(Il)liberale Kontroversen. EU als liberaler Akteur
Contesting Illiberalism. The EU as a Contested liberal Actor
Matching Funds - Salzburg
Wissenschaftsdisziplinen
Politikwissenschaften (100%)
Keywords
- European Union,
- Illiberalism,
- European Neighbourhood,
- Western Balkans,
- Contestation,
- Liberal Theory
Warum waren, ungeachtet der Vielzahl an maßgeschneiderten Instrumenten, dem Angebot zur Teilhabe am Wohlstand des weltgrößten Marktes und zuweilen sogar des Versprechens auf Mitgliedschaft die unablässigen Bemühungen der Europäischen Union, ihre unmittelbare Nachbarschaft in einen Raum der Stabilität, der Demokratie und des Wohlstands zu verwandeln, bisher nur von mäßigem, zerbrechlichem Erfolg gekrönt? Die Konflikte in der Nachbarschaft nehmen zu, die Implementierung der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) erweist sich als nervenaufreibend und der Erweiterungsprozess ist mühsam und stockend. Gleichzeitig wird der ehemals strategische Partner Russland zum Wettbewerber um Einflusszonen. Das Projekt ist darauf ausgerichtet, die Gründe für die Erfolglosigkeit der EU aufzuzeigen und verweist dabei vor allem auf eine zunehmend illiberale Dynamik in ihrer unmittelbaren Umgebung. Dabei wird von einer breiter angelegten Debatte rund um ein mögliches Ende der liberalen Weltordnung ausgehend, die Frage gestellt, was diese Dynamiken für die EU in einem Umfeld bedeuten, das für ihre Sicherheitsbelange von zentraler Bedeutung ist. Eine grundsätzliche Sorge dabei ist, dass die liberale Transformation selbst, welche die EU in diesem Bereich vorantreiben möchte, zum Auslöser illiberaler Gegenbewegungen wird. Ein besseres Verständnis der Gründe für den Widerstand und die daraus entstehenden Kontroversen ist daher unabdingbar. Oft wird die Ablehnung des auf Regeln, Institutionen und Marktmechanismen aufbauenden liberalen Projektes als irrational angesehen, als Ausdruck längst überholter, plumper Machtpolitik. Diese Sichtweise verhindert jedoch eine tiefere Auseinandersetzung mit der Attraktivität illiberaler Strömungen außerhalb der Grenzen der EU, und übersieht die Allianzen, die mit Akteuren innerhalb der EU geschmiedet werden. Das Ziel des Projektes ist daher, zu verstehen, wie die EU zu einem um Einfluss ringenden politischen Akteur in einer Nachbarschaft wurde, in der der von ihr propagierte Liberalismus zunehmend den Glanz verliert. Es weist aber auch auf die Dialektik zwischen der Rolle der EU als Vermittler von Werten und ihrem Engangement in einem geopolitischen Wettkampf hin. Dabei stellt das Projekt auf die Wahrnehmung der EU durch ihre illiberalen Wettstreiter ab. Die unterschiedlichen Varianten des Widerstandes und der Opposition, insbesondere wie sich unterschiedliche Akteure dazu engagieren, werden aufgezeigt, wobei ein Hauptaugenmerk auf lokalen Mustern des Illiberalismus liegt. Dies bietet Grundlage für Vergleiche, aber auch für theoretische Überlegungen zur EU als umstrittener liberaler Akteur. Das Projekt analysiert zudem, welche Auswirkungen das auf den liberalen genetischen Code der EU hat und wie wiederum externe illiberale Akteure sich mit illiberalen Tendenzen im Inneren der EU verbünden. Die Frage ist nicht zuletzt wie die EU selbst sich in diesem (Il)liberalen Wettstreit verändert.
Wer die liberale Demokratie in der europäischen Nachbarschaft am wirksamsten herausfordert, richtet sich nicht gegen Europa, sondern spricht in seinem Namen. Regierungen, Parteien, Kirchen und Medien in den Beitrittskandidaten (Ukraine, Moldau, Georgien und der Westbalkan) weisen europäische Werte selten offen zurück. Sie berufen sich auf sie und deuten sie um. Einschränkungen unabhängiger Gerichte, kritischen Journalismus oder der Rechte von Minderheiten erscheinen nicht als Abweichung von europäischen Standards, sondern als Verteidigung von Souveränität, Tradition und Mehrheitswillen. Transparenzregeln dienen dazu, die Zivilgesellschaft zu beschränken. Demokratie wird vom Minderheitenschutz abgekoppelt. CONLIB hat diese Argumente über mehrere Jahre dort verfolgt, wo sie vorgebracht werden: in Reden, in den Medien, in sozialen Netzwerken. Das folgenreichste Ergebnis betrifft den Verlauf der Konfliktlinie. Sie trennt nicht die Union von äußeren Gegnern, sondern verläuft durch beide hindurch. Politikerinnen und Politiker in den Kandidatenländern übernehmen Argumente von Regierungen und Parteien innerhalb der EU und erhalten von ihnen politischen Rückhalt; Konflikte aus der Nachbarschaft kehren in europäische Debatten zurück. Russland wirkt in diesem Raum weniger als äußere Macht als über Verbindungen, die über Jahrzehnte gewachsen sind - auch innerhalb der Mitgliedstaaten. Solche Auseinandersetzungen wirken über Gefühle ebenso wie über Argumente. Die Bedingungen einer Mitgliedschaft lassen sich als Demütigung deuten, als Ungleichbehandlung, als Beweis doppelter Standards. Setzt sich diese Deutung durch, erscheint die Union als jene Seite, die genau die Grundsätze verletzt, die sie von anderen verlangt. Deshalb werden scheinbar technische Fragen so schnell politisch. Aus einem Streit über Agrarsubventionen, Richterbestellungen oder Waldbewirtschaftung wird ein Streit darüber, welches Europa entsteht. Die weiterreichende Einsicht: Erweiterung ist nicht die Übergabe eines fertigen Regelwerks. Was Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Zugehörigkeit zu Europa praktisch bedeuten, entscheidet sich im Beitrittsprozess, nicht davor. Normen können daher erodieren, ohne dass sie jemand zurückweist: Gesetze werden beschlossen, Verfahren bleiben bestehen, und ihre Wirkung wird leise entzogen. Georgien zeigt, wie weit das führen kann. Die Regierungspartei dort sieht sich als die wahren Europäer, verraten von einer Union, die ihre eigenen Werte aufgegeben habe. Den Beitrittsprozess hat die Partei ausgesetzt, am Anspruch auf Europa hält sie fest. Für die Erweiterungspolitik verschiebt sich damit, worauf zu achten ist. Gesetzestexte sind leichter zu prüfen als ihre Anwendung, und gesellschaftliche Zustimmung zählt ebenso viel wie die Rechtslage - wie auch die grenzüberschreitenden Netzwerke, die solche Erzählungen tragen. Die Ergebnisse sind in Schulungen für Mitarbeitende des ukrainischen Parlaments eingegangen, in die Arbeit mit Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit zur Widerstandsfähigkeit von Demokratien und in ein europäisches Forschungsnetzwerk, das diese Konflikte über das Projektende hinaus weiter beobachtet. Europäische Regeln lassen sich übertragen. Ihre Bedeutung entsteht erst im Gebrauch.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 9 Zitationen
- 10 Publikationen
- 1 Ausgründungen
- 1 Policies
- 43 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2026
Titel Enlargement Politics; In: The Routledge Handbook of European Union Politics DOI 10.4324/9781003488736-46 Typ Book Chapter Verlag Routledge -
2026
Titel Umstrittene Verfassungen: Bruchlinien des EU-Beitritts in den westlichen Balkanstaaten; In: Ebenenübergreifende Rechtswissenschaft. Verfassung - Integration - Europa - Festschrift für Stefan Griller zum 70. Geburtstag DOI 10.33196/9783704698643-137 Typ Book Chapter Verlag Verlag Österreich -
2026
Titel Theorising Contestation in the Western Balkans; In: New Dynamics of Contestation in EU-Western Balkan Relations - Adapting to Protracted Accession amid Geopolitical Rivalries DOI 10.1007/978-3-032-13248-2_2 Typ Book Chapter Verlag Springer Nature Switzerland -
2026
Titel The Role of Humiliation in EU Contestation: A Study of Türkiye and Serbia; In: New Dynamics of Contestation in EU-Western Balkan Relations - Adapting to Protracted Accession amid Geopolitical Rivalries DOI 10.1007/978-3-032-13248-2_10 Typ Book Chapter Verlag Springer Nature Switzerland -
2026
Titel New Dynamics of Contestation in EU-Western Balkan Relations - Adapting to Protracted Accession amid Geopolitical Rivalries DOI 10.1007/978-3-032-13248-2 Typ Book editors Wydra D, Beshku K, Koxha K Verlag Springer Nature Switzerland -
2026
Titel Good Neighbourly Relations: Strategic Actors in North Macedonia and Member State-Driven Conditions; In: New Dynamics of Contestation in EU-Western Balkan Relations - Adapting to Protracted Accession amid Geopolitical Rivalries DOI 10.1007/978-3-032-13248-2_4 Typ Book Chapter Verlag Springer Nature Switzerland -
2026
Titel What it takes to join the EU: Conditionality, Sectoral Integration and the Transformation of ENlargement since 1991 Typ Journal Article Autor Gawrich Journal Zeitschrift für Europarecht (EuZ) Seiten 1-23 Link Publikation -
2023
Titel Perspektiven der Erweiterung – ein Versprechen, multiple Szenarien DOI 10.5771/0720-5120-2023-3-229 Typ Journal Article Autor Gawrich A Journal integration Seiten 229-243 -
2024
Titel Contested Procedures: The Challenge of Enforcing European Standards of Judicial Independence in EU Accession Countries DOI 10.5771/0030-6444-2024-3-265 Typ Journal Article Autor Wydra D Journal osteuropa recht Seiten 265-286 -
2024
Titel Conditions and Contestation: Ukraine on Its Way to EU-Membership DOI 10.1007/978-3-031-35040-5_8 Typ Book Chapter Autor Gawrich A Verlag Springer Nature Seiten 161-188 Link Publikation
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2022
Link
Titel Neue Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine - ZIB 2 Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2023
Link
Titel Forschung von Nebenan - Kampf um liberal Werte. Was für die EU in der Ukraine Frage auf dem Spiel steht. Typ A talk or presentation Link Link -
2025
Titel Meeting with Ukrainian students to discuss EU Enlargement Typ A talk or presentation -
2023
Link
Titel Forschung von Nebenan - Kampf um liberale Werte. Was für die EU in der Ukraine Frage auf dem Spiel steht. Typ A talk or presentation Link Link -
2023
Titel ORF III Analyse der Lage in Russland Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2022
Titel Thema ORF - Können Waffen Frieden schaffen Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2025
Link
Titel ORF III - Interview zur Feuerpause in der Ukraine Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2025
Titel ORF III Interview - peace talks Ukraine Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2025
Titel Europe Days - Lviv Typ A talk or presentation -
2022
Link
Titel ZIB Nacht - Besuch Nehammer bei Putin Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2023
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Titel EU Future Talks Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2026
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Titel Podcast: Krieg und Frieden. Aus Schutt und Asche: Die Ukraine von morgen (2/17), Ö1, 25.6.2026 Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2022
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Titel Talk im Hangar - Wankendes Russland Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2024
Titel Instabilität, Klimawandel, Kriege, Konflikte Typ A talk or presentation -
2022
Link
Titel Im Zentrum ORF Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2024
Titel Webinar Series for the Research Service of the Verkhovna Rada: Democracy and Judicial Independence in the EU Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2024
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Titel Europas Moment der Wahrheit - Commentary Newspaper Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2023
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Titel Public Lecture Series SCEUS - Herausforderungen der EU Erweiterung Typ A talk or presentation Link Link -
2025
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Titel The Eu in a fragmenting World Order Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Titel ZIB Nacht - Besuch Nehammer bei Putin Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2023
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Titel Der lange Weg in die EU - Interview Salzburger Nachrichten Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2025
Titel Cooperation with Pezinok Group Typ A formal working group, expert panel or dialogue -
2025
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Titel Der Standard - Europa muss Russlands Kalkül durchkreuzen Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2025
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Titel The EU in a fragmenting World Order Typ A talk or presentation Link Link -
2025
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Titel EuropaClub Salzburg: 30 Jahre Österreich in der EU - Europas Zukunft. Unsere Zukunft Typ A talk or presentation Link Link -
2025
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Titel Europe Days - Lviv Typ A talk or presentation Link Link -
2022
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Titel Konflikt zwischen Serbien und Kosovo Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2024
Titel What about democracy? - Stuttgart Typ A talk or presentation -
2022
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Titel Thema ORF - Können Waffen Frieden schaffen Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link -
2026
Titel Repeated interviews on current developments in Russia and Ukraine/ ORF III Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2024
Titel IRE Discussion "Wie steht es um unser gemeinsames Europa"? (How is our common Europe doing?) Typ A talk or presentation -
2022
Titel Euranet Plus / ams radio interview on the political background to the war in Ukraine Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2024
Link
Titel Europa neu gedacht Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2022
Titel Radio Südtirol - recurring requests for comments on developments within the EU and its neighbourhood Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2022
Titel AMS Radionetzwerk Euranetplus Podcast Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2026
Link
Titel Contesting Europe from the Waiting Room: Presentation of New Dynamics of Contestation in EU-Western Balkan Relations Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Titel Neue Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine - ZIB 2 Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2026
Titel Weimar Plus Roundtable Typ A formal working group, expert panel or dialogue -
2022
Titel Im Zentrum ORF Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2026
Titel BiEPAG+ mision in Paris: France and the future of EU enlargement Typ A formal working group, expert panel or dialogue -
2022
Titel Talk im Hangar - Wankendes Russland Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2024
Titel Osteuropäische Perspektiven Typ A talk or presentation -
2025
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Titel Trump plant den Umbau Europas - Österreich steht auf seiner Liste Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview Link Link
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2023
Titel Österreichische Gesellschaft für Europapolitik Typ Awarded honorary membership, or a fellowship, of a learned society Bekanntheitsgrad National (any country)
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2026
Titel Advancing Beyond Contestation: Addressing the Challenges of Resilient Enlargement (AdvancEU) Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2026 Geldgeber European Commission European Education and Culture Executive Agency (EACEA)