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Die Kunst des Ankommens

The Art of Arriving: Reframing ‘Refugee Integration’

Michael Parzer (ORCID: 0000-0002-5312-8361)
  • Grant-DOI 10.55776/TAI154
  • Förderprogramm 1000 Ideen
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2021
  • Projektende 31.03.2024
  • Bewilligungssumme 142.853 €

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    Sociology, Migration, Integration, Refugees, Art

Abstract Endbericht

Migration und Integration sind nicht nur Gegenstand der soziologischen Forschung, sondern auch ein zentrales Thema künstlerischer Praxis. Häufig werden dadurch etablierte Perspektiven auf (erzwungene) Migration herausgefordert, neue Formen der Repräsentation jenseits ethnischer Zuschreibung entworfen oder Bilder alternativer sozialer Wirklichkeiten (und Utopien) bereitgestellt. Das transformative Potenzial der Kunst für die Soziologie der Migration und Integration auszuloten, ist das zentrale Ziel des transdisziplinären Forschungsprojekts Die Kunst des Ankommens: Flüchtlingsintegration umdeuten. Dies geschieht vor allem durch die Einrichtung eines so genannten Real-World-Laboratoriums, in dem Künstler*innen bei der Erschaffung von Kunstwerken und Rezipient*innen bei der Interpretation dieser ästhetischen Ausdrucksweisen von Soziolog*innen begleitet werden. Es wird eine Gelegenheit der Kooperation geschaffen, in dem Wissenschaftler*innen und Nicht-Wissenschaftler*innen miteinander forschen, experimentieren und voneinander lernen können. Die zentrale Idee ist, Kulturschaffende aus den Bereichen Musik, bildende Kunst und Fotografie zu beauftragen, ihre Erfahrungen und ihre Wahrnehmung des Ankommens verstanden als länger andauernder Prozess in ästhetische Ausdrucksweisen zu übersetzen. Insgesamt sollen drei Teams rekrutiert werden, die sich aus je einer/m Künstler*in mit unmittelbarer Fluchterfahrung (z.B. Naher und Mittlerer Osten, 20102020), einer/m Künstler*in mit schon länger zurückliegender Fluchterfahrung (z.B. Ex-Jugoslawien, 19902000) sowie einer/m Künstler*in ohne Fluchterfahrung zusammensetzen. In einem weiteren Schritt werden Rezipient*innen eingeladen, die im Zuge des Projektes entstandenen ästhetischen Ausdruckformen in Gruppen zu interpretieren. Es soll untersucht werden, inwiefern die mit der Schaffung und Rezeption von Kunstwerken verbundenen Prozesse der Bedeutungszuschreibung zum Überdenken und zur Weiterentwicklung von Konzepten der Flüchtlingsintegration beitragen können und alternative Sichtweisen auf das Ankommen von Geflüchteten bereitstellen. Dass es neue Ansätze braucht, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass das im 20. Jahrhundert entwickelte soziologische Instrumentarium für das Verständnis von Migration dem permanenten Wandel unserer Gegenwartsgesellschaft nicht gerecht wird. Konzepte wie Assimilation, Akkulturation oder auch Integration haben eingeschränkten analytischen Wert in einer postmigrantischen Gesellschaft, die durch Superdiversität und neue Mehrheit-Minderheit-Relationen geprägt ist. Indem auch die unterschiedlichen Logiken der Wissensproduktion im wissenschaftlichen und künstlerischen Feld sowie die Herausforderungen gegenseitiger Übersetzung zwischen Soziologie und Kunst in den Blick genommen werden, sollen die Chancen sowie die Grenzen dieses transdisziplinären Ansatzes diskutiert werden.

Migration und Integration sind nicht nur Gegenstand der soziologischen Forschung, sondern auch ein zentrales Thema künstlerischer Praxis, die oft etablierte Perspektiven auf (erzwungene) Migration herausfordert, neue Formen der Repräsentation jenseits ethnischer Zuschreibung entwirft oder Bilder alternativer sozialer Wirklichkeiten (und Utopien) bereitstellt. Das zentrale Ziel des transdisziplinären Forschungsprojekts "Die Kunst des Ankommens/The Art of Arriving - Reframing 'Refugee Integration'" bestand darin, das transformative Potenzial der Kunst für die Soziologie der Migration und Integration auszuloten. Dies wurde durch die Einrichtung eines Real-World-Laboratoriums erreicht, in dem Künstler:innen bei der Kreation von Kunstwerken und Rezipient:innen bei der Interpretation dieser Kunstwerke soziologisch begleitet wurden. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem Wissenschaftler:innen und Nicht-Wissenschaftler:innen miteinander forschen, experimentieren und voneinander lernen konnten. In einem ersten Schritt wurden Kulturschaffende aus den Bereichen Musik, Literatur und Fotografie eingeladen, ihre Erfahrungen und ihre Wahrnehmung des Ankommens - verstanden als länger andauernder Prozess - in ästhetische Ausdrucksweisen zu übersetzen. Die Teams bestanden aus Künstler:innen mit unmittelbarer Fluchterfahrung (Syrien), Künstler:innen mit schon länger zurückliegender Fluchterfahrung (Ex-Jugoslawien) sowie Künstler:innen ohne Fluchterfahrung. Das Forschungsteam hat diese Künstler:innenteams begleitet und das gemeinsame Arbeiten beobachtet und dokumentiert. Die im Zuge des Prozesses entstandenen Kunstwerke (Kompositionen, Fotobroschüren und eine Kurzgeschichte) wurden anschließend im Rahmen von insgesamt 23 Gruppendiskussionen mit Rezipient:innen (einige davon mit und einige ohne Fluchterfahrung) interpretiert. Ein Schwerpunkt richtete sich dabei auf kürzlich Vertriebene aus der Ukraine und deren Erfahrungen ihres Ankommens in Österreich. Die Auswertung dieser Interpretationsgespräche erfolgte mittels Methoden rekonstruktiver Sozialforschung. Das durch die enge Verknüpfung mit künstlerischer Praxis charakterisierte Projektdesign erwies sich in mehrfacher Hinsicht als gewinnbringend und führte zu äußerst aufschlussreichen Forschungsergebnissen. Die künstlerische Perspektive war entscheidend, um den soziologischen Blick auf Phänomene des Ankommens zu erweitern und Aspekte zu beleuchten, die durch eine rein soziologische Methodologie möglicherweise unberücksichtigt geblieben wären. Gleichzeitig begünstigte die Einbindung der Kunst Prozesse der Dezentrierung, dazu zählt auch die Distanzierung von der eigenen (soziologischen) Perspektive, die dann selbst reflexiv in den Blick genommen werden kann. Darüber hinaus zeigte sich, dass der Einsatz der im Projekt entstandenen Kunstwerke in Gruppendiskussionen insbesondere Menschen mit Fluchterfahrung dazu befähigte, wesentlich intensiver über ihre eigenen Erlebnisse zu sprechen. Die Projektergebnisse tragen dazu bei, neue Perspektiven auf Fluchtmigration und Integration auch jenseits etablierter Zugänge zu entwickeln und ergänzen methodologische Überlegungen zur Umsetzung von Reflexivität in der aktuellen Migrationsforschung. Weitere Informationen siehe https://artofarriving.univie.ac.at

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 7 Zitationen
  • 5 Publikationen
  • 2 Policies
  • 6 Künstlerischer Output
  • 4 Disseminationen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Experiencing forced migration: challenges of arriving after displacement from Ukraine
    DOI 10.1080/1369183x.2024.2323666
    Typ Journal Article
    Autor Mijić A
    Journal Journal of Ethnic and Migration Studies
  • 2023
    Titel Refugees' Arriving through the Lens of Fiction: Unveiling the Ambivalences of Hegemonic Expectations
    DOI 10.3390/arts12020055
    Typ Journal Article
    Autor Mijić A
    Journal Arts
  • 2024
    Titel Continuity or Change? How Migrants' Musical Activities (Do not) Affect Ethnic Boundaries; In: Cultural Change in Post-Migrant Societies - Re-Imagining Communities Through Arts and Cultural Activities
    DOI 10.1007/978-3-031-39900-8_3
    Typ Book Chapter
    Verlag Springer International Publishing
  • 2023
    Titel Not like a fish in water: how we listened to the experiences of Ukrainian refugees and learned about ourselves.
    Typ Journal Article
    Autor Olena T.
    Journal Commons. URL: commons.com.ua/en/grupovi-diskusiyi-ta-dosvid-emigraciyi/
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The Art of Arriving: A New Methodological Approach to Reframing “Refugee Integration”
    DOI 10.1177/16094069211066374
    Typ Journal Article
    Autor Mijic A
    Journal International Journal of Qualitative Methods
    Seiten 16094069211066374
    Link Publikation
Policies
  • 2024 Link
    Titel Art, Migration and Social Inclusion
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Art, Migration and Social Inclusion
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
    Link Link
Künstlerischer Output
  • 2023 Link
    Titel Die Kunst des Ankommens: Lesung | Musik | Ausstellung
    Typ Artistic/Creative Exhibition
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Arriving 1-4
    Typ Composition/Score
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Außen vor
    Typ Creative Writing
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Fish and Mask
    Typ Artwork
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Ulysses. The Art of Arriving
    Typ Artwork
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Wir werden angekommen sein
    Typ Artefact (including digital)
    Link Link
Disseminationen
  • 2023
    Titel Die Kunst des Ankommens. Lesung, Musik, Ausstellung.
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023 Link
    Titel Forschen an der Schnittstelle von Soziologie und künstlerischer Praxis. Ein Expert*inneninterview mit Ana Mijić und Michael Parzer
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Kunstvolles Ankommen - wie Literatur, Musik, und Fotografie neue Blickwinkel im Kontext der Fluchtmigration fördern
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Harnessing the power of art
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
Weitere Förderungen
  • 2022
    Titel Zusatzantrag im Rahmen der FWF-Krisenunterstützung für Forschende aus der Ukraine für das laufende Projekt "The Art of Arriving" (TAI 154-G)
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2022
    Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)

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