Anlässlich der Auszeichnungsfeier geben in den Karriereprogrammen ESPRIT und ASTRA geförderte Forscherinnen Einblicke in ihre Karrierewege. Das Video steht hier und in den Social-Media-Kanälen des FWF zur Verfügung.
Spitzenforschung von Frauen – sichtbar, gefördert und ausgezeichnet
Der FWF unterstützt derzeit österreichweit rund 2.300 Wissenschaftlerinnen und leistet damit einen substanziellen Beitrag zur Karriereentwicklung von Frauen in Forschung und Wissenschaft. Unter ihnen befinden sich 43 neue Projektleiterinnen in der Postdoc-Phase, die 2025 im Rahmen des Karriereprogramms ESPRIT eine Förderung einwerben konnten.
Am vergangenen Dienstag kamen die neu geförderten ESPRIT-Projektleiterinnen in Wien zusammen, um ihre Auszeichnungen von Barbara Weitgruber, Leiterin der Sektion „Wissenschaftliche Forschung und Internationale Angelegenheiten“ im BMFWF, FWF-Präsident Christof Gattringer und Vizepräsidentin Ursula Jakubek entgegenzunehmen und sich zu vernetzen.
„Unser Ansatz ist klar: Wir ändern die Strukturen und nicht die Frauen. Eine wissenschaftliche Karriere darf kein Entweder-oder zwischen Forschung und Familie sein. Wissenschaft und Elternschaft müssen selbstverständlich zusammengehen. Genau deshalb freue ich mich besonders, 43 herausragenden Forscherinnen zur ESPRIT-Förderung gratulieren zu dürfen. Der FWF zeigt mit Programmen wie ESPRIT, wie gezielte Unterstützung Exzellenz sichtbar macht und Frauen in der Spitzenforschung nachhaltig stärkt“, gratuliert Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner den ausgezeichneten Forscherinnen.
„Die Karrieren von Frauen in der Spitzenforschung zu fördern, ist dem FWF seit vielen Jahren ein zentrales Anliegen. Unser Ziel ist es, weiter strukturelle Hürden abzubauen, damit sich Wissenschaftlerinnen aufgrund ihrer Exzellenz etablieren können. Dafür braucht es die Zusammenarbeit aller Forschungsinstitutionen – insbesondere um zusätzliche Positionen für junge Wissenschaftlerinnen zu schaffen, die erfolgreich Drittmittel einwerben können“, so FWF-Präsident Christof Gattringer und Vizepräsidentin Ursula Jakubek.
Perspektiven für mehr Gleichberechtigung in der Wissenschaft
Im Anschluss an die Verleihung diskutierten vier Forscherinnen im Rahmen eines Bühnentalks ihre Einschätzungen zur Chancengleichheit im Wissenschaftssystem und brachten auch eigene Erfahrungen ein: Virginia Busetto (Universität Wien), Kim Chae-Lin (mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), Agnieszka Sidorowicz (Technische Universität Wien) und Verena Pfanzagl (BOKU University, Vorstandsteam des Elise-Richter-Netzwerks). Fragen der Sichtbarkeit, strukturelle Barrieren wie die „Leaky Pipeline“ sowie Ansätze zur weiteren Förderung von Gleichstellung standen im Mittelpunkt des Abends. Mit der Veranstaltung stärkt der FWF nachhaltig die Vernetzung exzellenter Wissenschaftlerinnen in Österreich. Die jährliche Auszeichnung mit anschließendem Networking ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets zur Förderung und Sichtbarmachung von Frauen in der Spitzenforschung.
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Video: Frauen in der Spitzenforschung
Gleichstellung und Diversität als Qualitätsprinzip der Forschungsförderung
Der Internationale Frauentag erinnert jährlich daran, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft noch immer ein entferntes Ziel ist, dessen Erreichen kontinuierliche Analyse, Anpassung und institutionelle Verantwortung erfordert. Trotz einiger Fortschritte sind Wissenschaftlerinnen in Leitungsfunktionen und bei hochdotierten Förderungen weiterhin unterrepräsentiert. Strukturelle Faktoren wie ungleich verteilte Sorgearbeit, Diskriminierung, aber auch institutionelle Faktoren und Rollenstereotype sowie unbewusste Vorurteile wirken sich nach wie vor auf die Karrierechancen von Wissenschaftlerinnen aus.
Die Forschungsförderung entscheidet darüber, wer Ressourcen erhält, wer Forschungsschwerpunkte setzen kann und wer Sichtbarkeit gewinnt. Förderinstitutionen prägen somit nicht nur Karrieren, sondern auch Themen, Methoden und Erkenntnisse. Sie tragen daher eine besondere Verantwortung, faire Rahmenbedingungen für den Zugang zu Forschungsförderungen zu schaffen.
Der FWF verfolgt das Ziel der Gleichstellung durch institutionelle Verankerung:
- Eine eigene Stabsstelle für Chancengleichheit, inklusive eigenem Gleichstellungsplan, setzt auf:
- langfristiges Monitoring geschlechtsspezifischer Daten im Hinblick auf Antragstellung und Bewilligung,
- regelmäßige Sensibilisierungstrainings für Gremien und Mitarbeitende.
- Als Unterzeichner der „San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA)“ setzt sich der FWF zudem für eine differenzierte Leistungsbewertung jenseits rein zeitschriftenbasierter Metriken ein.
- In der Antragstellung werden bestimmte Lebensumstände und Karriereunterbrechungen, etwa durch Elternkarenz oder Pflegeverpflichtungen, berücksichtigt.
- Karriereprogramme wie ESPRIT und FWF-ASTRA-Preise sehen eine Beteiligung von 50 Prozent Projektleiterinnen vor.
- In kooperativen Programmen wie zum Beispiel Spezialforschungsgruppen oder doc.funds wird eine ausgeglichene Beteiligung in der Teamzusammensetzung angestrebt. Außerdem können Mittel für Gleichstellungsmaßnahmen beantragt werden.
Mit den beschriebenen Maßnahmen stärkt der FWF eine Forschungskultur, die Teilhabe und Vielfalt als Voraussetzung für wissenschaftliche Exzellenz versteht – und leistet damit einen wesentlichen Beitrag für ein innovatives Wissenschaftssystem.