Biografien in Bildern. Soziale Medien als Imaginationsräume
Biographies in pictures. Social media - spaces for imagining
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (10%); Soziologie (90%)
Keywords
- Social Media,
- Designing visual biographies,
- Biography and media theories,
- Complex research design,
- Interpretive methodologies,
- Innovative conceptual results
Wie zeigen wir uns in Sozialen Medien und was hat das mit unserer Lebensgeschichte zu tun? Dieses Buch prasentiert eine langjahrige Untersuchung dazu, wie Soziale Medien (v. a. Instagram, Facebook, zum Teil auch TikTok) genutzt werden, um Biografien zu gestalten. Worum geht es? Menschen erstellen Social-Media-Profile auch ohne kommerzielle Absicht. Sie kuratieren Fotos und andere Bilder, posten Reels, Stories oder Videos und prasentieren sich so, wie sie sich selbst sehen und von anderen gesehen werden mochten. Mit der Zeit entsteht ein Vorstellungsraum zur jeweiligen Person. Geteilt wird nicht nur, was im Leben tatsachlich passiert (ist), sondern auch, wer man gern ware und wie andere einen wahrnehmen sollen. Welche Fragen wurden untersucht: Wie hangen Bildsammlungen in sozialen Medien mit personlichen Lebensgeschichten zusammen? Welche Rolle spielen verschiedene Profile in unterschiedlichen Lebensphasen in der Jugend, im Erwachsenenalter oder im hoheren Alter? Entstehen neue Formen der Selbstdarstellung, die es ohne soziale Medien nicht gabe? Wie wurde geforscht? Untersucht wurden 51 Social-Media-Profile von Personen aus drei Altersgruppen in Österreich und Brasilien: 1419-, 3040- und 60+ -Jahrige. So ließen sich verschiedene Lebensphasen und Lander vergleichen. Die Teilnehmer*innen machten Social-Media-Accounts zuganglich und erzahlten in einem biografischen Interview ihre Lebensgeschichte. Zusatzlich zeigten und sprachen sie uber wichtige Fotos aus ihrem gesamten Leben: aus privaten analogen Alben, von Handys/Computern sowie eben aus Social-Media-Profilen. Insgesamt wertete das Team ca. 47.000 Bilder und 257 Stunden Interviews aus mit verschiedenen Methoden der Bild- und Biografieanalyse. Was kam heraus? Die Bedeutung sozialer Medien im Leben einer Person wird erst in Verbindung mit privaten Fotosammlungen (analog und digital) und mit den Erzahlungen der Lebensgeschichte deutlich. Uber alle Altersgruppen hinweg zeigten sich vier typische und biografisch wichtige Nutzungsweisen: a) um einen sichtbaren Zusammenhang des eigenen Lebens uber verschiedene Bereiche und Erfahrungen hinweg herzustellen, b) um neue Selbstbilder zu entwerfen, die sich vom Öffline-Leben unterscheiden, c) um unterschiedliche, auch widerspruchliche Welten nebeneinanderstellen und biografische Entscheidungsmoglichkeiten offen halten zu konnen, d) um belastende Erfahrungen (z. B. sexuellen Missbrauch oder Gewalt) uber Bilder ausdrucken und in das eigene Leben integrieren zu konnen. Außerdem werden Darstellungsweisen erklart, die als hypermedial gelten konnen: stark ubersteigert und unecht wirkende Selbstinszenierungen, die haufig kontrovers wahrgenommen und diskutiert werden. Fur wen ist dieses Buch? Fur alle, die verstehen wollen, wie Soziale Medien unsere Selbstbilder und Biografien mitgestalten und warum Profile nicht einfach nur Bilder sind. Kurz: Das Buch zeigt, wie Instagram & Co. Teil unserer Lebensgeschichten werden egal ob man 16 ist, 35 oder 70.