
Wie lebten Menschen in kleineren Städten und ländlichen Regionen vor über 2.000 Jahren in einer Welt, die immer stärker miteinander vernetzt war? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Forschungsprojekts. In der Zeit zwischen 330 und 30 v. Chr. entstanden große Reiche rund um das Mittelmeer und darüber hinaus. Handel, Mobilität und kultureller Austausch nahmen deutlich zu. Neue Waren, Ideen und Lebensstile verbreiteten sich über weite Entfernungen. Häufig wird diese frühe Form der Globalisierung aus der Sicht großer Städte, Herrscher und Eliten beschrieben. Das Projekt wählt bewusst eine andere Perspektive. Im Fokus stehen Menschen in kleineren Städten und ländlichen Regionen im heutigen Griechenland und Italien. Untersucht wird, wie sie ihren Alltag gestalteten und wie sie mit äußeren Einflüssen umgingen. Dabei geht es nicht nur darum, was von außen übernommen wurde, sondern auch darum, was bewusst beibehalten, verändert oder abgelehnt wurde. Das Projekt zeigt, dass lokale Gemeinschaften aktiv Entscheidungen trafen und ihre eigene Lebensweise formten. Zentrale Quellen sind Keramikgefäße wie Becher, Schüsseln, Kochtöpfe oder Vorratsgefäße. Solche Alltagsgegenstände wurden täglich benutzt und sind in großer Zahl erhalten geblieben. Sie geben Einblick in Essgewohnheiten, soziale Unterschiede und gemeinsame Rituale. Anhand der Gefäße lässt sich erkennen, ob Menschen neue modische Formen bevorzugten, an vertrauten Traditionen festhielten oder beides miteinander kombinierten. Das Projekt entwickelt eine neue Methode, um Keramikfunde systematisch auszuwerten und übersichtlich darzustellen. Gezählt wird, welche Arten von Gefäßen in bestimmten Bereichen verwendet wurden, etwa beim Kochen, beim gemeinsamen Essen oder bei der Lagerung von Lebensmitteln. Grafische Darstellungen machen diese Muster vergleichbar und helfen, Unterschiede zwischen Orten sichtbar zu machen. Besonders wichtig ist dabei der Zusammenhang zwischen den Funden und ihrem sozialen Umfeld. Keramik wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Häusern, Plätzen und besonderen Ereignissen wie Festen oder Abschiedsfeiern. Dadurch wird deutlich, dass Alltagsgegenstände Teil sozialer Beziehungen und kultureller Werte waren. Das Projekt trägt dazu bei, die Vielfalt vergangener Lebensweisen besser zu verstehen. Es zeigt, dass Globalisierung schon damals kein einheitlicher Prozess war, sondern vor Ort unterschiedlich erlebt und gestaltet wurde. Die Ergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von kultureller Identität, Anpassung und Zusammenhalt in einer vernetzten Welt Themen, die auch für die heutige Gesellschaft von großer Bedeutung sind.
- Christoph Baier, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Frerich Schön, Eberhard-Karls-Universität Tübingen - Deutschland, Projektpartner:in
- Martin Mohr, University of Zurich - Schweiz, Projektpartner:in