Brody, Buczacz und Drohobycz in der Westukraine
Brody, Buczacz und Drohobycz in Western Ukraine
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (20%); Geschichte, Archäologie (20%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
- Brody,
- Buczacz,
- Drohobycz,
- History,
- Architecture,
- Literature
Das Buchprojekt ist im Bereich Stadtgeschichte Ostmitteleuropas angesiedelt, es vergleicht drei Städte in der Westukraine, die von ihrer Geschichte, Kultur und Architektur her viele Gemeinsamkeiten aufweisen, Brody, Buczacz und Drohobycz. Alle drei Städte gehen auf ukrainische Ansiedelungen zurück, gehörten ab dem 14. Jahrhundert zum polnischen Staat, wo sie auch das Stadtrecht erlangten. Mit der Ersten Teilung Polens 1772 fielen diese Städte an Österreich, nach 1918 wieder an Polen, 1939 an die Sowjetunion. Seit 1991 sind sie Teil der Ukraine. Unsere Untersuchung setzt beim baugeschichtlichen Erbe dieser drei Städte an und zeigt, was aus welcher Phase der historischen Entwicklung geblieben ist, aber auch, was verloren ging. Diese Frage ist immer mit der Stadt als Lebensraum unterschiedlicher ethnischer Gruppen, in erster Linie Polen, Ukrainer und Juden, verbunden. Es wird nach dem architektonischen so wie auch nach dem kulturellen Erbe dieser Gruppen in den jeweiligen Städten gefragt welche Personengruppen nutzten welche Bauten, übten welche Beschäftigungen aus? Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung, die nach der Vernichtung im Holocaust heute zum größten Teil verschwunden ist, nimmt eine besondere Bedeutung ein. Die architektonische Beschreibung wird durch eine literarische ergänzt, Stadtbeschreibungen aus Reiseführern um 1900 werden mit Beschreibungen aus heutiger Zeit verglichen, es wird nach Konstanten und Unterschieden in der Sicht dieser Städte gefragt. Jede der drei genannten ethnischen Gruppen der Stadtbevölkerung hat auch ihre spezifische Version der Stadtgeschichte. Diese unterschiedlichen historischen Narrationen werden verglichen, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden analysiert. Brody, Buczacz und Drohobycz sind auch literarische Städte in dem Sinn, dass sie in zahlreichen belletristischen Werken beschrieben werden, aber auch in dem Sinn, dass sie Zentren eines regen literarischen Lebens waren. Aus jeder dieser Städte stammt ein Autor mit Weltruhm Joseph Roth aus Brody, Shmuel Yosef Agnon aus Buczacz und Bruno Schulz aus Drohobycz. Auch diese Autoren haben ihre Stadt beschrieben, so wie viele andere, polnische, ukrainische und jüdische Autoren, die wenig bekannt sind, weil sie im Schatten der Großen stehen. Unsere Untersuchung geht ausführlich auf diese weniger bekannten Literaten ein. Im dritten Teil wird die Stadt als Ort der Erinnerungskultur untersucht, es wird gefragt, inwieweit das historische Gedächtnis der Bewohner mit bestimmten architektonischen Realien verbunden ist. Anhand von Bauten, Denkmälern und Straßennamen werden Rückschlüsse auf Gedächtnispolitik und Identitätskonstruktionen gezogen, wobei den Veränderungen in der Erinnerungskultur in Verbindung mit den geänderten politischen Verhältnissen besonderes Augenmerk geschenkt wird. Zum Abschluss wird versucht, Perspektiven für die zukünftige Entwicklung dieser Städte im Hinblick auf Aneignung des historischen Erbes, aber auch Entwicklung des touristischen Potentials, aufzuzeigen.