LABOURFLOWS - Infrastrukturen für den Arbeitskraftfluss
LABOURFLOWS - Infrastructures of Labour Power Flows
Weave
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%); Soziologie (65%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
- Infrastructures,
- Labour,
- Flows,
- Precarious Work,
- Social Reproduction,
- Warehousing
Seit einigen Jahrzehnten wird es für viele Menschen in Europa immer schwieriger, gute und sichere Arbeit zu finden. Selbst Vollzeitbeschäftigte haben oft Mühe, finanziell über die Runden zu kommen. Arbeitsplätze sind unsicherer geworden, Löhne stagnieren, und die soziale Ungleichheit wächst. Ereignisse wie die Finanzkrise von 2008, die COVID-19- Pandemie und die zuletzt gestiegene Inflation haben diese Entwicklungen weiter verschärft. Die Folgen betreffen nicht nur einzelne Beschäftigte, sondern sie zeigen sich auch in sinkenden Geburtenraten, einer alternden Gesellschaft und einem spürbaren Arbeitskräftemangel in ganz Europa. Das Projekt LabourFlows untersucht, wie prekäre Arbeitsverhältnisse entstehen, welche Strukturen sie aufrechterhalten, und welche Faktoren zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen beitragen. Dabei betrachten wir nicht nur das direkte Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten, sondern die umfassenderen Systeme, die Menschen in schlecht bezahlte, instabile Arbeit hinein- und wieder herausbringen. Ähnlich wie Straßen den Warenverkehr ermöglichen oder das Internet den Austausch von Daten, lenkt eine oft unsichtbare Arbeitsinfrastruktur den Fluss von Menschen und ihrer Arbeitskraft. Arbeitskraft bezieht sich dabei auf die körperliche und geistige Fähigkeit einer Person, für einen Arbeitgeber tätig zu sein. Damit Menschen arbeiten können, benötigen sie grundlegende Dinge wie Nahrung, Wohnraum, Schlaf, Bildung und Gesundheitsversorgung. Ohne diese Grundlagen kann Arbeitskraft weder erhalten noch weitergegeben werden, etwa an die nächste Generation. Arbeitsinfrastruktur besteht aus Menschen und anderen Komponenten, zum Beispiel Arbeitsvermittlungen, Gesetze, EU-Vorschriften, lokale Regierungen, Verkehrsverbindungen und zivilgesellschaftliche Institutionen. Arbeitsinfrastruktur ist meist unsichtbar, aber sie beeinflusst maßgeblich, wie Arbeit organisiert ist. Das LabourFlows-Projekt macht diese oft verborgene Arbeitsinfrastruktur sichtbar. Wir untersuchen drei große Logistikstandorte in Polen, Belgien und Österreich. Diese Länder haben große Lager- und Logistikzentren, aber unterschiedliche Arbeitsmärkte und rechtlich- politische Rahmenbedingungen. Logistikzentren eignen sich besonders gut zur Untersuchung von Arbeitsinfrastruktur, denn die stark wachsende Branche basiert in hohem Maße auf schlecht bezahlter, unsicherer Arbeit, die häufig von Migrant:innen, Minderheiten, Menschen mit Behinderung oder ehemals Inhaftierten ausgeübt wird. Der derzeitige Arbeitskräftemangel in der Logistikbranche macht die Schwächen der Arbeitsinfrastruktur besonders deutlich. Damit bietet sich eine günstige Gelegenheit, ihre Funktionsweise genauer zu untersuchen und neu zu denken, um eine gerechtere Arbeitsinfrastruktur für alle Beschäftigten zu schaffen.
- Universität Graz - 100%
- Patrizia Zanoni, Universiteit Hasselt - Belgien, Projektpartner:in
- Milosz Miszczynski, Kozminski University - Polen, Projektpartner:in