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Krisenkommunikation in der COVID-19 Krise

Communicating the COVID-19 Crisis: A Comparative Analysis

Lore Hayek (ORCID: 0000-0002-5370-2183)
  • Grant-DOI 10.55776/P34225
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.10.2021
  • Projektende 31.12.2025
  • Bewilligungs­summe 398.170 €
  • Projekt-Website

Matching Funds - Tirol

Wissenschaftsdisziplinen

Medien- und Kommunikationswissenschaften (70%); Politikwissenschaften (30%)

Keywords

  • Crisis Communication,
  • COVID-19,
  • Comparative Politics,
  • Government Studies,
  • Quantitative Content Analysis
Abstract Zusammenfassung

Selten wurden den Reden von Politikerinnen und Politikern so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie im Frühjahr 2020: Rund um den Globus verfolgten Bürgerinnen und Bürger die live Ansprachen und Pressekonferenzen über die Ausbreitung des Coronavirus und die Maßnahmen zur Eindämmung, die schließlich im März zu einem beinahe weltweiten Lockdown führten. Die im ORF übertragene Pressekonferenz der österreichischen Bundesregierung am 13. März erreichte beispielweise einen Marktanteil von 69 Prozent und ist damit neben Opernball- und Skiübertragungen unter den 10 meistgesehenen Sendungen des Jahres 2020. Die Häufigkeit und globale Verbreitung von diesen live übertragenen Pressekonferenzen bietet eine einmalige Gelegenheit zur vergleichenden Erforschung von Krisenkommunikation. Einerseits geschieht es sehr selten in demokratischen Staaten, dass Regierungen und Staatsoberhäupter so viel live übertragene Sendezeit im Fernsehen zugesprochen bekommen wie zu Beginn der Corona- Pandemie. Andererseits fanden noch nie solche live übertragenen Ansprachen zu einem ähnlichen Thema in einem gleichen Zeitraum in so vielen Staaten der Welt statt. Vor diesem Hintergrund beschäftigen wir uns in diesem Projekt mit zwei zentralen Fragen: 1) Welche Strategien der Krisenkommunikation haben Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder in der ersten Phase der COVID-19 Pandemie verfolgt? 2) Welche Faktoren beeinflussen die Strategien der Krisenkommunikation von Staats- und Regierungschefs? Zur Beantwortung dieser Fragen analysieren wir die Video-Aufzeichnungen von live übertragenen Ansprachen und Pressekonferenzen zwischen Februar und Sommer 2020. Wir werden insgesamt 17 OECD Staaten näher betrachten, von Österreich und Deutschland über Island und Schweden bis Südkorea und Neuseeland. Mit Hilfe von quantitativen und qualitativen Methoden der Sozialwissenschaft werden wir erklären, auf welche Art und Weise, wie häufig und mit welchem Inhalt Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder Pressekonferenzen während der Pandemie durchgeführt haben, und welche Faktoren ihre jeweilige Herangehensweisen beeinflusst haben. Am Ende dieses Projekts werden wir neue Erkenntnisse über die politischen Dimensionen der COVID- 19 Krise aus einer ländervergleichenden Perspektive gewinnen, und einen Beitrag zum besseren Verständnis von politischer Krisenkommunikation leisten können.

Krisenkommunikation in der COVID-19 Krise Der Ausbruch einer Krise zwingt Regierungen nicht nur Maßnahmen zum Schutz des Staates und seiner Bevölkerung zu ergreifen, sondern vor allem auch in mehrere Richtungen und unter Zeitdruck zu kommunizieren: sie müssen die Bevölkerung informieren, dabei Kompetenz im Umgang mit der Krisensituation signalisieren und Vertrauen aufbauen sowie gleichzeitig mit anderen Staaten und Medien interagieren. Dieses Forschungsprojekt hat systematisch untersucht, wie Regierungen in der COVID-19-Pandemie diese Herausforderung bewältigt haben - auf Basis von über 1.100 Pressekonferenzen aus 18 Ländern und drei US-Bundesstaaten im Frühjahr 2020, die als Open-Access-Datensatz bei AUSSDA verfügbar sind. Das zentrale Ergebnis: Politische Krisenkommunikation folgt klaren Mustern und diese Muster sind überraschend ähnlich, egal ob man nach Deutschland, Frankreich, Neuseeland oder Kanada schaut. Regierungen setzen strategisch ein, wer wann spricht: Staatsspitzen treten besonders dann in Erscheinung, wenn weitreichende Entscheidungen getroffen werden - nicht, wenn die Lage im Krankenhaus am schlimmsten ist. Alarmierende Botschaften werden gezielt eingesetzt, am häufigsten, wenn es um das Gesundheitssystem oder öffentliche Verwaltung geht. Schuldzuweisungen an andere Staaten folgen strukturellen Logiken: Nachbarländer und politisch anders ausgerichtete Staaten werden häufiger beschuldigt als entfernte Partner. Und wenn ein Land besonders hart getroffen ist, wird es von anderen Ländern gerne als mahnendes Beispiel herangezogen. Diese Kommunikation entfaltet tatsächlich Wirkung. Sie beeinflusst, welche Themen die Medien aufgreifen, wie die Bevölkerung Risiken wahrnimmt und, zumindest kurzfristig, wie viel Vertrauen sie der Regierung entgegenbringt. Botschaften, die klar und zugänglich formuliert sind, dringen tiefer in die öffentliche Debatte vor als komplexe Formulierungen. Im digitalen Raum, etwa auf Twitter, spiegeln sich einfache Regierungsbotschaften stärker wider als schwer verständliche. Zugleich zeigt das Projekt die Grenzen dieser Wirkung: Krisenkommunikation ist mächtig, aber nicht allmächtig. Die Risikowahrnehmung der Bevölkerung wird durch viele Faktoren geprägt, staatliche Kommunikation ist nur einer davon. Medien behalten trotz Agenda-Setting-Effekten ihren eigenen Ton. Und Länder, die zu Beginn eine klare kommunikative Linie verfolgen, verlieren diese im Verlauf der Krise oft wieder, weil die Krise selbst vielfältiger wird und die anfängliche Einheitlichkeit der Botschaften einer wachsenden Komplexität weicht. Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Forschung zu politischer (Krisen)Kommunikation bedeutsam, sondern auch für die politische Praxis. Sie helfen Regierungen, ihre Kommunikation in künftigen Krisen (ob Pandemie, Klimakatastrophe oder wirtschaftliche Erschütterung) gezielter zu gestalten. Und sie geben der Öffentlichkeit ein Werkzeug in die Hand: ein besseres Verständnis dafür, nach welchen Gesetzmäßigkeiten staatliche Krisenkommunikation funktioniert und wo sie an ihre Grenzen stößt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 9 Zitationen
  • 9 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 1 Disseminationen
Publikationen
  • 2025
    Titel When Crisis Conversations Converge: How Government Messaging and Online Sense-Making Align During Crises
    DOI 10.1002/rhc3.70042
    Typ Journal Article
    Autor Schwaderer C
    Journal Risk, Hazards & Crisis in Public Policy
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Inter-state blaming during crises: the role of non-institutional factors
    DOI 10.1080/13501763.2025.2566998
    Typ Journal Article
    Autor Schwaderer C
    Journal Journal of European Public Policy
    Seiten 1-24
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Whom to Trust in Crises? The Influence of Communicator Characteristics in Governmental Crisis Communication
    DOI 10.17645/mac.10425
    Typ Journal Article
    Autor Schwaderer C
    Journal Media and Communication
  • 2024
    Titel Media Framing of Government Crisis Communication During Covid-19
    DOI 10.17645/mac.7774
    Typ Journal Article
    Autor Hayek L
    Journal Media and Communication
  • 2025
    Titel Mapping rhetorical styles in political crisis communication
    DOI 10.1080/01442872.2025.2546385
    Typ Journal Article
    Autor Senn M
    Journal Policy Studies
    Seiten 1-21
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Who Gets to Speak When the Roof Is on Fire? Leadership in Political Crisis Communication
    DOI 10.1002/rhc3.70012
    Typ Journal Article
    Autor Hayek L
    Journal Risk, Hazards & Crisis in Public Policy
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Political communication as a multivocal practice : how government and public voices interact during crises
    Typ PhD Thesis
    Autor Schwaderer, Christian
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Everyone will know someone who died of Corona: Government threat language during the COVID-19 pandemic
    DOI 10.1111/1475-6765.12676
    Typ Journal Article
    Autor Dingler S
    Journal European Journal of Political Research
    Seiten 53-71
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Political Public Relations in Campaigns and Crises. Negotiating trust between leaders, media, and publics
    Typ Postdoctoral Thesis
    Autor Hayek, Lore
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2024
    Titel Communicating the COVID-19 Crisis: A Comparative Analysis of Crisis Communication by Governments and Heads of State (SUF edition)
    DOI 10.11587/rwhcsf
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
Disseminationen
  • 2021 Link
    Titel Multiple media appearances on the topic of government crisis communication
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link

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