Francesca Ferlaino sitzend auf einer Bühne vor blauem Vorhang
Österreichs neue Wissenschaftlerin des Jahres: Der FWF gratuliert der Quantenphysikerin Francesca Ferlaino. © FWF/Luiza Puiu

„Grundlagenforschung ist der Motor unserer Zukunft: Wissen ist ein gemeinsames Gut, das generationenübergreifend kollektiv entsteht, und sein wahrer Wert liegt nicht nur in seiner heutigen Anwendbarkeit, sondern in den Möglichkeiten, die es morgen eröffnen kann“, sagte Francesca Ferlaino bei der Preisverleihung am 7. Jänner. Wissenschaft bedeutet in ihren Augen nicht nur Entdeckung, sondern auch Verantwortung: „Unsere Aufgabe als Wissenschafterinnen und Wissenschafter ist es, Wissen mit wissenschaftlicher Strenge und Neugier zu verfolgen und es ehrlich zu vermitteln – ohne Vereinfachung oder Überhöhung“.

„Wir gratulieren Francesca Ferlaino im Namen des FWF sehr herzlich zur Auszeichnung“, so FWF-Präsident Christof Gattringer und Vizepräsidentin Ursula Jakubek. „Sie ist nicht nur eine exzellente Wissenschaftlerin, sondern auch eine überzeugende Botschafterin für Forschung und Innovation. Ihr Karriereweg ist ein Paradebeispiel für die Wirkung von FWF-Förderungen, wenn es darum geht, Forschenden von Beginn an die finanziellen Möglichkeiten zu geben, vielversprechende Ideen hier in Österreich umzusetzen.“

Pionierin der Quantenphysik 

Francesca Ferlaino studierte Physik in Neapel und promovierte an der Universität Florenz. Sie wechselte 2006 mit einer Lise-Meitner-Karriereförderung des FWF nach Österreich und baute an der Universität Innsbruck ihre eigene Forschungsgruppe auf. Heute ist Ferlaino Professorin am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und wissenschaftliche Direktorin am Innsbrucker Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Sie zählt zu den renommiertesten Wissenschaftler:innen auf dem Gebiet der Quantenphysik. Ihr Schwerpunkt liegt bei der Erforschung von Quantengasen bei ultrakalten Temperaturen, wenige Nanokelvin über dem absoluten Nullpunkt. Ihr gelang als eine der ersten im Labor die Beobachtung eines supersoliden Zustands – eines neuartigen Quantenzustands, der zugleich fest geordnet ist und ohne Reibung fließt

Von einer Lise-Meitner-Karriereförderung bis zum Exzellenzcluster 

Ihre erfolgreiche Karriere als Forscherin veranschaulicht die langfristige Wirkung von FWF-Förderungen. Aufgrund ihrer exzellenten und innovativen Forschungsarbeiten konnte der FWF den wissenschaftlichen Werdegang von Francesca Ferlaino von Beginn an unterstützen. Nach der Lise-Meitner-Förderung am Karrierebeginn zeichnete der FWF 2009 ihre Arbeiten mit einem hochdotierten FWF-START-Preis aus, vier weitere FWF-Projektförderungen folgten. Insgesamt förderte der FWF die wissenschaftlichen Arbeiten von Francesca Ferlaino in den letzten 20 Jahren mit rund 2,5 Millionen Euro. Seit zwei Jahren ist sie darüber hinaus im Board of Directors des Exzellenzclusters „Quantum Science Austria“ beteiligt und jüngst wurde ein neuer, über die nächsten vier Jahre mit 4 Millionen Euro ausgestatteter Spezialforschungsbereich zu Quantensystemen von neutralen Atomen vom FWF bewilligt – ebenfalls mit ihrer Gruppe an Bord. Im Laufe ihrer Karriere erhielt sie auch drei ERC-Grants und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Ferlaino ist Mitglied der ÖAW und engagiert sie sich in dem von ihr gegründeten Netzwerk atom*innen für Frauen in der Physik.

Stellenwert der Wissenschaft heben 

Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen verleiht die Auszeichnung „Wissenschafterin bzw. Wissenschafter des Jahres“ seit 1994. Die Ehrung geht zum heuer 32. Mal an Forschende, die sich neben exzellenter Forschung auch um die anschauliche Vermittlung von wissenschaftlich fundierten Fakten verdient machen. Alljährlich nominieren die Mitglieder des Klubs Kandidatinnen und Kandidaten für die Auszeichnung. Aus dieser hochkarätigen Vorschlagsliste wählen sie dann im zweiten Schritt den oder die Preisträger:in.

 „Die Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen an ein breites Publikum erleichtert es Bürgerinnen und Bürgern, Fakten von Meinung zu trennen und informierte Entscheidungen zu treffen“, betonen Eva Stanzl, Vorsitzende des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen, sowie ihr Stellvertreter und Wahlleiter, Martin Kugler. In dieser Hinsicht verstehen sich Forscher:innen und Wissenschaftsjournalist:innen als „Komplizen“ bei der Vermittlung der großen Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung – wie zuletzt auch die aktuellen Wirtschafts-Nobelpreisträger Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howit herausgearbeitet haben.

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