Polarisierung und Mobilisierung unter Unsicherheit
Polarization and Mobilization under Uncertainty
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (75%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
- Abstention,
- Turnout,
- Voting,
- Electoral Competition,
- Subgame Perfect Equilibria
Die politischen Debatten in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen Jahren zunehmend polarisiert. Nach herkömmlicher Auffassung müsste eine stärkere Polarisierung eigentlich mehr Menschen dazu bewegen, wählen zu gehen. Doch die Daten zeigen keinen klaren Anstieg der Wahlbeteiligung; stattdessen schwankt sie von Wahl zu Wahl. Wir gehen davon aus, dass ein Grund hierfür in der sich verändernden Unsicherheit darüber liegt, wer tatsächlich zur Wahl geht und wie sich dies auf das erwartete Ergebnis auswirkt. Dieses Projekt untersucht daher das Zusammenspiel dreier zentraler Elemente von Wahlen die politischen Positionen der Parteien (Polarisierung), die Wahlbeteiligung und die Unsicherheit über den Wahlausgang und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Dazu entwickeln wir ein vereinfachtes Modell der US-Präsidentschaftswahlen, das auf Erkenntnissen aus Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und verhaltensorientierter Wahlforschung beruht. In diesem Modell wählen die Parteien ihre politischen Positionen, und die Wählerinnen und Wähler entscheiden, ob sie ihre Stimme abgeben oder sich enthalten. All diese Entscheidungen werden vor dem Hintergrund einer gewissen Unsicherheit über den tatsächlichen Wahlausgang getroffen. Wahlen sind immer mit Unsicherheit verbunden, etwa durch unvorhersehbare Ereignisse im Wahlkampf oder Unterschiede darin, wie gut die Parteien ihre Anhänger mobilisieren. Wir untersuchen, wie diese Unsicherheit die Anreize der Parteien beeinflusst, extremere Positionen einzunehmen, und wie sie die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an der Wahl verändert. Unser Ansatz ermöglicht es, das Verhältnis zwischen politischen Positionen, Wahlbeteiligung und Unsicherheit abzubilden und zu analysieren, wie Veränderungen in einem dieser Bereiche die anderen beeinflussen. So können wir etwa betrachten, wie steigende Unsicherheit die Wahlbeteiligung beeinflusst oder wie unterschiedliche politische Positionen die Motivation der Wählerschaft formen. Um zu prüfen, wie gut unser Modell die Realität widerspiegelt, schätzen wir es anhand öffentlich zugänglicher Daten vergangener US-Präsidentschaftswahlen. Dieser Validierungsschritt zeigt, ob das Modell die beobachteten Muster von Polarisierung und Wahlbeteiligung über verschiedene Jahre und Bundesstaaten hinweg erklären kann. Nach der Schätzung kann das Modell außerdem genutzt werden, um genauere Prognosen zu erstellen und zu untersuchen, wie empfindlich Wahlergebnisse auf Veränderungen der Unsicherheit oder der Parteistrategien reagieren. Die Ergebnisse sollen verdeutlichen, ob Unsicherheit eher abschreckend auf die Wahlteilnahme wirkt oder unter bestimmten Bedingungen auch mobilisieren kann. Zudem zeigen sie, wie Parteien ihre politischen Positionen anpassen, wenn sie mögliche Reaktionen der Wählerschaft berücksichtigen. Letztlich soll das Projekt eine verständliche Erklärung für die Dynamik von Polarisierung und Wahlbeteiligung liefern und zu einer breiteren Diskussion über Wahlreformen und Transparenz von Informationen beitragen.
- Universität Graz - 100%
- Valeriia Chukaeva, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Scott Gehlbach, University of Chicago - Vereinigte Staaten von Amerika
- Wioletta Dziuda, University of Chicago - Vereinigte Staaten von Amerika