Translationskultur: Der Paul Zsolnay Verlag, 1924-1938
Translation culture: The Paul Zsolnay Verlag, 1924-1938
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
- Translation Culture,
- Publishing Translations,
- Translator´S Agency,
- Soft Power,
- Meso-History,
- Histoire Croisee
Translation ist nicht nur die Übertragung von Wörtern aus einer Sprache in eine andere, sondern auch ein sozio-kultureller Prozess, der den Austausch von Ideen und das Machtgefüge zwischen Ländern, Gemeinschaften und sozialen Gruppen prägt. Um Übersetzung zu verstehen, muss man daher alle beteiligten Akteure betrachten: ÜbersetzerInnen, AutorInnen, HerausgeberInnen, Behörden und insbesondere Verlage. Verlage entscheiden, was übersetzt wird, wer es übersetzt, wann und unter welchen Bedingungen. Ihre Entscheidungen beeinflussen, welche Stimmen die Öffentlichkeit erreichen und wie (trans-)kulturelle Beziehungen entstehen. In diesem Sinne kann Übersetzung zu einer Form von Soft Power werden, die Gesellschaften und kulturelle Diplomatie leise prägt, indem sie bestimmte Ideen fördert, statt mit Zwang zu arbeiten. Dieses Projekt untersucht den jüdischen Wiener Paul Zsolnay Verlag zwischen 1924 und 1938, um zu zeigen, wie Übersetzung zu einem subtilen Mittel des Widerstands gegen den aufkommenden Nationalsozialismus wurde. Der Verlag veröffentlichte bis Mitte der 1930er Jahre Übersetzungen aus dem Jiddischen, gab Arbeit zu jüdischen ÜbersetzerInnen, die ihre Stellen als ProfessorInnen oder JournalistInnen verloren hatten, und half mehreren von ihnen 1938, ins Exil gehen und der Verfolgung zu entkommen. Die Studie zoomt vom weiteren Kontext Jewish difference und des Verlagswesens in Wien der Zwischenkriegszeit (Makroebene) über die Translationspolitik des Verlages (Mesoebene) bis hin zu den professionellen Biografien des Verlegers, des Verlagsdirektors und von sechzehn ÜbersetzerInnen (Mikroebene). Diese Biografien, rekonstruiert aus Archivbeständen weltweit, heben die oft übersehene Rolle von ÜbersetzerInnen als aktive kulturelle AkteurInnen hervor als VermittlerInnen zwischen AutorInnen und Verlagen und als Beitragende nicht nur zur Entwicklung des Verlags, sondern auch zu sozialen Bewegungen, etwa dem Widerstand gegen wachsenden Antisemitismus oder der Unterstützung marginalisierter Gruppen.