Metallene Idiophone von 800 BC bis 800 AD
Metallic Idiophones between 800 BC and 800 AD
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (60%); Kunstwissenschaften (20%); Psychologie (10%)
Keywords
- Metallurgy,
- Idiophones,
- Psychology,
- Musicarchaeology,
- Acoustic,
- Function
Glocken, Schellen, Klapperbleche und mehrere an Arm- und Bein getragene Reife aus Metall mit ihren verschiedenen Formen, Klängen und Vorkommen üben schon seit einigen Jahren eine große Faszination auf die Musikarchäologin Beate Maria Pomberger aus. In der Literatur wird oft auf die apotropäische-schützende Funktion der Objekte hingewiesen, jedoch steht eine Erklärung definitiv aus. Daher werden in diesem Projekt metallene Idiophone im Herzen Europas von 800 v. Chr. bis 800 n. Chr. erforscht. Es handelt sich dabei um Glocken, Schellen, Klapperbleche und etliche an Arm und Bein getragene Reife, deren Klänge akustische Felder erzeugen und so klangliche Umgebung der Menschen sowie ihre Hörgewohnheiten beeinflussen. Die Objekte stammen aus Gräberfeldern, Siedlungen und Kultorten in der Schweiz, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Wozu dienten sie im täglichen Leben der Menschen und in der Gemeinschaft? Aus welchen Metalllegierungen wurden sie erzeugt? Welche Textilreste können auf ihrer Oberfläche festgestellt werden? In welchen Frequenzbereichen erklingen sie, wie hoch ist ihr maximaler Schallpegel und wie weit sind sie akustisch wahrnehmbar? Verursachen die am Körper getragenen Idiophone einen Wellness-Effekt? Kann ein stress-reduzierende Effekt nachgewiesen werden? Archäologie, Metallurgie, Textilforschung, Akustik, Experimentelle Archäologie, Musikethnologie und angewandte Psychologie sind in diesem Projekt erstmals vereint, in das elf wissenschaftliche Kooperationen sowie dreiundzwanzig Museen und Sammlungen involviert sind. Erstmals werden archäologisch gefundene Klangobjekte nicht nur interpretiert, datiert, auf ihre Verteilung und Töne untersucht, sondern auch die psychoakustischen Parameter ihrer Klänge und ihre Auswirkungen auf die Psyche und Gesundheit der Menschen untersucht! Die Reisen werden ganz im Sinne des Klimaschutzes umweltbewusst mit der Bahn absolviert! Beate Maria Pomberger
Die Studie legte durch die Einbeziehung von Methoden der Psychoakustik, Psychologie, Metallanalysen, Funktion, Visualität, Symbolik und Textilarchäologie eine wichtige Grundlage für weitere Untersuchungen zu archäologischen Idiophonen aus Metall und brachte somit bahnbrechende neuen Ansätze in der Musikarchäologie. Metallener Schmuck aus der Hallstattkultur (Fibeln, Schellen/Bommeln, Ringanhänger, insgesamt 42 analysierte Objekte) gehörte ausschließlich Frauen, der ihren Status anzeigte und zu ihrem visuellen und akustischen Erscheinungsbild beitrug. Die Objekte sind aus Bronze gegossen und haben einen Frequenzbereich von 0,6-20 kHz mit Schalldruckpegeln von 49 dB-88 dB. Ihr Klang wird als scharf, mehr oder weniger tonal wahrgenommen, reicht von dunkel bis hell und ist Teil einer dramatischen Inszenierung. Ringanhänger sind Symbole der Macht, der Unendlichkeit und des Lebenszyklus; Schellen/Bommeln imitieren Gefäßfrüchte, symbolisieren Fruchtbarkeit, Reichtum, apotropäische Magie und ewiges Leben. 220 römische Glocken aus fünf Siedlungen und Militärlagern wurden untersucht. Sie wurden in Häusern, Straßen, Kasernen, Depots, Höfen, Tempeln und Gräbern gefunden und spielten eine wichtige Rolle im täglichen Leben. 70 antike literarische und ikonographische Quellen bezeugen die Funktion der Glocken. Sie können in 14 verschiedene Arten unterteilt werden. Wir unterscheiden aus Eisen geschmiedete Glocken und in sechs Kupferlegierungen gegossene. Ihre Frequenzen reichen von 1-20 kHz, der Schalldruckpegel liegt bei 58-84 dB. Glocken sind klangvoll, scharf und hell. Sie waren die meistgehörten "Musikinstrumente" in der römischen Klangwelt und dienten als profane und rituelle Signalinstrumente, als Apotropaika und Statusobjekt. Ärmere Menschen besaßen Glocken aus weniger wertvollen Materialien, um ihr Prestige zu steigern. Obwohl viele Funktionen von Glocken bekannt sind, lassen sich viele Glocken nicht einer bestimmten Funktion zuordnen. 241 awarische Schellen aus 50 Friedhöfen wurden untersucht. Sie kommen in 1 % aller Bestattungen vor. Vor allem Kinder, in geringerer Anzahl, gefolgt von Pferden, Frauen und Männern hatten Schellen. Sie waren an Gürteln, Halsketten, Armbändern und Pferdegeschirren befestigt. Man kann zwischen acht verschiedene Typen und 11 Verzierungsmuster unterscheiden. Schellen wurden aus Eisenblech und vier verschiedenen Kupferlegierungen hergestellt. Runde Steinchen, Bronzekugeln und Schlackestückchen dienten als Rasselkörper. Die Frequenzbereiche der Schellen reichen von 1,3-20 kHz mit Schalldruckpegeln von 55-85 dB. Sie sind hell, nicht rau und weisen mehr Geräusch- als tonale Komponenten auf. Fragmente mineralisierter Textilien, menschlicher Haut und Pferdehaaren wurden auf einigen festgestellt. Schellen dienten als apotropäische Amulette. Auf Pferdegeschirr sind sie Schmuck und Statussymbol. Prinzipiell werden Originalstücke als angenehmer und stumpfer bewertet, Nachbildungen dagegen als schärfer, aktivierender und fröhlicher. Korrosion dämpft und verändert den Klang. Glocken aus Eisenpellets werden als aktivierender eingestuft als solche aus Kupfer und Bronze. Die Form hat einen größeren Einfluss auf den Klang als die Legierung. Glocken und Schellen waren weltweit wichtige Bestandteile von Kleidung und Inszenierung.
Research Output
- 3 Zitationen
- 2 Publikationen
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2023
Titel Roman bells and Avar pellet bells cast in copper alloys : the materials' influence on acoustic and psychoacoustic DOI 10.5817/sab2023-2-5 Typ Journal Article Autor Mühlhans J Journal Studia archaeologica Brunensia Seiten 145-174 Link Publikation -
2022
Titel Avar pellet bells from different sheet metals : finds, experimental forging and acoustics DOI 10.5817/sab2022-1-5 Typ Journal Article Autor Mühlhans J Journal Studia archaeologica Brunensia Seiten 119-141 Link Publikation