Individualgeschichte ostafrikanischer Musiker-Komponisten - Teil II
Individual Histories of East African Musician-Composers - Part II
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Kunstwissenschaften (60%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
- Individual histories,
- East-African musician-composers,
- Notational Systems,
- Work Chronology,
- Compositional Techniques,
- Instrumental Techniques
Im Laufe der seit 10. Juli 2011 (Projektbeginn P 23834-G15) durchgeführten biographisch orientierten Leben-und- Werk Dokumentationen von bis jetzt 46 Musiker/Komponisten in Ost/Südostafrika, stellte sich heraus, dass viele dieser Künstler eigentlich "kulturelle Dissidenten " sind, Auswanderer aus der herkömmlichen kulturellen Landschaft ihrer Gemeinschaften, und dass sie sich gerade mittels ihrer Kunst einen Ausbruch erkämpft haben. Durch ihre Außergewöhnlichkeit wenn sie anderswo Anerkennung findet werden sie letzthin dann auch in ihren Herkunfts-Gemeinschaften anerkannt. Mittels ethnisch konzipierter "kultureller Identität" sind sie nicht beschreibbar. Hier drängte sich die Frage nach den Inspirationsquellen im Werden dieser Künstler auf. Anregungen kamen in vielen Fällen durch Reisen und Schulungen in anderen Gebieten, auch anderen Ländern, einschließlich Arbeits- Migration, neben den "virtuellen" Anregungen über Schallplatten, Rundfunk etc. Bei einigen spielte intra-familiäre Identifikation eine Rolle, nicht selten mit einem Verstorbenen, der dies wünschte; auch Trans-Gender- Identifikation kommt vor, zum Beispiel eines Mädchens mit der Musik ihres Vaters. Auch dies sind Formen "kultureller Dissidenz", da sie lokalen Erwartungsschemen widersprechen. Wir entdeckten, dass sich die prinzipiellen Inspirationsquellen und Identifizierungen mit Vorbildern im Werdegang der von uns untersuchten Künstler als N e t z w e r k beschreiben lassen. Unser Ansuchen zielt auf die systematische Erfassung solcher Netzwerke ab. Wir wollen spezfische Rekonstruktionen der frühen Kontakte unserer Künstler durchführen, manchmal durch Reisen mit ihnen oder ihren Verwandten an die entsprechenden Orte, manchmal zu Personen mit entsprechendem Nachlaß, ebenso durch Sammeln medialer Objekte bzw. Artefakte, wie 78 r.p.m Schallplatten, Kassetten etc. Die Erfassung solcher Inspirations-Quellen eröffnet ganz neue Bereiche der Individual-Geschichte der Musiker/Komponisten Ost-und Südostafrikas im Wandel innovativer Strömungen aller Zeiten.
Geleitet von der Idee, die individuelle Persönlichkeit afrikanischer Musiker/Komponisten in den Brennpunkt unserer Studien zu stellen und kreativitäts-stimulierende Faktoren im Leben der Künstler herauszuarbeiten, entwickelten wir einen weitgehend interdisziplinären Ansatz. Unser Team mit Hintergrund in Kulturanthropologie, Ethnomusikologie, Linguistik etc., arbeitete unter Beteiligung von Musiker-Komponisten aus den Forschungsländern: Uganda, Tanzania, Malawi und Moçambique. Wir haben bisher die Lebensgeschichten von 63 bedeutenden Künstlern dokumentiert. Sie geben Einblick in Fragen musikalischer Enkulturation und wie Anregungen aus der sozialen Umwelt, den Medien und auch sozialer Druck verarbeitet werden. Einige der von uns dokumentierten Musiker-Persönlichkeiten konnten wir in ihrem Werdegang lange zurückverfolgen. Der blinde Lamellophon-Spieler Waiswa Lubogo und der gleichfalls blinde Gitarrist Faustino Okello in Uganda waren von Gerhard Kubik bereits im Jahre 1962 zum ersten Mal aufgenommen worden; Limited Mfundo, der Zitherspieler in Malawi, von Hugh Tracey 1958. Daraus ergibt sich für manche Komponisten eine Zeitspanne von mehr als einem halben Jahrhundert, um persönliche Entwicklung und stilistische Veränderungen in der Lebensspanne rekonstruktiv abzuschätzen. Die Wiederbegegnung zwischen Faustino Okello und Gerhard Kubik am 18. Dezember 2013 in Faustino's Siedlung bei Pader, im Norden von Uganda, nach 46 Jahren feierten wir als ein besonderes Ereignis. Während unseres Projektes wurden auch stereotype Meinungen umgestossen, etwa hinsichtlich der angeblich untergeordneten Beteiligung von Frauen am afrikanischen Musikschaffen. Seit Moya A. Malamusi's Entdeckung von Selina und Magdalena Jiya, Virtuoso-Xylophonistinnen in Nord-Moçambique, ist das Faktum einer führenden Präsenz von Frauen-Instrumentalisten in manchen Gebieten Afrikas stärker ins Bewußtsein getreten. Manchmal sind Frauen auf besondere Instrumente spezialisiert, wie den mundresonierten Musikstab nkangala in Malawi, bzw. mtyangala in Südwest Tanzania, oder auf Trommelspiel bei Initiationsriten, wie bei den Achewa (Malawi), Wagogo (Tanzania) etc., neben dem breiten Feld als Märchen- Erzählerinnen, Sängerinnen etc. Aber auch an "männlichen" Traditionen wie dem nyanga-Panpfeifentanz im zentralen Moçambique wurde jüngst von Prof. Regine Allgayer Kaufmann im Rahmen dieses Projekts die engagierte Teilnehme von Frauen dokumentiert.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2017
Titel Whose Music is it? Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2016
Titel History of Music and Dance in India, Africa and South-East Asia Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2016
Titel Musik verstehen und erleben mit dem Körper Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2014
Titel Music Tradidtions, change and creativity Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International