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Keramikproduktion in der Ebene von Paestum

Ceramic production in the plain of Paestum

Alberto De Bonis (ORCID: 0000-0002-8088-9481)
  • Grant-DOI 10.55776/M1918
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.09.2016
  • Projektende 14.09.2018
  • Bewilligungssumme 159.620 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (25%); Geowissenschaften (50%); Geschichte, Archäologie (25%)

Keywords

    Plain of Paestum, Pottery production, Clayey raw materials, Mineralogy, Petrography, Archaeometry

Abstract Endbericht

Ziel des Projekts ist die archäometrische Untersuchung der Keramikproduktion in der Ebene von Paestum von der archaichen Zeit bis zur römischen Eroberung. Das Gebiet stellt eine der wichtigsten archäologischen Regionen in Süditalien dar und umfasst Etrusko-italische Orte wie Pontecagnano und Fratte im Norden sowie griechische Städte wie Poseidonia/Paestum im Süden. Das Studium der materiellen Kultur, vor allem der Keramik, dieser Siedlungen erlaubt wichtige Einblicke in die interkulturellen und sozio- ökonomischen Strukturen dieser Region, da es dadurch möglich wird, den Umlauf von Produkten und damit Handel und kulturelle Kontakte in der Gegend zu verfolgen. Da Produktionszentren von Keramik nur in seltenen Fällen mit archäologischen Methoden, wie etwa der Formtypologie, identifiziert werden können, wird ein interdisziplinärer Zugang angestrebt, der petrographische, mineralogische und physikalische Analysen einschließt um die jeweiligen Produktionen zu lokalisieren und ihre Besonderheiten zu charakterisieren. Nur durch dieses Wechselspiel zwischen archäologischen und archäometrischen Methoden können wichtige Informationen zu Handel, Austausch und Technologien erlangt werden. Im Laufe des Projekts werden mehr als 300 Keramikproben aus dem großen Zentren Paestum, Pontecagnano und Fratte sowie von kleineren Orten und Heiligtümern im Territorium von Paestum ausgewählt und durch petrographisch-mineralogische sowie physikalische Methoden untersucht werden, um die jeweilige lokale Produktion durch den Vergleich der Zusammensetzung der Keramik mit den geologischen Charakteristika der Region zu klären. Außerdem wird die Analyse von Produktionsanzeigern wie Fehlbränden wichtige Hinweise liefern. Weiters ist die Durchführung eines geologischen Surveys geplant, um mögliche Tonresourcen zu finden, deren Analyse weitere Erkenntnisse zur Herkunft der Keramik und der Technologie dieser Produktionsstätten liefern kann. Das Projekt wird am Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien angesiedelt sein, während die Analysen am Institut für Angewandte Geologie der Universität für Bodenkultur durchgeführt werden. Die Anwendung von archäometrischen Methoden, welche für die österreichische Keramikforschung innovativ sind, stellt ein wichtiges Element für die Weiterentwicklung der Keramikforschung dar. Das Projekt sieht die Verbreitung der Ergebnisse durch Publikation in internationalen Zeitschriften sowie bei workshops und Konferenzen vor. Die gewonnenen Daten werden in der in Wien geschaffenen Datenband FACEM gespeichert werden, die eine Open-access Plattform darstellt, auf der die Herkunft von Keramik im zentralen MIttelmeerraum publiziert und diskutiert wird.

Das Lise-Meitner Projekt Keramikproduktion in der Ebene von Paestum hatte die Erforschung der Keramikproduktion in einer der wichtigsten archäologischen Regionen im Mittelmeerraum von der archaischen Zeit bis zur römischen Eroberung zur Aufgabe. Das in der Ebene des Sele- Flusses gelegene Gebiet war durch intensiven interkulturellen und sozio-ökonomischen Austausch zwischen der griechischen Kolonie von Poseidonia/Paestum im Süden und den Etruskisch-Italischen Siedlungen von Pontecagnano und Fratte im Norden gekennzeichnet. Um unsere trotz der Bedeutung der Region sehr beschränkten Kenntnisse zur Keramikproduktion zu erweitern wurde ein interdisziplinärer Ansatz zwischen Geologie und Archäologie gewählt, an dem österreichische und italienische Forschungsinstitutionen beteiligt waren. Insgesamt wurden mehr als 370 Proben von verschiedenen Keramikgattungen, wie Glanztonware, Küchen-und Gebrauchskeramik, Terrakottastatuetten und Miniaturgefäße aus den großen städtischen Zentren und aus verschiedenen Kultplätzen des Gebiets mit mineralogisch-petrographischen Methoden untersucht und dabei sowohl technologische Merkmale als auch die Herkunft der Keramik analysiert. Ausgangsbasis waren lokal anstehende, als Rohmaterial in Frage kommende Tone sowie Produktionsindikatoren, wie etwa Fehlbränden oder Abstandhaltern, durch welche die Grundlagen der lokalen Produktion definiert werden konnten. Parallel dazu erfolgte auch die für die archäologische Bearbeitung wichtige makroskopische Beschreibung der Scherben nach den Standards der an der Universität Wien entwickelten Datenbank FACEM (www.facem.at). Damit konnten wir zwei Rohstoffgruppen aus dem nördlichen (Pontecagnano und Fratte) sowie dem südlichen Sektor (Paestum) der Sele-Ebene unterscheiden, die sich auch in der jeweils lokalen Keramikprodukte widerspiegelten. Es deutete sich außerdem ein verstärkter Export von Keramikprodukten aus Poseidonia in die etruskischen Siedlungen im Norden des Sele an. Insgesamt konnte damit die bisher an der Universität Wien nur eingeschränkt durchgeführte Anwendung von mineralogisch-petrographischen Methoden für die Untersuchung antiker Keramik auf eine breitere Basis gestellt werden, wozu auch die gute Kooperation mit den Kollegen der Wiener Laboratorien beigetragen hat. Als außerordentlich hilfreich für die erfolgreiche Durchführung des Projekts hat sich außerdem die Zusammenarbeit mit dem archäologischen Park von Paestum und dem Archäologischen Museum von Pontecagnano sowie der lokalen Bevölkerung erwiesen, die wichtige Hinweise auf die Rohmaterialquellen gaben. Dies hatte positive Auswirkungen auf die kulturelle Identität der lokalen Bevölkerung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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