Zwei Menschengruppen bilden jeweils eine Hand, die sich einander entgegen strecken
Mit den #ConnectingMinds-Förderungen unterstützt der FWF dank Mitteln des Fonds Zukunft Österreich weitere transdisziplinäre Teams, die wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiswissen verbinden. © Shutterstock

Wie können wir nachhaltige Materialien entwickeln? Was lässt sich von den Netzwerken und der Widerstandsfähigkeit von Pilzen für das menschliche Zusammenleben lernen? Und wie kann Klimaanpassung so gestaltet werden, dass sie allen Menschen gleichermaßen zugutekommt? Diesen Fragen gehen zwei neue #ConnectingMinds-Projekte nach, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrung von Anfang an zusammenfließen lassen. Genau diesen Ansatz verfolgt dieses FWF-Förderprogramm: Forschende und Praxisakteur:innen erarbeiten die Fragestellungen gemeinsam und verbinden wissenschaftliche Exzellenz mit Erfahrungen aus der Praxis. So entstehen neue Perspektiven auf komplexe gesellschaftliche Fragen und innovative Lösungsansätze mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Ein besonderes Merkmal des Programms ist die Vollfinanzierung durch den FWF. Sie ermöglicht allen Beteiligten, ohne Kofinanzierung neue Ideen frei und erkenntnisgeleitet zu verfolgen. Im Mittelpunkt stehen die gemeinsame Bearbeitung komplexer Herausforderungen, kollektives Lernen und die Entwicklung von Wissen, das wissenschaftlich fundiert und zugleich gesellschaftlich wirksam ist.

Zwei Teams konnten sich in der dritten Ausschreibungsrunde in einem mehrstufigen Auswahlverfahren durchsetzen und die internationale Jury überzeugen. Sie werden jetzt mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Fonds Zukunft Österreich gefördert. Insgesamt beteiligten sich 18 Teams an der dritten Ausschreibungsrunde.

Die zwei neu geförderten Projekte im Überblick

BFUNGI: Wie Pilze den Weg in eine nachhaltige Zukunft weisen

Gruppenbild des Teams von "BFUNGI" auf Stufen stehend und sitzend
Im offenen Pilzlabor entwickelt das Team neue Materialien und Formate des Wissensaustausches. Von hinten nach vorne und links nach rechts: Caroline Thurner (Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie), Florian Sametinger (Kunstuniversität Linz), Hannes Hohensinner (Höhere landeswirtschaftliche Bundeslehranstalt St. Florian), Jitka Effenberger (Johannes Kepler Universität Linz), Robert Koeppe (sendance electronics), Wolfgang Hinterdobler (MyPilz), Nikolaus Gansterer (Kunstuniversität Linz), Ines Omann (Prozessbegleitung), Otto Stoik (Mykologische Arbeitsgemeinschaft Linz), Johannes Brossmann (Prozessbegleitung), Flavia Matei (Kunstuniversität Linz), Christl Baur (Ars Electronica), Walpurga Weiß (Forum Umweltbildung), Sieglinde Viehböck (Projektassistenz), Martin Kaltenbrunner (Johannes Kepler Universität Linz; Bildmontage), Elke Kastner (Klimabündnis Österreich), Hubert Stöglehner (Mykologische Arbeitsgemeinschaft Linz), Sarah Kolb (Kunstuniversität Linz), Jutta Strohmaier (Kunstuniversität Linz), Josef Steininger (MyBkologische Arbeitsgemeinschaft Linz), Romana Brandstätter (Österreichische Mykologische Gesellschaft). © Co.Lab Mycelial Space

Pilze könnten zu den wichtigsten Verbündeten einer nachhaltigen Zukunft werden. Das #ConnectingMinds-Projekt „BFUNGI“ untersucht, wie sich das Myzel – das weitverzweigte unterirdische Netzwerk von Pilzen – als Basis für biobasierte Materialien, zirkuläre Produktionsweisen und neue Formen des gemeinsamen Lernens nutzen lässt. Ziel ist es, wissenschaftliche Forschung, künstlerische Praxis und gesellschaftliches Engagement zusammenzuführen, um innovative Lösungen für die ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu entwickeln.

„Das Programm #ConnectingMinds eröffnet uns die Möglichkeit, gemeinsam mit Akteur:innen aus der Praxis neue Wege für eine sozialökologische Transformation zu erschließen. Ausgehend von unseren Forschungen zu Myzel als Material und Methode verbinden wir wissenschaftliches und gesellschaftliches Wissen durch künstlerische und experimentelle Zugänge. Wir sind überzeugt, dass nachhaltige Lösungen gemeinsame Lernprozesse und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe voraussetzen“, sagt Projektkoordinatorin Sarah Kolb von der Kunstuniversität Linz.

Im Zentrum des inter- und transdisziplinären Projekts steht ein offenes Pilzlabor, das Wissenschaft, Kunst, Design und Bildung miteinander verbindet. Hier werden biobasierte Materialien auf Myzelbasis entwickelt, zirkuläre Produktionsprozesse erforscht und neue Formate für Wissensaustausch und gemeinsames Experimentieren erprobt. Forschungsergebnisse werden dabei nicht nur im Labor gewonnen, sondern im Dialog mit Praxisakteur:innen und der Öffentlichkeit weiterentwickelt.

BFUNGI gliedert sich in vier Forschungsfelder: regenerative Architektur, Materialwirtschaft, Kunst & Bildung sowie Designforschung. Die enge Verzahnung dieser Bereiche soll neue Perspektiven auf nachhaltiges Bauen, ressourcenschonende Materialien und resiliente Lebensräume eröffnen.

Dabei versteht das Projekt Pilze nicht nur als biologische Ressource, sondern auch als Modell für vernetztes Denken und kooperative Prozesse. So wird das Myzel zum Ausgangspunkt für neue Ansätze einer sozialökologischen Transformation, bei der Forschung, Kreativität und gesellschaftliche Teilhabe Hand in Hand gehen.

Building(s) Tomorrow(s) with Fungi (BFUNGI)

Koordination

Sarah Kolb, Kunstuniversität Linz

Konsortiumsmitglieder und Partnerforschungsstätten

Jutta Strohmaier, Florian Sametinger (beide Kunstuniversität Linz), Martin Kaltenbrunner (Johannes Kepler Universität Linz)

Praxisakteur:innen

Forum Umweltbildung, Klimabündnis Österreich, Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie, MyPilz & Wiener Pilzfestspiele, sendance permeable electronis, Österreichische Mykologische Gesellschaft, Mykologische Arbeitsgemeinschaft am Biologiezentrum Linz, Ars Electronica und die Höhere landwirtschaftliche Bundeslehranstalt St. Florian

Bewilligungssumme

1,3 Millionen Euro

Projektlaufzeit

5 Jahre

ADJUST – für eine gerechte und nachhaltige Klimaanpassung

Die Teammitglieder von "ADJUST" stehend im Schatten eines kleinen Baumes vor einem Brunnen
Das Team von Adjust möchte einen neuen Gerechtigkeitsrahmen für die Klimaanpassung in Österreich entwickeln. V. l. n. r.: Krzysztof Janowicz, Meike Levin-Keitel (beide Universität Wien), Antonia Steiner, Peter Kühnberger (beide DIALOGPLUS) und Patrick Sakdapolrak (Universität Wien). © Luiza Puiu

Hochwasserschutz, Hitzemaßnahmen oder neue Raumplanungskonzepte sollen Gemeinden widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen. Doch was einer Region hilft, kann für andere Nachteile mit sich bringen. Gleichzeitig setzen Planer:innen zunehmend auf datenbasierte Analysen und Künstliche Intelligenz – obwohl bekannt ist, dass KI-Systeme gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken können.

Das #ConnectingMinds-Projekt „ADJUST“ geht deshalb einer zentralen Frage nach: Wie kann Klimaanpassung gerecht gestaltet werden, wenn KI zunehmend Planung, Beteiligung und politische Entscheidungsprozesse mitprägt?

Dafür bringt ADJUST Forschende aus Raumplanung, Bevölkerungsforschung und raumbezogener KI (GeoAI) mit Praktiker:innen zusammen. Gemeinsam untersuchen sie, wie demografischer Wandel, regionale Unterschiede und mögliche Verzerrungen in Daten und KI-Agenten Anpassungsentscheidungen beeinflussen. Konkret untersucht das Projekt, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen von Hitze betroffen sind, welche Anpassungsmöglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen und wie KI-gestützte Modelle diese Unterschiede fairer berücksichtigen können.

„ADJUST ist nicht nur ein Projekt zur gerechten und nachhaltigen Klimaanpassung, sondern leistet auch Grundlagenforschung zu raumbezogener KI. Konkret verbindet ADJUST KI-Forschung mit Raumplanung sowie Bevölkerungs- und Migrationsforschung. Gemeinsam mit unseren Praxisakteur:innen untersuchen wir, wie KI Orte und Bevölkerungsgruppen sowie deren lokale und translokale Perspektiven repräsentiert und wie sie unterschiedliche regionale Lebensrealitäten besser abbilden kann, statt bestehende Ungleichheiten weiter zu zementieren“, erläutert Krzysztof Janowicz, Projektkoordinator und Mitglied des „Data Science“-Netzwerks der Universität Wien.

Ziel ist die Entwicklung eines neuen Gerechtigkeitsrahmens für die Klimaanpassung in Österreich. Damit sollen Entscheidungsträger:innen dabei unterstützt werden, Maßnahmen zu entwickeln, die nicht nur klimaresilient, sondern auch gesellschaftlich akzeptiert, fair und verantwortungsvoll im Umgang mit KI sind.

Adaptation for Just and Sustainable Transitions (ADJUST)

Koordination

Krzysztof Janowicz, Universität Wien

Konsortiumsmitglieder und Partnerforschungsstätten

Meike Levin-Keitel, Patrick Sakdapolrak (beide Universität Wien)

Praxisakteur:innen

DIALOGPLUS, Stadt-Umland-Management (SUM) Vienna, Planning Office Modul 5

Bewilligungssumme

1,2 Millionen Euro

Projektlaufzeit

5 Jahre

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